Marina Baranova, Neue Meisterin bei Edel:Kultur. Foto: Felix Broede

Marina Baranova, Neue Meisterin bei Edel:Kultur. Foto: Felix Broede

Auf den Soundspuren der "Neuen Meister"

Vier "Neue Meister"-Alben des eingängigen, mal meditativ-repetitiven mal groovigen Modern-Klassik-Sounds hält das Berliner Label Edel:Kultur für das zweite Halbjahr bereit.

Dem Label Edel:Kultur zufolge findet man die Wurzeln der Minimal Music nicht erst bei Steve Reich, sondern bereits bei Chopin. Die Wurzeln zögen sich demnach über Brian Eno bis zur Elektroband Moderat. Ausgehend von Steve Reichs Meisterwerk „Electric Counterpoint" in einem Neuarrangement für Klavier und pre-recorded pianos wirft Kai Schumacher auf seinem Album „Beauty in Simplicity" einen musikalischen Blick auf klassische Vorläufer und popkulturelle Nachfolger der Minimal Music.

So werden Erik Saties fragile Klangflächen zum Wegbereiter der Ambient Music eines Brian Eno oder P.M. Hamels psychedelische Klavierwerke zur Inspiration für Klavier-Transkriptionen von Moderat. Anstelle von digitaler Klangerzeugung setzt Kai Schumacher dabei ganz auf den Konzertflügel als vollanalogen Synthesizer und kreiert auf dem wohl klassischsten aller Instrumente durch Präparationen und sound processing scheinbar elektronische Klangwelten zwischen Drum-Machine und Wall of Sound.

Auf einer deutschlandweiten Planetarien-Tour macht Kai Schumacher sein Projekt „Beauty in Simplicity" zu einem multimedialen Erlebnis samt 360°-Audio und eigens kreierter Videoinstallation. Veröffentlichungstermin des Albums ist der 9. September.

Ebenfalls akustischer Instrumente - zumindest als Basis - bedient sich das Trio, das aus dem Schweizer Sounddesigner und Komponisten Tomek Kolczynski, dem Violinisten Etienne Abelin und der Neue-Meister-Pianistin Tamar Halperin besteht. Das Trio organisiert berühmte Violin- und Klaviersonaten von Bach zu neuen Klang-Konstellationen. Dabei berücksichtigen sie einerseits das barocke „Strickmuster" für Suiten, andererseits besteht die Besonderheit der Aufnahmen darin, die Melodien und Harmoniefolgen von Bach mit elektronischen Flächen zu verknüpfen. "bachSpace" heißt das Album. Es kreiert neue Bilder und Formationen zwischen Barock und Elektronik.  

„Bei bachSpace verbinden wir Musik von Johann Sebastian Bach mit elektronischen Kompositionen, die sich direkt auf die Musik von Bach beziehen und ihrer Emotionalität und gleichzeitigen formalen Dichte neuen Raum geben. Im Zentrum stehen die Sonaten für Violine und Klavier, die zum Teil original gespielt werden und fließend aus elektronischen Kompositionen von Tomek Kolczynski herauswachsen oder in sie hineinführen. Dabei entstehen magisch anmutende Transformationen", erläutert Tamar Halperin.

Und Tomek Kolczynski erklärt sein Vorgehen so: „Das Außergewöhnliche ist die Einschränkung, die ich mir auferlegt habe: Sämtliche elektronischen Rekompositionen werden auschließlich aus den Aufnahmen von Violine und Klavier der Musik von Johann Sebastian Bach angefertigt. Dafür haben die beiden Instrumentalisten ihren Part in zwei getrennten Räumen eingespielt; Kopfhörer ermöglichten Ihnen ein gemeinsames Spiel. Aus den beiden Tonspuren Klavier und Violine habe ich dann das ,Rohmaterial' für meine Kompositionen hergestellt: Komplexe Streichklänge, elektronische Ambient-Flächen, Basstöne und Geräusche." 

