Dirigier-Workshop mit dem Safran-Ensemble. Foto: Peter Gesierich

Dirigier-Workshop mit dem Safran-Ensemble. Foto: Peter Gesierich

Antworten auf Migration und Populismus

Das neunte Impuls-Festival für Neue Musik Sachsen-Anhalt vom 20. Oktober bis 22. November 2016 präsentiert Konzerte, internationale Werkstätten für junge Dirigenten und Komponisten sowie ein zweisprachiges Jugendprojekt. Unter den insgesamt elf Uraufführungen sind zehn Auftragskompositionen.

Am Puls der Zeit bewegt sich das diesjährige Impuls-Festival unter dem Motto „Löwen wecken!“ mit 22 Veranstaltungen in sieben Städten Sachsen-Anhalts und darüber hinaus mit Konzerten in Brüssel, Berlin und Leipzig. Dieses Motto bündelt ein Programm mit Konzerten, internationalen Werkstätten für junge Komponisten und Dirigenten und einem neuen zweisprachigen Jugendprojekt. Das Festival möchte damit bei jungen Komponisten, Dirigenten und dem Publikum Kräfte freisetzen und mobilisieren, sich mit der aktuellen Migration und dem neuen Populismus in der Politik auseinanderzusetzen.

Unter den elf Uraufführungen des aktuellen Festivaljahrgangs findet sich eine Doppelkomposition von Mikis Theodorakis und Stefan Schwab, die frühe Lieder des Komponisten aus der Militärdiktatur in Griechenland aufgreift. Der erst 23-jährige Schwab hat die politisch engagierten Lieder gemeinsam mit dem 91-jährigen Theodorakis neu gesetzt und jetzt orchestral instrumentiert. Antonis Anissegos’ Uraufführung des Orchesterwerks „Der Pass“, eine brandaktuelle Vision über Grenzen und Vertreibung, schließt wiederum den Kreis zu Brecht.

„RAUM-ZEIT“ ist das Eröffnungskonzert des 9. Impuls-Festivals für Neue Musik Sachsen-Anhalt überschrieben, das am Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, unter dem Sternenhimmel des Steintor-Varietés einlädt. Das MDR Sinfonieorchester unter Kristjan Järvi präsentiert ein Programm mit Beschleunigungscharakter, unter anderem mit Werken von Bryce Dressner, dem Filmkomponisten des mit dem Golden Globe 2016 gekrönten Streifens „The Revenant“. Eine kurzfristige Programmänderung ermöglicht es zudem, neben Filmmusik von Jonny Greenwood und Gediminas Gelgotas auch eine Komposition des Orchesterchefs zu erleben.

Auch das 2. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Halle am Sonntag, 23. 10., 11 Uhr, sowie am Montag, 24. 10. 19.30 Uhr, in der Händelhalle, steht steht ganz im Zeichen von Impuls. Die Staatskapelle Halle unter der Stabführung von Ekhart Wycik präsentiert Werke von Leonard Bernstein, des palästinensisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi und des türkischen Komponisten Fazil Say.

Ein „Dies Irae“ – Tag des Zorns – blitzt in allen Werken des Programms auf. Im „Zeitalter der Angst“ lässt Leonard Bernstein mitten im Krieg vier Fremde sich nach dem Sinn des Lebens fragen. Diesen thematisiert auch der palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh-Tamimi in „Hálatt-Hissár – Belagerungszustand“, einer sinfonischen Darstellung der Belagerung Ramallahs 2001 mit Versen in arabischer und deutscher Sprache. Der türkische Komponist Fazil Say hat seine Antwort: Musik. Wie eine Brücke zwischen Orient und Okzident spannt er seine Sinfonie zwischen zwei Welten.

Das Impulsfestival mit insgesamt 22 Veranstaltungen mit den neun Orchestern und Ensembles läuft noch bis 22. November in Sachsen-Anhalt, Berlin, Brüssel und Leipzig.

Die musikalische Nachwuchsförderung nimmt auch 2016 in Kooperation mit dem Bauhaus Dessau, dem Anhaltischen Theater Dessau und dem Berliner „Zafraan Ensemble“ eine zentrale Stellung ein.
Die fünf Teilnehmer in Annette Schlünz’ internationaler Masterclass für junge Komponisten nehmen Brechts zeitlos aktuelle „Flüchtlingsgespräche“, die angesichts gegenwärtiger Flüchtlingsdebatten aktueller denn je erscheinen, als Ausgangspunkt ihrer Kompositionen.

Die Dirigentenwerkstatt unter der Leitung von Titus Engel befasst sich mit Kompositionen von Pierre Boulez, aber auch mit denen des Münchner Impuls-Preisträgers Pablo Quaß, der seine Auftragskomposition der klaren Architektur des Bauhauses Dessau widmet.

http://www.impulsfestival.de