Alte Musik in moderner Großstadt

Unter dem Motto "Greatest Hits" startet am 17. März 2017 das Kölner Fest für Alte Musik in seine siebte Ausgabe. An 16 Spieltagen präsentieren die Festivalmacher insgesamt 25 Konzerte und Inszenierungen in ungewöhnlichen Orten und Formaten.

Ohrwürmer, Kassenschlager und Kultmelodien – es gab sie schon immer und sie sind aus der Musikgeschichte nicht wegzudenken. Was die historische Aufführungspraxis zu Repertoire-Stücken zu sagen hat, danach fragen jetzt die Macher und Musiker des Kölner Festivals, das für unkonventionelle Darbietungsformen und Programmierungen steht. Neben den vertrauten „Evergreens“ stehen in Vergessenheit geratene Kompositionen auf dem Programm, deren Berühmtheit heute verblasst, deren Wirkung aber ungebrochen stark ist.

Am 17. März eröffnet das zamus-ensemble unter der Leitung von Monica Waisman in den Balloni-Hallen mit einer multimedialen Inszenierung von Vivaldis Vier Jahreszeiten. Als künstlerische Partner wurden der Action-Painter Tom Lohner und die Video-Künstlerin Edda Rosemann gewonnen, die live zur Musik performen werden. Bachs Brandenburgische Konzerte und seine Orgel-Toccata werden ebenso neu aufgelegt wie Mozarts "Zauberflöte" und Schumanns „Träumerei“ (im Ehrenfelder Szene-Club Heinz Gaul). Norbert Rodenkirchen entschlüsselt das Original der "Carmina Burana", und Musica Fiata feiert Martin Luthers 500. Geburtstag in Bach-Kantaten.

In Kooperation mit der Kölner Volksbühne am Rudolfplatz wird es in „Fetish Baroque“ eher burlesk zugehen, während Florian Deuter mit seinem Solo-Recital am Europäischen Tag der Alten Musik und der kanadische Cembalist Justin Taylor mit einem reinen Cembalo-Abend die leisen Töne der Alten Musik anschlagen werden. Das Kölner Pleyel-Quartett präsentiert das Original der deutschen Nationalhymne, Haydns „Kaiserquartett." Ein starkes Statement in Zeiten politischer Grobschlächtigkeit steht mit dem mittelalterlichen Antikriegslied L'Homme Armé und seiner Vertonung in Messen von Desprez und Palestrina am Schluss des Festivals.

Nach dem großen Erfolg des vergangenen Festivals setzen die Veranstalter die „Spielwiese" fort, in der sich junge Ensembles aus ganz Europa im ZAMUS (Zentrum für Alte Musik) mit Kurzprogrammen in einem Wettbewerb vorstellen. Eine Weiterentwicklung der Musiktheaterproduktion Fugit unter der Leitung von Adrian Schvarzstein führt Konzertbesucher wieder auf die Flucht quer durch Ehrenfeld.

Das Kölner Fest für Alte Musik experimentiert erneut lustvoll mit Musik im Originalklang im urbanen Raum. Aktualität und Relevanz Alter Musik sollen auch neuen Publikumsschichten erfahrbar gemacht werden. Brechungen und unorthodoxe Experimente bieten Diskussionsstoff und kreative Reibung für neugierige Musikfans und Experten und bereichern die Festivalszene um eine starke Farbe.