Peter Konwitschny. Foto: Werner Kmetitsch

Peter Konwitschny. Foto: Werner Kmetitsch

Attila und der politische Regisseur

Attila ist eines jener Frühwerke, die große Menschheitsthemen in einer noch nicht so stark individualisierten Musiksprache zum Ausdruck bringen wie die späteren Werke Verdis. Dafür steckt jede Menge Politik drin. Genau das Richtige für Peter Konwitnschy.

Die abendländische Zivilisation ist bedroht. Der Hunnenkönig Attila, auch bekannt als »die Geißel Gottes«, verwüstet ganz Italien und steht bereits vor den Toren Roms. Und wie so oft wird der unerbittliche Krieg der Kulturen auf dem Rücken der kleinen Leute ausgetragen. Während sich die überlebenden Bewohner der eingenommenen Stadt Aquileja in die Lagune retten und dort Venedig gründen, schließt sich Odabella, die Tochter des von Attila erschlagenen Herrschers der Stadt, zum Schein dem Feind an. Selbst ihr Geliebter Foresto glaubt, sie willige in die Heirat mit Attila, den sie mit ihrem Mut beeindruckt hat, ein. Doch in Wahrheit lauert Odabella nur auf eine Gelegenheit zur Rache. Nach dem Historiendrama von Zacharias Werner komponierte Verdi seine chorstarke Monumentaloper für Venedig, wo das Werk 1846 uraufgeführt wurde.

Und Peter Konwitschny inszeniert diesen Clash of Civilitions nun am Theater in Lübeck. Anlass genug, sich an die Ausgabe des FONO FORUM vom August 2015 zu erinnern und im Archiv noch einmal nachzulesen, welche Bedeutung Konwitschny dem (Musik-)Theater zumisst. So erläutert er das Theater als Ort, der für den Fortbestand des Staates von höchster Bedeutung ist.

Auf der anderen Seite und zugleich als Teil der Polis steht der einzelne Mensch, der sich zur Gemeinschaft verhalten muss. "Man kann nur im Theater lernen, unentfremdet zu kommunizieren", sagt Konwitschny. Und der einzelne Mensch ist immer ein Politikum und Theater ist keine Instantsuppe, bei der alles schon alles in der Tüte ist.

Hier geht es zu den Thesen und Ausführungen von Peter Konwitschny im Archiv:

https://www.fonoforum.de/archiv/archiv/artikel/2015/8/044-51-kontroverse/