Andromeda Mega Express Ochestra. Foto: Christoph Soeder

Andromeda Mega Express Ochestra. Foto: Christoph Soeder

5 Tage – 50 Bühnen – 100 Konzerte

Ein Festival des individuellen Entdeckens mit der Vielfalt der europäischen Jazzszene, den Entwicklungen an der amerikanischen Ostküste sowie Welt- und elektronischer Musik im Kontakt zum Jazz: auch das ist Salzburg.

Jazz & The City Salzburg bringt seit 18 Jahren improvisierte Töne in die Altstadt. Zwar gilt der heimischen Szene nach wie vor ein wichtiges Augenmerk, jedoch ist das Programm zunehmend internationaler geworden.

Es sind nicht die großen Namen, die den Ruf des Festivals ausmachen, sondern das individuelle Entdecken der Besucher: die Vielfalt der europäischen Jazzszene, die Entwicklungen an der amerikanischen Ostküste, und das, was als Welt- und elektronische Musik die Begegnung mit dem Jazz sucht. Dies geschieht an Konzertorten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: u.a. in den Weiten der barocken Kollegienkirche mit ihren neun Sekunden Nachhall, auf der Probebühne der Universität Mozarteum, im Blaue Gans Weinarchiv, auf engstem Raum im urigen Restaurant Pauli Stubm, über den Dächern der Stadt im M32 beim Museum der Moderne, im Landestheater, in der Getreidegasse und in einem leerstehenden Mietshaus.

„Out of the Box“ steht dafür, über den eigenen Horizont hinaus zu denken. Die Altstadt von Salzburg wird bei diesem Format unter die Lupe der Kreativen genommen. Im Rahmen des von Bund und Land geförderten gleichnamigen Projekts widmen sich Musiker des Festivals im Austausch mit Medizinern, Architekten, Stadtplanern, bildenden Künstlern, Schauspielern, Historikern u.a. in einer zweitägigen Zusammenkunft dem Thema „Improvisation und Stadt“ – mit offenem Ausgang. Dabei laden sie die Festivalbesucher immer wieder zum Partizipieren ein – im Künstlerhaus oder im fiktiven Chelsea Hotel im Andräviertel.

Ermöglicht wird dies insbesondere durch die langen Aufenthalte der Musiker in der Altstadt. Man könnte fast von Residenzen sprechen. So wird der norwegische Pianist Bugge Wesseltoft nicht nur solo zu hören sein, sondern an einem anderen Abend Künstler seines Labels ‚Jazzland’ präsentieren; von der jungen Gruppe Moksha und der Sängerin Rohey bis hin zum heimischen Radio.String.Quartet. Auch der finnische Gitarrist Kalle Kalima, der mit A Novel of Anomaly die Bühne des Republic bespielt, hat gleich für die ganze Festivalwoche verlängert und wird bei der Neuauflage des ‚Sofakonzerts’ im Gitarrenladen „Riverside Guitars“ an die Tradition der Vorjahre anknüpfen und Musik ganz intim an „winzigen” Spielorten erlebbar machen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der holländischen Saxofonistin Marike Van Dijk. Stereography heißt ihr Projekt, das sie gemeinsam mit u.a. Lukas Kranzelbinder, David Helbock, Christoph Pepe Auer öffentlich proben und anschließend zur Aufführung bringt. Die meisten der teilnehmenden Musiker, wie der amerikanische Sänger Jeff Taylor oder die britische Singer-Songwriterin Katell Keineg, werden während des Festivals bei weiteren spontanen Zusammenkünften – den Blind Dates – zu hören sein.

Den längsten Anreiseweg hat eine Gruppe junger Musiker aus Zimbabwe. Mokoomba wird das Festival am Mittwochabend eröffnen und die ganze Woche über an unterschiedlichen Orten zu erleben sein. Eher beständig ist da der Spielort der Fusion- und Kultband Azymuth. Die drei brasilianischen Musiker spielen neben ihrem eigenen Programm zudem an drei Abenden zur Late Night Session im Festivaljazzclub im Sternbräu.

Die Nächte werden von unterschiedlichen DJ Sets aus Salzburg, London und Berlin aufgemischt. Apropos Berlin. Mit dem XJazz Festival der deutschen Hauptstadt sind im Rahmen einer Kooperation Festivalmacher Sebastian Studnitzky mit seinem Projekt Memento und die Berliner TechnoJazz Band Komfortrauschen zu Gast in Salzburg. Zu entdecken sind 47 Soul – vier junge Palästinenser, die in unterschiedlichen Ländern leben, und ihren Wunsch nach Freiheit mit gut tanzbarem ‚Shampstep’ besingen. Mit den sphärisch elektronischen Klängen von Nils Petter Molvaer & Stian Westerhus kann man die Nacht ausklingen lassen.

Den roten Faden spinnen bei der World Music die Frauen: von Nataša Mirković, die sich, begleitet von Michel Godard, sephardischen Liedern widmet, über die ungarische Gitarristin Zsófia Boros, die junge brasilianische Band Quartabê, die Angolanerin Aline Frazão und die in Wien lebende israelische Sängerin Timna Brauer bis zu den Neapolitanerinnen von Assurd. Den Abschluss findet dieser Reigen beim Grand Finale im Landestheater mit den Italienerinnen Lucilla Galeazzi und Elena Ledda, die sich mit dem Ensemble Bella Ciao alten Arbeiter- und Partisanenliedern ihrer Heimat widmen.  

Das Festival und die lokale Szene In diesem Jahr gibt es dank Fördermitteln der Stadt Salzburg erstmals eine Kooperation mit dem Club Jazzit, der ein „Gastspiel“ auf einer Altstadtbühne gibt und gleichzeitig seine Türen im Bahnhofsviertel für weitere Auftritte von Festivalkünstlern öffnet. Einige der Musiker, die hier präsentiert werden, sind Salzburger, deren musikalische Laufbahnen bei unzähligen Jazzit-Auftritten und -Sessions ihre Anfänge nahmen: Pianist Elias Stemeseder, Saxofonist Fabian Rucker mit Namby Pamby Boy oder auch Saxofonist und Bassist Peter Fürhapter mit The Rasp.

Die Spielorte werden durch die neu geknüpften Kooperationen zur Universität Mozarteum, dem Jugendzentrum Yoco im Markussaal und dem Musikum Salzburg ergänzt.   „Uns ist es sehr wichtig, im Rahmen des Festivals einen Scheinwerfer auf die Akteure und Institutionen zu richten, die das ganze Jahr hindurch für musikalische Vielfalt sorgen und die Salzburger Altstadt für alle Altersgruppen anziehend machen“, sagt Intendantin Tina Heine. Kinder- und Familienprogramm, Künstlerkollaborationen, Workshops für Musiker, Kinofilme sowie ein breites kulinarisches Angebot machen das fünftägige Festival zu einer Festwoche für alle Altersgruppen. An diesen Tagen lässt sich eine Vielfalt spüren, die den Charme der Salzburger Altstadt auch jenseits der schönen Kulissen auslotet.

Das Festival Jazz & The City Salzburg findet vom 25. bis 29. Oktober 2017 statt.