Was macht das Hirn des Pianisten bei Ligeti? Prof. Altenmüller gibt Antworten. Foto: Oh Ton Delmenhorst

Was macht das Hirn des Pianisten bei Ligeti? Prof. Altenmüller gibt Antworten. Foto: Oh Ton Delmenhorst

ABGESAGT: Science Konzert – Motorische Intelligenz

Das ist doch endlich mal ein Veranstaltungsmotto, unter dem man sich etwas Konkretes vorstellen kann: "Anforderungen an das Gehirn eines Pianisten Ligetis Etüden vortragend" - und das in Theorie und Praxis. Dieses Konzert ist wegen Krankheit abgesagt, wie der Veranstalter am 12.09. mitteilte.

Das menschliche Gehirn stellt uns trotz vielfältiger Forschungsergebnisse immer noch vor Rätsel. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund der hohen Attraktivität des Themas für Wissenschaft und Gesellschaft. Ein Ergebnis bisheriger Hirnforschung ist, dass nach Noten gespielte Musik komplexeste Anforderung an das menschliche Hirn stellt, allein schon, weil bis auf das Riechen sämtliche Sinne beansprucht werden.

In einem „Science Konzert“ am Wissenschaftskolleg in Delmenhorst geht es um die Anforderungen an das menschliche Hirn am Beispiel der dreibändigen „Études pour piano“ (1985‐2001) von György Ligeti (1923 – 2006). Dieses Werk galt bei Erscheinen als unspielbar und es ist dem Hamburger Pianisten Volker Banfield, der den ersten Band für Schallplatte einspielte, zu verdanken, dass dieses Urteil zu revidieren war.

Dennoch muss gesagt werden, dass die Anforderungen an den Interpreten extrem hoch sind. Dieses Werk spielen zu können, verlangt einen enormen Zeitaufwand, allein wegen der technischen Schwierigkeiten. So gibt es z.B. viele Passagen, in denen beide Hände in verschiedenen Zeitmaßen spielen – dies ist auch der Aspekt, der für die Hirnforschung immens von Bedeutung ist.

In der Veranstaltung werden diese Hintergründe beleuchtet und aus neurophysiologischer Sicht betrachtet. Welche Anforderungen sind es konkret, die das Hirn hier leisten muss und welche Prozesse laufen unter welchen Bedingungen zeitgleich? Mit Prof. Eckart Altenmüller ist ein für diese Fragen kompetenter Wissenschaftler eingebunden, der sich auch umfassend mit Ligetis Klavierwerk beschäftigt hat. Eine glückliche Fügung ist es, dass Altenmüller ein Flötenstudium abgeschlossen hat und somit auch auf dem Gebiet der Musik ein kongenialer Partner für das Vorhaben ist.

Thomas Hell ist einer der ganz wenigen Pianisten, die alle drei Bände der Ligeti‐Etüden in einem Konzert spielen. Er hat das Werk auf CD veröffentlicht und weltweit beste Kritiken erhalten. An dem Abend werden sechs bis zehn Etüden zu hören sein, für die bessere Verständlichkeit besondere Passagen aus den gespielten Etüden auch mehrfach.

Science Konzert – Motorische Intelligenz mit Thomas Hell (Piano), Prof. Eckart Altenmüller (Vortrag), am Freitag, 16.09.2016, 19:30 Uhr im Hanse Wissenschaftskolleg, Delmenhorst