Auch in Innsbruck mit von der Partie: die Akademie für Alte Musik Berlin. Foto: Uwe Arens

Auch in Innsbruck mit von der Partie: die Akademie für Alte Musik Berlin. Foto: Uwe Arens

Ausdehnung bis ins frühe 19. Jahrhundert

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik bieten wieder ein Programm mit sehr vielen Fassetten, das sowohl eingefleischten Alte-Musik-Hörern als auch der gesamten Zuhörerschaft klangfarbenreiche Aufführungen in Aussicht stellt.

2018 führt die Reise der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zu bedeutenden Instrumentenbauern, außergewöhnlichen Künstlern, Göttern und Helden sowie legendären Komponisten. Musikalische Welten aus fünf Jahrhunderten werden aufeinander zubewegt, miteinander in Beziehung gesetzt und neu entdeckt. Drei Opernwelten tun sich bei den Festwochen 2018 auf: die frühe venezianische Oper, die in voller Blüte stehende neapolitanische Oper und deren großes Finale in der Romantik.

Mit „Didone abbandonata“ von Saverio Mercadante bringt Intendant Alessandro De Marchi erstmals eine Oper aus dem frühen 19. Jahrhundert auf die Festwochen-Bühne. Wir befinden uns in der Zeit von Bellini, Rossini und Donizetti, mitten im Belcanto. „Erst im Originalklang kommen die musikalischen Ideen dieser italienischen Opernepoche zur Wirkung“, erklärt De Marchi. „Man hört, wo eine Opernwelt aufhört und eine neue beginnt.“

Mit Jürgen Flimm übernimmt einer der renommiertesten Regisseure unserer Zeit die Inszenierung. Von 2006 bis 2010 leitete Flimm die Salzburger Festspiele, 2010 übernahm er die Intendanz der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Als Dido konnte die junge litauische Sopranistin Viktorija Miskunaitė gewonnen werden, die schwierige Partie des Aeneas übernimmt in einer Hosenrolle die österreichische Mezzosopranistin Katrin Wundsam.

Als „packendes Kammerspiel“ bezeichnet Dirigent und Musikforscher Claudio Osele die Serenata „La Semele o sia La richiesta fatale“ („Semele oder Der verhängnisvolle Wunsch“) von Johann Adolf Hasse. Uraufgeführt wurde Hasses „Semele“ 1726 in Neapel, angeblich unter Beteiligung des berühmten Kastraten Farinelli. Serenatas haben im Vergleich zum Operndrama meist kleinere Besetzungen und geringeren Bühnenaufwand. In der Innsbrucker Inszenierung von Georg Quander agieren die Sänger in Kostümen, aber ohne Bühnenbild. In der Titelrolle wird mit der italienischen Sopranistin Francesca Aspromonte ein aufgehender Stern am Sängerhimmel zu erleben sein. Mit Roberta Invernizzi und Sonia Prina stehen zwei weitere erstklassige Sängerinnen an ihrer Seite.

Die Barockoper:Jung 2018 entführt in die Zeit der frühen venezianischen Oper: „Gli amori d’Apollo e Dafne“ („Die Liebe von Apollo und Dafne“) von Francesco Cavalli gilt als Meisterwerk des Genres. Der junge Cavalli fühlte sich damals noch nicht den späteren Regeln und Stilzwängen der Opernform verpflichtet – in schöpferischer Freiheit komponierte er dramatische Episoden mit fließenden Übergängen zwischen Rezitativen und Arien, Realität und Illusion. Die barocke Welt der Schatten, Träume und Dunkelheit inspirierte die Regisseurin Alessandra Premoli dazu, ein Schattentheater im Innenhof der Theologischen Fakultät zu inszenieren. Die Rollen sind durchwegs mit verheißungsvollen Sängern des letztjährigen Cesti-Wettbewerbs besetzt. Als Dafne singt die Sopranistin Sara-Maria Saalmann, die bereits 2014 in der Festwochen-Oper „Almira“ das Innsbrucker Publikum begeistern konnte.

