Semperoper bei Tag: Erwin Döring

Semperoper bei Tag: Erwin Döring

Alter Glanz soll bleiben

Intendant Peter Theiler hat das Programm seiner ersten Saison an der Semperoper Dresden vorgestellt - mit zwölf Premieren, viel Repertoire und Liederabenden in Starbesetzung; Omer Meir Wellber wurde zum Ersten Gastdirigenten der Semperoper ernannt.

Peter Theilers Antritt als Intendant der Semperoper Dresden beendet die sechsjährige Interimszeit unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Rothe als kommissarischem Intendanten, der weiterhin die kaufmännische Geschäftsführung des Staatsbetriebs Sächsische Staatstheater verantworten wird.

Als Kenner der internationalen Theaterstrukturen betont der Schweizer Peter Theiler seine Freude darüber, die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Wolfgang Rothe konstruktiv fortsetzen und die bisherigen erfolgreichen Ergebnisse ausweiten zu können. Unter dem Motto »Lebendiges Gedächtnis und vitale Gegenwärtigkeit« wird Peter Theiler als neuer Intendant mit einem Team aus bewährten und neuen Kolleginnen und Kollegen die künftige Ausrichtung der Semperoper kooperativ erarbeiten. Sein erklärtes Ziel ist es, neben der Vertiefung der regionalen Identifizierung mit der Semperoper als überregionaler Kulturinstitution, den Fokus auf eine verstärkte Internationalität zu erweitern. Dazu gehört ebenso die intensive Pflege und Förderung des traditionsreichen Ensemble- und Repertoirebetriebs wie auch die verstärkte Bindung international gefragter Künstlerinnen und Künstler sowie namhafter Gastsolistinnen und -solisten.

Um die Profilierung der Semperoper in der internationalen Wahrnehmung noch nachhaltiger zu festigen, gilt es, auch in Zukunft Neuentdeckungen vorzustellen und junge Talente zu fördern. Diese Symbiose von Kontinuität und Erneuerung setzt sich in den leitenden Personalien fort: Mit Christian Thielemann, Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, verbindet sich die international hochgeschätzte musikalische Reputation der Semperoper. 2018 beruft die Semperoper den weltweit bekannten Dirigenten Omer Meir Wellber, der bereits 2010 in Dresden sein Debüt gab und hier seitdem zahlreiche Neuproduktionen verantwortet hat, als einen ihrer herausragenden Musikalischen Leiter zum Ersten Gastdirigenten. Neben Aaron S. Watkin, seit zwölf Jahren Ballettdirektor des Semperoper Ballett, und Manfred Weiß, Künstlerischer Leiter von Semper Zwei und Leiter des Bereichs Education, komplettiert das künstlerische Leitungsteam Johann Casimir Eule, der als Chefdramaturg und stellvertretender Intendant von Nürnberg nach Dresden wechselt.  

Der Spielplan der Saison 2018/19 lässt die künstlerische Handschrift des neuen Intendanten deutlich erkennen: »Mir liegt daran, mit diesem Spielplan zu gesellschaftlich relevanten Themen Position zu beziehen. Musiktheater dient nicht nur der geistigen Rekreation, es muss seinen Beitrag zu den Wertedebatten unserer Gegenwart leisten«, so Peter Theiler.

In diesem Sinne verspricht nach dreijähriger intensiver Vorbereitung die erste Saison unter seiner Intendanz eine interessante Mischung aus hochkarätigen Neuinszenierungen und erfolgreichen Repertoirestücken mit Starbesetzung. Am 29. September 2018 eröffnet die Neuinszenierung von Arnold Schönbergs Schlüsselwerk »Moses und Aron« unter der Regie des Katalanen Calixto Bieito die Saison: Wie keine andere Oper steht Schönbergs Werk musikalisch wie programmatisch für Aufbruch und Herausforderung. Unter der Musikalischen Leitung von Alan Gilbert stehen mit Sir John Tomlinson und Lance Ryan zwei Interpreten von Weltrang in den Titelpartien auf der Bühne der Semperoper.

Unter der Musikalischen Leitung von Christian Thielemann und inszeniert von David Hermann folgt als nächste Premiere der Oper im Dezember Richard Strauss' »Ariadne auf Naxos« in einer Koproduktion mit der Opéra National de Lorraine, Nancy sowie mit der Opéra de Lausanne. Mit Bedřich Smetanas komischer Oper »Die verkaufte Braut« präsentiert im März 2019 die Regisseurin Mariame Clément mit scharfem inszenatorischem Blick erstmals eine Arbeit an der Semperoper. Als Hans ist in seiner ersten Neuproduktion an der Semperoper der slowakische Startenor Pavol Breslik zu erleben, am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden steht Tomáš Netopil.

