Meisterkurs Wolfgang Emanuel Schmidt 2016. Foto: Stephan Haase

Meisterkurs Wolfgang Emanuel Schmidt 2016. Foto: Stephan Haase

Akademie und Inspirationsquelle

Seit 2009 ist die Cello Akademie Rutesheim kräftig gewachsen, ihre Reputation ebenso. Nicht verändert hat sich das Konzept mit dem kommunikativen Cello-Campus und der offenen, kollegialen Philosophie der Akademie.

Nach wie vor trifft sich internationaler Cello-Nachwuchs in der baden-württembergischen Herbstferien-Woche in Rutesheim bei Stuttgart. Renommierte Cello-Professoren unterrichten junge Talente, klassische Streicher lernen Jazz, Cello-Liebhaber spielen als Cello-Orchester – und abends strömt das Publikum zu den Konzerten. Dieses Jahr findet die Cello Akademie Rutesheim vom 29. Oktober bis 4. November statt.

Das Herzstück der Cello Akademie bilden die grundsätzlich öffentlichen klassischen Meisterkurse. Als Dozenten engagieren sich dieses Jahr Wolfgang Emanuel Schmidt, Jens Peter Maintz, Claudio Bohórquez, Wen-Sinn Yang, Danjulo Ishizaka und Sebastian Klinger – allesamt renommierte Solisten und Professoren aus den Musikhochschulen in Weimar, Berlin, Stuttgart, München, Dresden und Hamburg.

Abgerundet wird das Angebot durch einen Jazz-Meisterkurs für Streicher unter der Leitung von Stephan Braun und zwei Intensivkurse Probespiel-Training von Jakob Spahn, Solocellist an der Bayerischen Staatsoper München. Dieses erst letztes Jahr eingeführte Format stieß von Anfang an auf große Resonanz. Schließlich bildet das Probespiel die große Hürde in der Karriere von jungen Cellistinnen und Cellisten, die eine Festanstellung in einem Orchester anstreben. Wenige Minuten entscheiden über Top oder Flop, die Konkurrenz besteht in der Regel aus etwa 200 Mitbewerbern. Entsprechend hilfreich ist das neue Rutesheimer Kursangebot, das 2017 ausgebaut wird. Die jeweils dreitägigen Blöcke umfassen Einzelunterricht bei Jakob Spahn, das Vorspielen unter realistischen Bedingungen und eine konstruktive persönliche Nachbesprechung. Die Kurse sind für maximal vier Teilnehmer ausgelegt und werden durchgängig von Korrepetitoren begleitet.

Vor neun Jahren hatte der aus Rutesheim stammende Cellist Matthias Trück eine kühne Vision: Er wollte jungen Cellisten aus der ganzen Welt die Möglichkeit geben, bei einigen mit ihm befreundeten Cello-Professoren in Meisterkursen zu studieren. Diese Cellisten unterrichten nicht nur an den renommiertesten deutschen Musikhochschulen, sondern genießen auch als Solisten Reputation. Was also lag näher als der Gedanke, sie neben ihren Kursen auch als Solisten auftreten zu lassen? Und weil die Bühne bekanntlich der beste Lehrmeister ist, würden auch die Studenten Konzerte geben. Doch damit nicht genug: Die öffentlichen Meisterkurse, eine Instrumenten-Ausstellung und ein hochkarätiges Rahmenprogramm für Cello-Freunde sollten sich zu einer regelrechten Cello-Akademie ergänzen.

Als studierter Cellist tourt Trück seit Jahren mit seinem Celloquartett quattrocelli von Japan bis in die USA und steht mit Künstlern wie den Fantastischen Vier und Phillip Poisel auf der Bühne. Er kennt das Musikgeschäft und wusste genau, was er sich vorgenommen hatte. Wie rasant sein Akademie-Projekt an Fahrt aufnehmen würde, überraschte jedoch auch den notorischen Optimisten Trück. Mit dem weitläufigen, während der Herbstferien nicht genutzten Rutesheimer Schulzentrum fand er gleich zu Beginn den idealen Campus für seinen ambitionierten Plan. In nur zwei Jahren entwickelte sich die Cello Akademie Rutesheim zu einer der weltweit bedeutendsten Stätten der Cellowelt.

Seit 2009 sind die Meisterkurse stets ausgebucht, besucht von mittlerweile mehr als 500 hochbegabten Studenten aus allen Kontinenten. Zu einem Markenzeichen der Akademie wurden regelmäßige Uraufführungen neuer Cello-Kompositionen bekannter Komponisten. Zu ihnen zählen jüngere Künstler wie Fabrice Bollon und Christian Jost ebenso wie der weltbekannte Tonschöpfer Lalo Schifrin aus Hollywood (unter anderem Mission Impossible) und Enjott Schneider, der mit Musik zum Erfolgsfilm Schlafes Bruder für Furore sorgte. Nicht minder spannend ist die Auswahl an Gastsolisten, die Trück jedes Jahr nach Rutesheim holt, um die musikalische Vielseitigkeit des Cellos zu demonstrieren: Giovanni Sollima, Stephan Braun, Cello Duello, Wolfram Huschke und 2CELLOS sind nur einige der Künstler von Weltrang, die man in der Region sonst kaum zu hören bekommt. 



www.cello-akademie-rutesheim.de