Kommt zum Jazzen ins Grillo nach Essen: Jasmin Tabatabai. Foto: Jens Müller

Kommt zum Jazzen ins Grillo nach Essen: Jasmin Tabatabai. Foto: Jens Müller

Auf den Spuren von Georg Kreisler und Kurt Weill

„In einer Gegenwart, in der sich alles zu radikalisieren scheint und in der sich jeder sofort reflexhaft gegenseitig beschimpft, würde ein bisschen mehr Zurückhaltung, ein bisschen mehr Schweigen gut tun“, glaubt die Sängerin Jasmin Tabatabai.

Eine Frau macht am 29. Dezember im Essener Grillo-Theater Station, die neben ihrer Film- und Fernsehkarriere auch als Musikerin sehr erfolgreich ist: Jasmin Tabatabai gründete die Berliner Frauen-Country-Rock-Band „Even Cowgirls Get The Blues“, schrieb den Soundtrack zum Streifen „bandits“, sang in Filmen und brachte eigene Platten heraus.

Für das Album „Eine Frau“, auf dem sie sich jazzig präsentiert, wurde sie 2012 als „beste Sängerin/national“ mit dem „Echo Jazz“ ausgezeichnet. Die Süddeutsche Zeitung nannte sie damals in einem Atemzug mit Marlene Dietrich und Hildegard Knef. Mit dem David Klein Quartett – David Klein (Saxofon), Olaf Polziehn (Klavier), Ingmar Heller (Bass) und Peter Gall (Schlagzeug) – stellt sie bei ihrem ersten „Jazz in Essen“-Konzert (Beginn: 20 Uhr) das zweite gemeinsame Album vor: „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?“ schlägt einen Bogen von den 30er Jahren und Kurt Weill über Tabatabais eigene englische Rock-Hymnen aus den 90ern bis hin zum französischen Chanson und einem persischen Folk-Song.

Dabei ist Tabatabai die Aktualität der auf diesem Album versammelten Lieder sehr wichtig. So stammt das Titelstück „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist?“ von Georg Kreisler, den Klein gut kannte. „Wahnsinnig zeitgemäß“ findet Tabatabai die für Kreislers Verhältnisse ungemein stille Abrechnung mit der Spaßgesellschaft. „In einer Gegenwart, in der sich alles zu radikalisieren scheint und in der sich jeder sofort reflexhaft gegenseitig beschimpft, würde ein bisschen mehr Zurückhaltung, ein bisschen mehr Schweigen gut tun“, glaubt die Sängerin.

Und auch „Youkali“, Kurt Weills 1934 im französischen Exil verfasstes Stück über ein utopisches Land, in dem sich jeder geachtet, geliebt und frei fühlen darf, bekommt angesichts der weltweiten Flüchtlingsbewegungen eine aktuelle Dimension.

„Ich kann es nachvollziehen, dass man in ein anderes Land geht, weil man Freiheit und Menschenrechte möchte“, erklärt die in Teheran geborene Deutsch-Iranerin Tabatabai, die 1979 mit ihrer Familie aus dem Iran auswanderte, „genau das haben damals meine Eltern getan, damit ihre Kinder in Freiheit aufwachsen können. Alles das, was ich heute bin – Sängerin, Schauspielerin – wäre für mich nicht möglich gewesen, wenn wir im Iran geblieben wären.“

Jasmin Tabatabai & David Klein Quartett Jasmin Tabatabai (Gesang), David Klein (Saxophon), Olaf Polziehn (Klavier), Ingmar Heller (Bass), Peter Gall (Schlagzeug) 29. Dezember 2016, 20:00 Uhr Grillo-Theater Theaterplatz 11 45127 Essen