The Playfords. Foto: Martin Jehnichen

The Playfords. Foto: Martin Jehnichen

Abschluss des 13-Jahres-Projektes

Der Kammerchor Josquin des Préz lädt vom 1. bis 3. September zum Finale seines nunmehr 13-jährigen Projektes nach Leipzig ein, um die Aufführung aller Werke Josquins abzuschließen. Der DLF stellt dazu seine Mikrofone auf.

 

 

 

Das Publikum erwartet zahlreiche Konzerte und ein Renaissance-Fest für die ganze Familie mit Gauklern, Tänzern, Musikanten und Schauspielern (3.09., 11:30-14:00 Uhr, Thomaskirchhof) sowie ein vielfältiges Workshop-Angebot. 

Zu Gast sind die Ensembles Weser-Renaissance, Alta Musica, All’Improvviso, The Playfords und die Spezialistin für historischen Tanz Mareike Greb. Im Abschlusskonzert in der Leipziger Thomaskirche schlägt der Kammerchor Josquin des Préz gemeinsam mit weiteren Künstlern des Finalwochenendes den Bogen zu Martin Luther, der Josquin als Lieblingskomponisten bezeichnete. Auf dem Programm stehen Werke dann auch von Ludwig Senfl, Johann Hermann Schein, Heinrich Schütz sowie die „Luther-Madrigale" von Bernd Franke. Außerdem erklingt Josquins 24-stimmiger Kanon „Qui habitat“. Der Deutschlandfunk sendet das Konzert am 9. September, 20:03 Uhr.

Seit 2004 widmet sich der Kammerchor zusammen mit Spezialisten der Alten-Musik-Szene der Aufführung des Gesamtwerks von Josquin, das u.a. 18 Messen, 60 Motetten und 60 Chansons umfasst. In den über 30 Konzerten wurden zudem Kompositionen aus dem musikalischen Umfeld Josquins sowie Werke der späteren Jahrhunderte bis hin zur Gegenwart einbezogen, die sich mit dem Meister der Renaissance auseinandersetzen.

In enger Zusammenarbeit mit Willem Elders, Chefeditor der „New Josquin Edition“, entstand ein einzigartiges Projekt, das den Geist Josquins und seine Bedeutung weiterträgt. Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen unter der Leitung von Manfred Cordes eröffnet am 1. September, 20 Uhr, in der Evangelisch Reformierten Kirche das Finalwochenende u.a. mit Josquins „Missa Malheur me bat" (NJE 9.1) und dem Motettenzyklus „O Domine Jesu Christe" (NJE 22.1).

Jedem Projektkonzert der Aufführungsserie lag ein Thema zugrunde, welches sich aus Josquins Biografie, zeitgeschichtlichen Aspekten oder einem besonderen Werk ergibt. Zugleich wird das musikalische Umfeld beleuchtet, so dass ein lebendiges Bild der Zeit, in der Josquin wirkte, entstehen kann.

Darüber hinaus wurden Werke späterer Jahrhunderte bis zur Gegenwart ausgewählt, die einen Bezug zu Josquin erkennen lassen: Denn alle nachfolgenden Generationen haben sich mit diesem bedeutenden Komponisten der Renaissance auseinandergesetzt.

Vielfalt war zudem durch die Verbindung geistlicher und weltlicher Literatur, wechselnde Konzertorte und Interpreten sowie die Einbeziehung von Lesungen und Vorträgen geboten. Die meisten Konzerte fanden in der Leipziger Thomaskirche statt, gestaltet vom Kammerchor Josquin des Préz. Renommierte Instrumentalensembles und Solisten wie das Bläser-Collegium Leipzig, Thomasorganist Ullrich Böhme oder das Leipziger Concert bereicherten den Ensemblegesang.

Das Projekt der Gesamtaufführung des Werkes von Josquin des Préz fand und findet auf Basis neuester musikwissenschaftlicher Erkenntnisse statt und wird in enger Zusammenarbeit mit den Editoren der „New Josquin Edition", insbesondere dem Chefeditor Willem Elders realisiert. Für einen Großteil der Kompositionen wird die 1987 begonnene kritische Neuedition (Josquin des Préz. New Edition of the Collected Works, hrsg. von W. Elders u. a., Utrecht 1988 ff.) verwendet, bei noch nicht publizierten Stücken wird die zwischen 1921 und 1969 entstandene (alte) Gesamtausgabe der Werke Josquin des Préz' (Werken van Josquin des Prés, hrsg. von A. Smijers, fortgeführt von M. Antonowycz und W. Elders, Amsterdam/Leipzig 1921–1969) genutzt.