Die Konzerte im stimmungsvollen Ambiente von Schloss Ambras und der Kaiserlichen Hofburg zählen zum Fixpunkt jeder Festwochen-Saison. Im Programm 2018 nimmt der Instrumentenbauer Jacobus Stainer, der vor ca. 400 Jahren geboren wurde, eine maßgebliche Rolle ein. Dessen Streichinstrumente waren lange Zeit begehrter als Stradivaris und noch heute bewundert man den einzigartigen Klang. Immer wieder begegnen wir 2018 Musik aus der Epoche Stainers – entweder mit Komponisten, die selbst Stainer-Geigen besaßen (Bach, Corelli) oder mit ihm persönlich in Verbindung standen (Biber).

Mit Anna Fusek, dem Ensemble Armoniosa, der Accademia Ottoboni, Leila Schayegh und dem Ensemble Daedalus kann man absolute Spezialisten auf ihren Streichinstrumenten erleben. Der Stainer-Schwerpunkt gipfelt im Konzert „Das goldene Zeitalter“ mit dem Schweizer casalQuartett, das komplett auf einem Original-Instrumentarium von Stainer spielen wird.

Einem Instrumentenmeister der heutigen Zeit widmen die Festwochen den Auftakt der Ambraser Schlosskonzerte. In Erinnerung an den 2017 verstorbenen Innsbrucker Rudolf Tutz spielen enge Vertraute wie der Flötist Barthold Kuijken und Linde Brunmayr-Tutz im Spanischen Saal – ausschließlich auf Blasinstrumenten von Rudolf Tutz. 2018 wird der Sommer einer neuen „Alte Musik-Generation“: Junge, beherzte Musiker sowie Preisträger des Cesti-Wettbewerbs, deren Karrieren unaufhaltsam fortschreiten, erobern die Festwochen-Bühne. Emöke Baráth singt im Spanischen Saal Arien aus dem Traumland Arkadien, begleitet von der Tiroler Harfenistin Margret Köll. Suzanne Jerosme und Eric Jurenas bringen die Nikolauskapelle mit traurig-schönen Liedern zum Klingen, und die französische Mezzosopranistin Lea Desandre wird gemeinsam mit dem herausragenden Ensemble Jupiter im prachtvollen Riesensaal der Hofburg zu erleben sein.

Noch jünger sind die talentierten Nachwuchsmusiker der Haller Streicherey. Im „Concerto grosso“ trifft das heimische Originalklang-Ensemble auf das international erfolgreiche Ensemble Diderot unter der Leitung des Südtirolers Johannes Pramsohler. Den kirchenmusikalischen Festwochenauftakt begeht der Barockspezialist Diego Fasolis in der Stiftskirche Stams. Im Introitus widmet er sich mit dem ausgezeichneten Coro della Radiotelevisione Svizzera und seinem Ensemble I Barocchisti einer Messe von Palestrina.

Nach der fulminanten Aufführung von „San Giovanni Battista“ bei den Festwochen 2017, wird Alessandro De Marchi 2018 das Duell zwischen David und Goliath im Dom zu St. Jakob präsentieren: das Oratorium „Davidis pugna et victoria“ („Davids Kampf und Sieg“) von Alessandro Scarlatti. De Marchi zählt dabei auf eine große Chor- und Orchesterbesetzung sowie auf bekannte Solisten-Stimmen, angeführt von Arianna Vendittelli als David und Luigi De Donato als Goliath.

Ein besonderes Erlebnis erwartet das entdeckungsfreudige Publikum im „Open Mind“-Konzert der Festwochen. Der argentinische Musiker Eduardo Egüez bringt die in den 1960er-Jahren komponierte „Misa Criolla“ in der Jesuitenkirche zur Aufführung. Diese gilt als eines der populärsten Werke christlicher Musik. In Innsbruck verbinden Egüez und sein Ensemble La Chimera die „Misa Criolla“ mit Alter Musik aus der Jesuitenreduktion Südamerikas, bewegenden Rhythmen und eingängigen Melodien.

Die Festwochen der Alten Musik finden nicht nur in historischen Sälen und Kirchen, sondern auch in den Parks, Straßen und öffentlichen Plätzen Innsbrucks statt. Die kostenlosen Lunchkonzerte im Hofgarten, kreative Workshops und Konzerte für Kinder erleichtern den Einstieg in die Welt der Alten Musik. Eine innovative Neuerung bietet das Concerto Mobile der Festwochen: Einen Tag lang kann man in der Nostalgiebahn der IVB schwungvollen Volkstänzen aus der Barockzeit lauschen.

Die 42. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik finden statt vom 17. Juli bis 27. August 2018.