Die für einen Tenor komponierte Partie der »Platée« ist eine der Glanzrollen der französischen Barockoper. Zum ersten Mal wird die als Ballettoper konzipierte Geschichte um die unglückliche Nymphe im April 2019 in einer Neuinszenierung des Opern-Stars Rolando Villazón in Dresden zu sehen sein. Dirigent Paul Agnew stand als Sänger selbst unzählige Male in der Titelpartie auf der Bühne. Philippe Talbot, der die Titelpartie bereits in Paris interpretierte, wird in Dresden singen.

Ein weiterer Punkt im Premierenplan 2018/19 stellt die Aufführung von Giuseppe Verdis Oper »Nabucco« im Mai 2019 unter der Musikalischen Leitung des neuen Ersten Gastdirigenten Omer Meir Wellber dar. In der Inszenierung von David Bösch wird Plácido Domingo in den Aufführungen am 5., 9. und 15. Juni 2019 die Titelpartie singen. Den Abschluss der Opern-Saison in der Semperoper Dresden bildet im Juni 2019 Giacomo Meyerbeers Oper »Les Huguenots / Die Hugenotten« unter der Musikalischen Leitung von Alexander Vedernikov. Regisseur Peter Konwitschny kehrt mit der Inszenierung dieses zentralen Werks der französischen Grand opéra nach Dresden zurück.  

Die Spielstätte Semper Zwei lädt im Oktober 2018 zur Premiere von »Satyricon« und im April 2019 zur Deutschsprachigen Erstaufführung von »4.48 Psychose« ein. In Kooperation mit den Osterfestspielen Salzburg und dem Teatro Comunale Luciano Pavarotti in Modena entstanden, gewährt Georg Schmiedleitners Inszenierung von Bruno Madernas Kammeroper »Satyricon« einen bitterbösen Einblick in eine von Selbstsucht und Zynismus zerfressene »bessere Gesellschaft«. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Pietro Borgonovo.

Der Engländer Philip Venables komponierte seine erste abendfüllende Oper »4.48 Psychose« nach dem gleichnamigen, letzten Stück der Schriftstellerin Sarah Kane. Für die Deutschsprachige Erstaufführung an der Semperoper erarbeitete der Komponist eine deutsche Fassung auf Grundlage der Übersetzung des Dresdner Dichters Durs Grünbein.  

Ebenfalls in Semper Zwei kommt in der Sparte Semperoper Junge Szene Jacques Offenbachs schwarzhumorige Operette »Häuptling Abendwind« in der Inszenierung des Künstlerischen Leiters Manfred Weiß zur Premiere. Unter der Musikalischen Leitung des Leiters des Jungen Ensembles Thomas Leo Cadenbach bringt ein kannibalisches Dinner eine kleine, aber feine Inselgesellschaft in arge Bedrängnis.

Mit gewohnter Starbesetzung glänzt auch in der kommenden Saison das Angebot an Repertoirestücken und Wiederaufnahmen: Unter anderem sind neben vielen international gefragten Künstlerinnen und Künstlern und beliebten Ensemblemitgliedern Angela Gheorghiu, Anja Harteros, Anja Kampe, Marlis Petersen, Pavol Breslik, Michael Volle, Thomas Hampson und Vitalij Kowaljow zu erleben.  

Das Semperoper Ballett ist unter der künstlerischen Leitung von Ballettdirektor Aaron S. Watkin zu einer international renommierten Company gewachsen, deren Erfolg sich in zahlreichen internationalen Tourneen und Gastspielen niederschlägt. Der Spielplan 2018/19 glänzt mit gleich drei aufregenden Neuchoreografien: Den Auftakt macht im November 2018 ein vierteiliger Ballettabend: »Labyrinth« präsentiert Choreografien von George Balanchine, Martha Graham, Ohad Naharin und Joseph Hernandez. Im Januar 2019 interpretiert die Company des Semperoper Ballett die 2016 mit dem Prix Benois de la Danse ausgezeichnete Choreografie »Carmen« des Schweden Johan Inger, in der er die vertraute Liebestragödie aus dem unverdorbenen Blickwinkel eines Kindes betrachtet. Ballettmeister Raphaël Coumes-Marquet lieferte Idee und Konzeption für eine neue Interpretation von Lewis Carrolls Geschichten über die kleine Alice, die die Zuschauerinnen und Zuschauer der Semperoper Junge Szene in ein choreografiertes Wunderland führt: Die Uraufführung von »Alice – Eine Reise ins Wunderland« im Juni 2019 gibt in Semper Zwei jungen Mitgliedern der Company die Chance, eigene Choreografien zu entwickeln. Unter den zahlreichen Repertoirestücken in der Spielzeit 2018/19 findet sich auch der Gewinner des Deutschen Theaterpreises DER FAUST 2016 »COW«. Das Erfolgsstück des schwedischen »Bilderstürmers« Alexander Ekman erlebt nun seine lang erwartete Wiederaufnahme.