Das Projekt der Gesamtaufführung des Werkes von Josquin des Préz findet auf Initiative des gleichnamigen Kammerchores statt. Ungefähr die Hälfte der Konzerte gestaltet das zwölfköpfige Ensemble selbst. Dabei wird der Chor – abhängig von den im Programm erklingenden Werken – zum Teil durch weitere Chorsänger ergänzt sowie durch Instrumentalensembles unterstützt.

Das erste Konzert fand am 19. September 2004 in der Leipziger Thomaskirche statt. Es musizierten der Kammerchor Josquin des Préz, das Leipziger Concert, das Bläser-Collegium Leipzig und der Thomasorganist Ullrich Böhme. Zu Beginn erklang die Motette Illibata Dei virgo nutrix, quasi die Visitenkarte Josquins, da er den selbst verfassten Text als Akrostichon anlegte. Die Anfangsbuchstaben der Textzeilen ergeben den Namen des Komponisten.

Josquin des Préz (1450/55-1521) erreichte als Komponist bereits zu Lebzeiten in ganz Europa einen enormen Bekanntheitsgrad. Trotz wechselnder musikalischer Stile und Moden erklangen seine Kompositionen regelmäßig auch in den nachfolgenden Jahrhunderten – die Faszination an seinem Werk riss bis auf den heutigen Tag nicht ab.

Josquins Geburtsregion in der Grenzlage zwischen Frankreich und der burgundischen Provinz Hainault wies seit dem hohen Mittelalter eine enorme künstlerische Vielfalt auf. Nach seiner ersten musikalischen Ausbildung führten Josquin Anstellungen unter anderem an die politisch und kulturell bedeutsamen Höfe von Mailand und Ferrara, an den französischen Königshof sowie die berühmte päpstliche Kapelle in Rom. Die letzten 17 Jahre seines Lebens verbrachte er als hochrangiger Kleriker in Condé sur l'Escaut, nahe seines Geburtsortes.

Jedem Projektkonzert liegt ein Thema zugrunde, welches sich aus Josquins Biografie, zeitgeschichtlichen Aspekten oder einem besonderen Werk ergibt. Zugleich wird das musikalische Umfeld beleuchtet, so dass ein lebendiges Bild der Zeit, in der Josquin wirkte, entstehen kann.

Darüber hinaus werden Werke späterer Jahrhunderte bis zur Gegenwart ausgewählt, die einen Bezug zu Josquin erkennen lassen: Denn alle nachfolgenden Generationen haben sich mit diesem bedeutenden Komponisten der Renaissance auseinandergesetzt.

Bekanntschaften pflegte er mit zahlreichen Persönlichkeiten der Zeit, von prominenten Musikerkollegen bis hin zu gekrönten Häuptern. Der Kompositionsstil Josquins setzte sowohl bei seinen Zeitgenossen als auch bei nachfolgenden Generationen Maßstäbe. Aufgrund seiner hohen Popularität wurden seine Werke vielfach gedruckt: Der venezianische Verleger Ottaviano Petrucci widmete ihm eine dreibändige Edition von Messen, Tylman Susato gab in Antwerpen eine Chanson-Sammlung heraus. Andererseits blühte schon im 16. Jahrhundert ein umfangreiches Fälschungsgewerbe: Einzelne Verleger gaben fremde Kompositionen als Josquin-Werke aus, um deren Wert zu erhöhen.

Aber nicht nur unter Musikerkollegen genoss Josquin ein hohes Ansehen. Eines der bedeutendsten zeitgeschichtlichen Ereignisse, das in die Lebzeiten des Komponisten fiel, war ohne Zweifel die 1517 durch Martin Luther ausgelöste Reformation. Für Luther besaß die Musik im Kontext seiner Theologie eine überragende Bedeutung. Dabei waren es in besonderer Weise die Kompositionen des katholischen Klerikers Josquin des Préz, die Luther als beispielhaft für gottesdienstliche Musik ansah.