Andreas Martin Hofmeir

Ein Tubist wie du und ich

Andreas Martin Hofmeir ist seit Langem der erste Tuba-Spieler, der wahrgenommen wird. Das liegt nicht nur an seinem außergewöhnlichen Spiel. Hofmeir ist auch Kabarettist und kann sich deshalb gleich selbst über sein Instrument lustig machen. Mit ihm sprach Clemens Haustein.

Foto: Philippe Gerlach/Sony
<i>Foto: Philippe Gerlach/Sony</i>

Um die Tuba ernst nehmen zu können, braucht es Witz. Und einen exzellenten Musiker. Als Tubist Andreas Martin Hofmeir im vergangenen Oktober den ECHO-Klassik als »Instrumentalist des Jahres« verliehen bekam, übernahm der Comedian Olaf Schubert die Laudatio. Er sprach von den Tubisten als »Bergmännern der Musik, halbblinden Tonwichten, Fußabtretern des Orchesters, die in den Tonkatakomben und Klangkellern ein schimpfliches Dasein führen«. Darauf trat Hofmeir auf, barfuß wie stets, Hemd über der Hose, spielte einen Satz aus einem Tubakonzert so leicht und elegant, wie man es bei diesem Blechmonstrum nicht für möglich gehalten hätte, und revanchierte sich anschließend mit einer Dankesrede, die zu humorvoll war, als dass die Verantwortlichen sie in der Fernsehversion der ECHO-Klassik-Preisverleihung hätten haben wollen. Die Passage wurde herausgeschnitten.

Dass er bestimmt der am schlechtesten angezogene Preisträger aller Zeiten sei, witzelte der Bayer, der da hemdsärmelig und barfüßig auf der Bühne stand wie ein erwachsener Bauernjunge. Und dass beim ECHO bekanntlich beides in die Entscheidung miteinfließe: das Können der Künstler und die Verkaufszahlen ihrer CDs. Er habe von seiner CD aber gerade einmal 137 Stück verkauft, daran kann es also nicht gelegen haben. Dann noch ein bisschen Eigenpromotion (»Eine Tuba-CD gehört in jeden vernünftigen Plattenschrank.«) und lustige Spielchen mit der mehr oder weniger schönen Preis-Skulptur, die sich ganz wunderbar im gewaltigen Schalltrichter einer Tuba versenken lässt. Der Saal johlte, ein paar Offizielle lächelten säuerlich. Fürs Fernsehpublikum wäre das bei diesem Preis, den die Schallplattenfirmen untereinander aushandeln, offenbar ein wenig zu viel der Wahrheit gewesen.

Hofmeir kann das tun, weil er nicht nur Tubist ist, sondern auch Kabarettist. Erstes für alle musikinteressierten Menschen dieser Erde, zweites vor allem für Personen, die bayerische Sprache und Humor verstehen und mögen. Während seines Studiums in Berlin sei er sehr faul gewesen, erzählt er beim Gespräch in München, und sei stattdessen ständig mit seinem Musik-Kabarett-Ensemble unterwegs gewesen, das er noch zu Schulzeiten in Geisenfeld nördlich von München gegründet hatte. Richtig zu üben habe er erst begonnen, als er plötzlich in der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker gelandet war. Ihm rutscht dann auch noch etwas von wegen »Kabarett als mein eigentlicher Beruf« heraus. Das ist dann doch erstaunlich für einen, der gerade die erste Tuba-Solo-CD der Geschichte bei einem großen Label veröffentlicht hat.

Herr Hofmeir, ist man als Tubist dazu verdonnert, lustig zu sein?

Nicht unbedingt, aber ich sage immer: Die Leute, die Tuba lernen, sind diejenigen, die im Schulbus hinten sitzen. Die Tuba ist nicht bekannt dafür, ein Streberinstrument zu sein. Insofern sind es schon meistens die humorvolleren Leute, die dieses Instrument spielen.

Geht Ihnen diese lustige Seite auf Dauer nicht auch auf die Nerven?

Normalerweise nicht. Ich will ja als Person nicht so ernst genommen werden. Ich möchte natürlich, dass man meine Stücke mag. Und beim Kabarett soll es ja lustig sein.

Es nervt Sie auch nicht, ständig gefragt zu werden, warum Sie barfuß auftreten?

