Anna Bonitatibus. Foto: Frank Bonitatibus

Anna Bonitatibus. Foto: Frank Bonitatibus

Aus den Archiven auf die Bühne

Die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus singt in Baden-Baden Vertonungen des Opernstoffs um die legendäre Königin Semiramis. Begleitet wird sie vom Prager Barockorchester Collegium 1704 unter der Leitung von Václav Luks.

 

 

 Semiramis, die langjährige Königin des antiken Babylon, wurde bereits im Altertum zur Legende: Mit den „Hängenden Gärten“ schuf sie eines der rätselhaftesten Weltwunder der Antike und sorgte mit zahlreichen Abenteuern, Intrigen und Maskeraden für Diskussionen über Machtmissbrauch und Moral. Im Festspielhaus Baden-Baden präsentiert die Mezzosopranistin Anna Bonitatibus am Samstag, 1. Oktober 2016, um 18 Uhr bekannte und weniger bekannte Vertonungen des Opernstoffs um die legendäre Königin Semiramis, wobei das abwechslungsreiche Programm von virtuosen Koloraturketten über dramatische Ausbrüche bis hin zu verhaltenen Klagegesängen reichen wird. Begleitet wird sie vom Prager Barockorchester Collegium 1704, das unter der Leitung seines Dirigenten Václav Luks spielt.

Der spanische Dichter Pedro Calderón literarisierte in seinem zweiteiligen Drama „La Hija del Aire“ von 1653 als einer der ersten den Stoff um die vorchristliche Herrscherin Semiramis. 1729 schuf Pietro Metastasio mit „Semiramide riconosciuta“ eines der meistvertonten Libretti der Operngeschichte, mit dem sich nach dem Barock-Komponisten Leonardo Vinci Heerscharen von Tonsetzern auseinandergesetzt haben, unter anderen Niccolo Jommelli, Christoph Willibald Gluck, Giuseppe Sarti und Gioachino Rossini.

Anna Bonitatibus hat in ihrem Semiramide-Projekt aus diesem überreichen Fundus zahlreiche vergessene Schätze gehoben: Arien und Szenen, die die Sängerin größtenteils in Privatsammlungen und Bibliothekskellern sichtete, um sie anschließend für heutige Aufführungen neu zu bearbeiten. Auch auf ihrer jüngsten CD widmet sich die Mezzosopranistin der Königin Semiramis und erntet dafür viel Lob in den Medien.

Die italienische Mezzosopranistin war bereits 2008 im Baden-Badener Festspielhaus als Rosina in Rossinis „Il barbiere di siviglia“ zu erleben. Sie gilt als führende Barock- und Belcanto-Spezialistin: Mit ihrer vielseitigen Stimme ist sie regelmäßig an führenden Opernhäusern wie dem Royal Opera House in London, dem Pariser Théâtre des Champs-Elysées sowie an den Staatsopern in Wien, München und Berlin zu erleben. Dabei kam sie eher zufällig zum Singen: „Ich habe mit neun Jahren angefangen, Klavierstunden zu nehmen.“ Ihr Vater hat ihr dann ein Klavier gekauft, denn sie wollte Pianistin werden und wollte im Übrigen auch noch Perkussionsinstrumente lernen, die sie immer fasziniert hatten. „Gesungen habe ich nur so nebenbei. Bis mir eines Tages einer meiner Professoren sagte: Das ist doch Unsinn. Du hast eine so schöne Stimme, Du solltest Gesang studieren. So hat es angefangen.“

Zu erleben ist das Konzert auch am Montag, 3. Oktober 2016, dem Tag der deutschen Einheit, um 17 Uhr in der Philharmonie Essen.