„Als Geiger reizt mich bei bachSpace die Verbindung eines historisch informierten Interpretationsansatzes mit der Suche nach einem Klang und rhythmischer Phrasierung, die von heutigen Musikstilen wie Funk oder Jazz beeinflusst ist", ergänzt der Geiger Etienne Abelin. Für beide Ansätze ist eine Rauheit im Klang und gleichzeitig ein feines, tänzerisches Schwingen - ein Groove - zentral." Das Album wird am 11. August veröffentlicht.

Bereits am 30. Juni erscheinen Marina Baranova "Hypersuites Reloades" mit Remix-Tapes von Hauschka, Humboldt, Raz Ohara,  Kostia Rapoport, Jannis Block, Anton Berman, Marina Baranova, Damian Marhulets und John Kameel Farah.

Die Pianistin und Komponistin Marina Baranova hat im August 2016 ihr Album „Hypersuites" bei Berlin Classics veröffentlicht. Für ihr Projekt wählte sie Kompositionen von Couperin, J. S. Bach, Rameau und Händel aus und kombinierte einzelne Stücke zu vier eigenen Suiten. Innerhalb dieser variierte, improvisierte und arrangierte Baranova die barocken musikalischen Formen nochmals neu. 
Für „Hypersuites", eingespielt auf einem modernen Steinway-Flügel im Berliner Teldex-Studio, lud Marina Baranova Komponist und Pianist Hauschka ein, einen Remix auf Rameaus „La Poule" zu kreieren. So entstand ein Stück, welches barocke und elektronische Musik miteinander spiegelt.

Marina Baranova ist klassische Konzertpianistin, die ihre musikalischen Wurzeln nicht nur in der Klassik, sondern auch im Jazz hat. Die Idee für die „Hypersuites" kam ihr während einer DJ-Session. Deshalb liegt nichts näher als ihnen eine weitere musikalische Farbe zu geben: Elektronische Bearbeitungen von Baranovas Version für Soloinstrument.

Hauschka schuf für die „Hypersuites Reloaded" eine 6-minütige Fassung von Rameaus „La Poule". Der Musiker ist bekannt für sein „Prepared Piano" und Filmmusiken, neue Projekte führen ihn auch stärker zu klassischer Musik mit Orchester und Kammerensembles.

Und schließlich gilt dem Star der Szene, Johannes Motschmann, eine neue Veröffentlichung der Reihe "Neue Meister". Für das Album "Spark" (VÖ: 7. Juli) verbindet eine fünfköpfige Formation den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Das American Record Guide beschreibt die Gruppe als „ein echtes Phänomen in der klassischen Musikszene, das Yo Yo Ma oder dem Kronos Quartett ähnelt, aber noch lebendiger daherkommt."

Im Jahr 2011 wurde das Ensemble mit dem ECHO Klassik in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen" ausgezeichnet. Herausragende Einladungen führten die klassische Band auf einige der bedeutendsten Konzertpodien der Welt, vom Wiener Musikverein, dem Konzerthaus Berlin, über dem Concertgebouw Amsterdam, bis zum Shanghai Oriental Art Center, und etlichen Musikfestivals.

Nun erscheint das vierte Album der klassischen Band, „Facets of Infinity", das Spark in dem gleichnamigen Werk des Berliner Rising Stars Johannes Motschmann als Solistengruppe mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Sebastian Weigle zusammenführt.

Johannes Motschmann gehört zu den angesagtesten deutschen Komponisten der Gegenwart. Einerseits spielt er mit seinem Elektro-Trio in Clubs wie dem Berghain, andererseits führt er Werke mit dem Ensemble Modern oder Rundfunkorchestern auf. Was zunächst keine musikalischen Berührungspunkte zu haben scheint, ist im Kern komplett identisch! Motschmann entwickelt seine Musik aus kleinen Motivzellen – wie Mahler oder Wagner – und baut daraus übergeordnete Strukturen. Das gilt bei seinen Kompositionen für Trio, wie für seine Orchesterwerke.