Cellist Adrian Brendel. Foto: Jack Liebeck

Cellist Adrian Brendel. Foto: Jack Liebeck

Alle für Alfred Brendel

Im Konzerthaus Berlin steht eine Reihe von Konzerten als Hommage an Alfred Brendel (86) bevor. Unter anderem erklingen alle fünf Beethoven-Klavierkonzerte. Auch sein Sohn, der Cellist Adrian Brendel, wirkt mit.

„Musiker, Dichter, Essayist, dazu Freund und Lebenskünstler – wenige Künstler unserer Zeit waren und sind so vielseitig unterwegs wie Alfred Brendel. Brendel ist und bleibt der neugierige Wanderer zwischen den Metiers, aber auch der lächelnde Skeptiker mit viel Sinn für schwarzen Humor und einigem Verständnis für das Widersinnige von Existenz und Welt. Dass einer dennoch auch und als grosser Pianist sich so vollständig zu verschenken wusste, ist das Wunder“, schreibt der ehemalige NZZ-Kulturredaktor und Brendel-Kenner Martin Meyer in seinem  Essay für unsere Saisonbroschüre des Konzerthauses Berlin.

Das Konzerthaus Berlin widmet Brendel, der in diesem Jahr bereits seinen 86. Geburtstag beging, eine zehntägige Hommage. Ehemalige Schüler, Weggefährten und Seelenverwandte geben sich die Saalklinke in die Hand, um mitzufeiern. Für den Beethoven-Interpreten Alfred Brendel spielen im Laufe der Hommage Martin Helmchen, Francesco Piemontesi, Paul Lewis, Kit Armstrong (der zudem mit Brendels Sohn Adrian eine Matinee mit Cello-Sonaten gibt) und Till Fellner mit dem Konzerthausorchester Berlin unter Iván Fischer beziehungsweise Jan Willem de Vriend sowie mit den Wiener Philharmonikern unter Herbert Blomstedt alle fünf Klavierkonzerte des Bonner Komponisten.

Im Late-Night-Konzert liest Alfred Brendel aus seiner schwarzhumorigen Lyriksammlung „Ein Finger zu viel“ und sein Freund Pierre-Laurent Aimard spielt Werke von Kurtág und Ligeti. Lisa Batiashvili spielt Werke von Claude Debussy, Sergej Prokofjew und Antonín Dvořák mit Sebastian Klinger und Milana Chernyavska im Trio-Konzert.

Originale Kunstwerke und Bücher, vom Geehrten selbst für die Ausstellung ausgesucht, vermitteln einen kleinen Eindruck vom großen künstlerischen Kosmos, in dem sich Alfred Brendel bewegt. Hör-Inseln und Video-Einspielungen ergänzen diese multimediale Ausstellung im Werner-Otto-Saal, die bei Konzerten im Großen Saal für Konzertbesucher mit Ticket jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn, während der Pause und eine halbe Stunde nach der Veranstaltung geöffnet ist.

Streichquartette sind Alfred Brendels Leidenschaft – und jetzt, nach seinem Abschied von der Konzertbühne, kann er sich ihnen mit Leib und Seele widmen. Dabei kennt er nicht nur das schier unendlich scheinende Repertoire wie seine Westentasche, Alfred Brendel unterrichtet auch Ensembles. Das Streichquartett-Fest im Rahmen der Hommage ist somit eine echte Herzensangelegenheit: Fünf renommierte Ensembles spielen Werke von Schubert und Beethoven, Brendel selbst führt bei den Konzerten um 19.30 Uhr und um 21.00 Uhr mit Essays in das jeweilige Werk ein.

Alfred Brendel, kein Freund von Autobiographien, gibt an einem Abend mit dem Titel „Mein musikalisches Leben“ einen Überblick über sein Leben als Musiker. Die Betonung liegt auf dem Wort Musiker, denn Brendel teilt die Meinung nicht, dass man von der Privatperson auf den Künstler schließen kann. Er wird darüber sprechen, was ihn angeregt, geformt und belustigt hat, und darüber, wie es auch in diesem Beruf möglich ist, weitgehend unabhängig zu bleiben.