Tenor John Osborn. Foto: Matilde Fasso

Tenor John Osborn. Foto: Matilde Fasso

Ausufernde Reformation zum Lutherjahr

Dass Aalto-Musiktheater in Essen zeigt eine neu editierte Fassung der Oper „Le Prophète" " von Giacomo Meyerbeer.

Die Aufführung von Giacomo Meyerbeers Oper „Le Prophète" am Aalto-Theater in Essen ist ein Ereignis mit Seltenheitswert – Grund genug für das Musiktheater, die anstehende Premiere auch auf CD zu veröffentlichen. Dank Unterstützung der Brost-Stiftung konnte das Label „Oehms Classics" gewonnen werden, den Tonträger zu produzieren. Die Einspielung der Meyerbeer-Oper am Aalto-Theater liegt noch aus einem weiteren Grund nahe: Prof. Matthias Brzoska, Musikwissenschaftler an der Essener Folkwang Universität der Künste, war verantwortlich für die Neuedition des Werkes. Ein Erscheinungstermin für die CD steht noch nicht fest.

Giacomo Meyerbeer galt Mitte des 19. Jahrhunderts als berühmtester Komponist seiner Zeit. Die spektakuläre Grand Opéra „Le Prophète" (uraufgeführt 1849 in Paris), in der ein Anführer der Wiedertäufer im Mittelpunkt steht, spielt in der Zeit der christlichen Reformationsbewegungen. Das Aalto-Theater leistet damit einen  künstlerischen Beitrag zum Reformationsjahr 2017.

Historische Vorlage für das Libretto aus der Produktion des Hauses Eugène Scribe ist das sogenannte Täuferreich von Münster im 16. Jahrhundert und dessen selbsternannter König Johan von Leiden. Meyerbeers Jean de Leyde (gesungen vom Belcanto-Spezialisten John Osborn) ist scheinbar Täter und Opfer zugleich. Die Willkür, mit der von der Obrigkeit seine geplante Hochzeit unterbunden wird, hebt seine Welt aus den Angeln. Er lässt sich von den Wiedertäufern rekrutieren, wird zum Propheten proklamiert und steigt schließlich zur Galionsfigur dieser Bewegung auf.