José Carreras, der eigentlich Josep heißt. Bild: Mauro Taliani/Sony

José Carreras, der eigentlich Josep heißt. Bild: Mauro Taliani/Sony

Anfangen mit dem Aufhören

Im Dezember wird José Carreras 70 Jahre alt. Am 12. Oktober startet er in der Berliner Philharmonie seine weltweite Abschiedstournee, deren Termine sich nach derzeitigem Planungsstand bis in das Jahr 2018 erstrecken.

Da hatte die Berliner Presse ihre Freude. Diese Woche hat José Carreras mitgeteilt, dass er auf Abschiedstournee geht, frei interpretiert: dass er anfängt mit dem Aufhören. Und nebenbei erzählte er noch ein paar Schmankerl, etwa, dass es vor dem Auftritt keinen Alkohol gebe, er an seine Mutter denke und dass er beim Fußball gerne schon mal schreie - was ja besonders schlecht für die Stimme sei. Und Beckenbauer bleibt für ihn der größte deutsche Fußballer.

Ob er es mit der eigenen Abschiedstournee auch so halten möchte wie möchte Montserrat Caballé (Jahrgang 1933), die ja immer noch unterwegs ist? Nach derzeitigem Planungsstand soll 2018 bei ihm Schluss sein.

Caballé hatte den damals jungen Tenor bei dessen Karrierestart unterstützt, in den Anfangsjahren entstanden auch gemeinsame Aufnahmen, etwa eine Tosca und eine Lucia. Schnell war der schlanke Katalane einer der Superstars der Szene, seit 1974 sang er an der Scala und der Met, 1971 hatte er den Verdi-Wettbewerb in Parma gewonnen.

Die Musikwelt litt mit, als er in den 80er Jahre an Leukämie erkrankte, mit einem großen Konzert in der Arena von Verona feierte er gemeinsam mit vielen Kollegen 1988 sein Comeback. Und er sammelt seitdem singend und im Fernsehen moderierend Geld für die Leukämieforschung und Therapie.

Carreras wurde gerne mit Giuseppe di Stefano verglichen, vor allem, weil auch der Spanier die Vokale recht offen formte, was in der Kombination mit einer gewissen Kraftanstrengung nicht selten mit dem Verlust eines ebenmäßigen Wohlklangs einhergeht und möglicherweise zum Verschleiß der Stimme beigetragen hat.

Doch die Wirkung von Carreras, der unter Franco seinen katalanischen Vornamen Josep nicht nutzen durfte, ist über solche Kriteleien natürlich erhaben. Sein Gesang wirkte zu seinen Glanzzeiten ehrlich, seine leisen Töne drangen und dringen in die Herzen. Und so wird er ein Großer bleiben, ganz gleich, wann seine Abschiedstournee zu Ende geht.

https://www.carreras-stiftung.de/