Ich müsste das ja nicht tun. Viele sagen ja auch: Jemand, der gut spielt, hat es nicht nötig, barfuß auf die Bühne zu gehen. Ich habe aber tatsächlich ein paar Mal meine Konzertschuhe vergessen und dies erst sehr spät bemerkt. Und mit Schuhgröße 46 kriegst Du so schnell nix her, eine halbe Stunde vor dem Konzert. Dann bin ich ein paar Mal barfuß aufgetreten und habe gemerkt, dass dadurch das Publikum sofort bei mir als Künstler war. Bei einer schönen Frau schaut jeder gerne auf die Bühne. Wenn ich komme, dann schaut jeder erst mal weg. Wenn ich barfuß bin, dann schauen sie wenigstens hin.

Natürlich kokettiert Hofmeir da ganz kräftig. Denn mit seiner Barfüßig-, Hemdsärmelig- und Langhaarigkeit spielt der Tubist durchaus bewusst mit dem Bild vom bayerischen Naturburschen – und nutzt damit auch die neue Attraktivität bayerischer Urwüchsigkeit.   Bei LaBrassBanda, der neobayerischen Blasmusikband, zu deren Gründungsmitgliedern Andreas Hofmeir gehört, ist das ironische Spiel mit ländlicher Urwüchsigkeit ebenfalls Teil des Erfolgsrezeptes. LaBrassBanda bringt mit ihrer Gypsy-Techno-Funk-Volksmusik-Mischung mittlerweile riesige Hallen in Wallungen; um ein Haar wäre die Gruppe im vergangenen Jahr als deutscher Teilnehmer zum »Eurovision Song Contest« gefahren. Hofmeir wird an der Tuba aber mittlerweile meistens vertreten. Nur noch zwischen fünf und zehn Auftritte absolviert er pro Jahr mit der Band. Er bringt jetzt lieber seine Solokarriere in Gang, tritt mit kabarettistischen Lesungen auf, konzertiert in einem, auf dem Papier nicht weniger kabarettistisch wirkenden, Duo mit Harfenspieler Andreas Mildner und kümmert sich nebenbei auch noch um seine Tuba-Klasse am Mozarteum in Salzburg.

Der Andrang an Studenten dürfte heftig zunehmen. Hofmeir macht ja nicht nur auf sich aufmerksam, weil er ein bisschen lustig ist und für alle Preußen ein bayerisches Urviech, sondern weil er außergewöhnlich Tuba spielt. Im Jahr 2005 gewann er den Deutschen Musikwettbewerb als erster Tubist überhaupt, mit 28 Jahren wurde er Professor in Salzburg. Sehr leicht und elegant ist sein Klang, tenoral vibrierend. Obwohl dieses Instrument so gewaltige Mengen an Luft schluckt, vermag Hofmeir herrlich weite Melodiebögen zu spielen. Er gewinnt dem Instrument damit eine charmante Seite ab, eine Leichtfüßigkeit, die man kaum vermutet hätte.

Gibt es ein Geheimnis, wie man Tuba mit einem so leichten, schlanken Ton spielt?

Ich könnt´s jetzt genau erklären, wie das geht, aber das würde ewig dauern. Im Endeffekt habe ich mir diese Technik von Geigern abgeschaut. Ich mache mit dem Mund im Grunde das Gleiche, was ein Geiger mit seiner Bogentechnik macht. Und je weiter die Lippen geöffnet sind, je geringer der Luftdruck ist, desto runder und schöner wird der Ton.

Es ist eine spezielle Technik, die Sie erfunden haben?

Es kann gut sein, dass irgendwo einer sitzt, der das Gleiche erzählt wie ich gerade. Ich kenne ja nicht alle Tubisten. Ich habe mir meine Spieltechnik aus der Erfahrung mit verschiedenen Lehrern zusammengereimt. Und ich konnte sie mir auch aneignen, weil ich während meiner Zeit an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und hier in München in der Orchesterakademie der Philharmoniker umringt war von phänomenalen Musikern. Ich habe ständig die allerallerbesten Musiker gehört. Auf der Bühne. Beim Üben. Man gewöhnt sich an diese Qualität. Und man will diese Qualität dann auch selbst erreichen und sagt nicht mehr: Das geht nicht, weil mein Instrument ja eine Tuba ist. Es geht alles auf der Tuba!

<i>Ein Instrument, viele Facetten: Bei LaBrassBanda sorgt Hofmeir für den richtigen Bass-Beat im Techno-Funk-Volksmusik-Gemisch. Foto: Gulliver Theis/PR</i>

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Mai 2014