Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Foto: Matthias Creutziger

Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Foto: Matthias Creutziger

30 Jahre Suntory Hall in Tokio

Mit zwei halbszenischen Aufführungen des Rheingolds, zwei Konzerten und zwei Kammerkonzerten gastiert die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann vom 18. bis 23. November 2016 in der Suntory Hall in Tokio. Anlass sind die Feierlichkeiten zu deren 30-jährigem Jubiläum.

Es brauchte einen japanischen Getränkehersteller, um Mitte der 80er Jahre in Japan erstmals einen Konzertsaal zu bauen, der ausschließlich der Durchführung klassischer Konzerte vorbehalten war. Als Berater wurde damals kein Geringerer als Herbert von Karajan hinzugezogen. Wenngleich architektonisch unauffällig – mit Ausnahme des Eingangsbereich ist von dem Saal von außen nichts zu sehen –, verfügt die Suntory Hall über eine Akustik, die immer wieder Erstaunen auslöst. Bis heute ist die Suntory Hall für alle großen Solisten und Orchester ein Ort von nahezu magischer Bedeutung.

Seit dem Jahr 1989 ist auch die Sächsische Staatskapelle dort regelmäßig zu Gast, 24 Mal war sie bislang  zu hören. Ihren Einstand gab sie noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, am 3. April 1989 unter der Leitung von Hiroshi Wakasugi. Vor allem Konzerte und konzertante Opernaufführungen mit den Dirigenten Herbert Blomstedt, Giuseppe Sinopoli und Bernard Haitink schufen in den Folgejahren eine enge Bindung an das japanische Publikum. Daran hat sich auch seit der Berufung von Christian Thielemann zum Chefdirigenten der Staatskapelle nichts geändert, ganz im Gegenteil: Die gemeinsamen Gastspiele in den Jahren 2012 und 2015 fanden immer vor ausverkauftem Haus und vor begeistertem Publikum statt.

Das Programm der nun bevorstehenden, knapp einwöchigen Residenz, präsentiert die Staatskapelle in all ihren Facetten. Zu Beginn steht die halbszenische Aufführung von Wagners Das Rheingold (Wiederholung am 20. November) mit den Solisten Michael Volle (Wotan), Kurt Streit (Loge), Albert Dohmen (Alberich), Gerhard Siegel (Mime), Stephen Milling (Fasolt), Ain Anger (Fafner), Mihoko Fujimura (Fricka) und Christa Mayer (Erda) auf dem Programm.

In den Orchesterkonzerten (22. und 23. November) erklingen Beethovens Klavierkonzerte Nr. 2 & 5, Richard Strauss‘ »Eine Alpensinfonie«, Pjotr I. Tschaikowskys Fantasieouvertüre »Romeo und Julia« sowie »Les Préludes« von Franz Liszt. Solist ist Kit Armstrong, der für den erkrankten Yefim Bronfman die Konzerte übernehmen und damit sein Debüt in Konzerten der Staatskapelle Dresden feiern wird. Im April 2017 wird er darüber hinaus bei einem Sonderkonzert der Staatskapelle im Rahmen der Mozart-Tage der Semperoper mit dem Klavierkonzert G-Dur KV 453 zu hören sein.

"Wir haben uns über die Maßen gefreut, als uns die Einladung zur bevorstehenden Residenz in der Suntory Hall erreichte. An den Feierlichkeiten zu deren 30-jährigem Jubiläum so intensiv mitwirken zu dürfen, empfinden wir als große Ehre. Es gibt wohl kaum einen Saal, in dem wir uns so wohl und herzlich willkommen fühlen, wie in der einzigartigen Suntory Hall. Dafür ganz maßgeblich verantwortlich sind Herr Tetsuo Ichimoto und Frau Keiko Manabe, denen ich an dieser Stelle für ihr Vertrauen und ihre großartige Arbeit ganz herzlich danken möchte. Unser Dank gilt aber auch Kit Armstrong, der sich kurzfristig bereit erklärt hat, für den Kollegen Bronfman einzuspringen. Armstrongs Musikalität und Intelligenz sind geradezu verblüffend. Er ist ein Talent, wie man es nur ganz selten erlebt. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm", sagte Christian Thielemann.

Erstmalig stehen im Rahmen eines Kapell-Gastspiels in der Suntory Hall auch Kammerkonzerte auf dem Programm. Das Dresdner Oktett, dass sich aus Stimmführern und Solobläsern der Staatskapelle zusammensetzt, führt am 21. November das Septett in Es-Dur op. 20 von Ludwig van Beethoven sowie Franz Schuberts Oktett D 803 auf.

Das Dresdner Streichquartett wirkt am 19. November bei der Szenischen Kollage »Fräulein Tod trifft Herrn Schostakowitsch« mit und spielt dabei unter anderem das achte Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch. An diesem Projekt maßgeblich beteiligt sind auch die Schauspielerin und Tochter Herbert von Karajans, Isabel Karajan, sowie der Pianist Jascha Nemtsov. Dieses Projekt war im letzten Jahr auch bei den Osterfestspielen Salzburg zu Gast und wurde ursprünglich 2014 bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen in Gohrisch aus der Taufe gehoben.

Mit dem Programm der Tokio-Residenz schlagen Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle gleichzeitig schon eine Brücke zu den Osterfestspielen Salzburg, wo sie als künstlerischer Leiter bzw. als Residenzorchester seit dem Jahr 2013 quasi eine zweite Heimat gefunden haben.

Im Jahr 2017 steht auch an der Salzach ein Jubiläum an: Vor 50 Jahren war es Herbert von Karajan, der dieses Festival ins Leben rief. Eine gewisse Analogie zwischen den Programmen in Tokio und Salzburg ist nicht zu übersehen. So erfährt Das Rheingold im November zu Ostern 2017 in Salzburg seine Fortsetzung mit der Walküre - als Re-Kreation der Produktion von 1967.