Auch das Verdi-Quartett gibt sich gemäß dem Festivalmotto in Füssen vielsaitig. Bild: Kulturamt Füssen / Peter Samer

Auch das Verdi-Quartett gibt sich gemäß dem Festivalmotto in Füssen vielsaitig. Bild: Kulturamt Füssen / Peter Samer

Musik für Saiteninstrumente

Der Bau von Saiteninstrumenten hat in Füssen Tradition. Mit dem Festival "vielsaitig" widmet sich die Stadt diesem besonderen Erbe spannt die Saite von der Alten Musik bis zu elektronische Klängen.

In der idyllischen Landschaft von Füssen, inmitten von Seen und Gebirgen, gewinnen die Dimensionen des Raumes und der Zeit eine zusätzliche Tiefe: An der geschichtsträchtigen Via Claudia Augusta gelegen, erlangte die malerische Stadt als »Wiege« des Lauten‑ und Geigenbaus eine einzigartige Bedeutung in der Historie der europäischen Musik.

Das Festival vielsaitig widmet sich diesem ganz besonderen Erbe und pflegt, wie der Name unmißverständlich zeigt, insbesondere die Verbindung von Instrumentenbau und Instrumentalmusik in all ihren Schattierungen. Dabei sorgt alljährlich ein knappes, prägnantes Motto für eine ebenso unverwechselbare wie unvergeßliche Ausrichtung, die es erlaubt, vielsaitigste Erscheinungsformen mit einem großen Wurf zu erfassen – wie in diesem Jahr, wenn es vom 24. August bis zum 3. September um zeitliche, kulturelle und geographische »Zwischenräume« geht.

In diesen Zwischenräumen lösen Reize Reaktionen aus, entstehen magische Momente und innere Landschaften. So entführt das Verdi Quartett – durch die Bratschistin Madeleine Przybyl und den Cellisten Alban Gerhardt zum Sextett erweitert – in die Verklärte Nacht, zu deren glühenden, spätestromantischen Treibhausblüten sich Arnold Schönberg von dem gleichnamigen Gedicht von Richard Dehmel hat anregen lassen: Der Raum zwischen den Jahrhunderten, zwischen den Stilen, zwischen den Disziplinen wird hier zum Schauplatz hinreißender Ereignisse.

»Born to be mild« nennen Hille Perl und ihr Ensemble ihre spezielle Synthese aus Alter Musik und elektronischen Klängen, und wieder ist ein Zwischenreich der Epochen, Stile und Nationen aufgetan. Anschließend bewegen sich zwei international renommierte Solisten »zwischen den Zeiten«:  Alban Gerhardt, der zuvor bereits mit dem Verdi Quartett zu hören war, und der Pianist Matthias Kirschnereit gestalten aus der Begegnung mit Claude Debussy. Alberto Ginastera, Max Reger, Leoš Janácek und Dmitrij Schostakowitsch ein schillerndes Kaleidoskop der »anderen« Moderne.

Der zypriotische Wahl-Füssener Nikolas Kyriakou beschreibt im Zusammenspiel mit seinem japanischen Kollegen Takeo Sato die musikalischen Wandlungen, die man auf der Reise von Japan nach Zypern wahrnehmen kann: Das Resultat ist ein gitarristischer Duo-Abend der Extraklasse.

Das Jourist Quartett führt russische und argentinische Tangos in einem Raum zusammen, während Twana Rhodes & Band die Berührungspunkte zwischen Jazz und Pop ausloten.

Mit der »Erklärung einiger Dinge« gelingt Saad Thamir und seinem Ensemble schließlich die Überwindung der scheinbar unüberwindbaren Gegensätze von Orient und Okzident. Der gebürtige Iraker hat Friedensgedichte bekannter Literaten in eine Musik gefaßt, die Elemente der Klassik und des Jazz mit traditionellen Gesängen arabischer Frauen und den komplexen Maqamat des Nahen Ostens in einem faszinierenden Konzert verknüpft.