Fest für Alte Musik in Köln, das interaktive Musiktheaterprojekt Fugit lässt Hörer Fluchterfahrungen machen. Bild: Michael Rathmann

Fest für Alte Musik in Köln, das interaktive Musiktheaterprojekt Fugit lässt Hörer Fluchterfahrungen machen. Bild: Michael Rathmann

Alte Musik für das Hier und Jetzt

Das Kölner Festival für Alte Musik hat seine Besucherzahl gesteigert und plant optimistisch und selbstbewusst für das kommende Jahr. Festivalleiter Thomas Höft möchte "zeigen, dass Alte Musik nicht von gestern ist, sondern für heute und die Zukunft viel zu sagen hat."

Das sechste Kölner Fest für Alte Musik ist mit einem Konzert von Jordi Savall zu Ende gegangen. Das Festival ist in 2016 mit neuen Formaten, Partnern und Spielstätten stark gewachsen und hat in zwei Wochen an sieben Spielstätten und in 25 überwiegend ausverkauften Veranstaltungen 6.200 Besucher angezogen. Es konnte sich  in der nationalen Festivallandschaft fest etablieren. Zum Vergleich: Im Vorjahr kamen 4.500 Besucher zu 16 Veranstaltungen. 


Im Mittelpunkt des Fests standen vier von Presse und Publikum gut angenommene Eigenproduktionen unter Mitwirkung der Kölner Echtklang-Szene, mittlerweile Markenzeichen des Festivals:  Das interaktive Musiktheater Fugit zum Thema Flucht, das inklusive Schülerprojekt "Auf und Davon", Jörg Hilberts Exklusivproduktion einer neuen Ritter-Rost-Geschichte als mittelalterliches Musikspektakel, und die inszenierte Bach-Kantate "Ich habe genug" unter der musikalischen Leitung der Oboistin Xenia Löffler, für dessen Fragestellungen zu Lebensmut und Sterbenswille es auch eine Gesprächsrunde gab.

 

Mit unkonventionellen Formaten und Gästekonstellationen war das Festival ein Magnet für neue Besucher. Das Thema "I have a dream" führte im Eröffnungskonzert Botschaften von Freiheit und Erneuerung in traditioneller Musik aus dem italienischen Mittelalter mit dem Ensemble Oni Wytars und der Zeit der Sklaverei aus dem 18. und 19. Jahrhundert zusammen. Das Nachwuchs-Format "Spielwiese" hat zwei Sieger hervorgebracht: Die Pianistin Mildred Derenty-Camenen überzeugte die Jury und das Ensemble "Cembaless" das Publikum.  Beide werden zur nächsten Ausgabe des Kölner Fests für Alte Musik eingeladen. Ein Publikumserfolg war auch das Kooperationsprojekt "Traumwandel" mit der Kölner Hochschule für Musik und Tanz. 

 

Für klassische Hörerlebnisse in Originalklang standen das L'Orfeo Barockorchester mit Großschauspieler Johannes Silberschneider und dem Mozart-Programm  "Eine kleine Nacht-Musick", Schuberts großes Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" mit dem Edding Quartett, das junge Erfolgsensemble Sollazzo mit einem Mittelalter-Programm, Michael Willens' und sein Sängerensemble mit "Das Himmlische Jerusalem", Benjamin Alard mit Bachs "Goldbergvariationen" und Cantus Cölln unter der Leitung von Konrad Junghänel - und natürlich Maestro Savall und seinem Percussion-Partner Dmitri Psonis mit einem "Dialog der Seelen" am Abschlussabend. 


Im kommenden Jahr wird das Kölner Fest für Alte Musik in seine siebente Saison gehen. Unter dem Arbeitstitel "Greatest Hits" wird Intendant Thomas Höft den bekanntesten Werken der Musik der Vergangenheit nachspüren und am lebenden Objekt untersuchen, was die Alte Musik dazu beizutragen hat.  „Wir wollen zeigen, dass Alte Musik nicht von gestern ist, sondern für heute und die Zukunft viel zu sagen hat. Dazu möchten wir neue Wege und Zugänge eröffnen“, so der Festivalleiter Thomas Höft.  Die Erfolgsmischung aus illustren "Einheimischen" der Kölner Alte Musik-Szene und internationalen Gästen und einer ambitionierten, experimentierfreudigen Programmierung, die immer den Bezug zwischen Originalklang und Aktualität sucht, wird dann wieder neu aufgerollt.