Ahmad Shakib Pouya und Geiger Ginthör am Flughafen in Frankfurt. Foto: Bianka Huber

Ahmad Shakib Pouya und Geiger Ginthör am Flughafen in Frankfurt. Foto: Bianka Huber

Auszeichnung für musikalischen Flüchtlingshelfer

Seine drohende Abschiebung war ein Lehrstück über die menschlichen und gesellschaftlichen Tragödien, die sich mitunter bei der Rückführung von Asylbewerbern ereignen: Doch dank eines befreundeten Musikers konnte Ahmad Shakib Pouya zurück nach Deutschland kommen. Sein Helfer wird nun geehrt.

Viele Flüchtlingshelfer und andere mit Ausländerangelegenheiten befasste Menschen kennen das: Die Rückführung krimineller oder ganz offen nicht integrationswilliger Ausländer ist offenbar nicht möglich, diejenigen hingegen, die sich aktiv integrieren und mitwirken, müssen dran glauben.

So erging es auch Ahmad Shakib Pouya, einem afghanischen Musiker, der bei Produktionen des Vereins Zuflucht Kultur mitgewirkt hat und nun sogar ein Engagement an einem Münchner Theater hat. Trotz des Einsatzes vieler Freunde musste Pouya Deutschland verlassen und kam der drohenden Abschiebung, die eine Wiedereinreise unmöglich gemacht hätte, durch eine so genannte freiwillige Aureise zuvor.

Sein Freund und Musiker-Kollege Albert Ginthör, Geiger des Orchesters des Theaters am Münchner Gärtnerplatz, begleitete ihn dabei. Dafür wird Ginthör nun von der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) für sein humanitäres Engagement ausgezeichnet.

Aus Solidarität begleitete ihn Ginthör in die vom Bürgerkrieg gezeichnete afghanische Hauptstadt – und riskierte damit, zumal als westlicher Ausländer, ebenfalls sein Leben. Es gelang ihm, Pouya schon nach wenigen Tagen einen Termin in der deutschen Botschaft zu verschaffen und so den Boden für Pouyas Rückkehr nach Deutschland zu bereiten. Dank eines Rollenangebots der Münchner Schauburg für das Fassbinder-Stück Angst essen Seele auf erhielt Pouya 50 lange Tage später ein Arbeitsvisum – und damit das Recht, wieder nach Deutschland einzureisen.

Die Auszeichnung hat eine weitere Vorgeschichte. Kein anderer als Albert Ginthör selbst, hauptberuflich Geiger und Vorstandsmitglied des Orchesters des Staatstheaters am Gärtnerplatz München, hatte die DOV auf Pouyas Fall aufmerksam gemacht. Die Folge: Als erster Kulturverband setzte sie sich im Januar 2017 für Pouya ein. In Briefen an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm forderte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens ein Bleiberecht für den von den Taliban verfolgten afghanischen Musiker.

Ginthör: „Ich bin davon überzeugt, dass Pouya ohne die so engagierte und kontinuierliche mediale Begleitung heute immer noch in Kabul untergetaucht – oder Schlimmeres – wäre. Mein Dank gilt daher den vielen Journalistinnen und Journalisten, die über diesen, im wahrsten Sinne des Wortes, „Härtefall" berichtet haben. Es ist wunderbar, was die vereinte Macht der Musik und der Worte erreicht haben."

www.zufluchtkultur.de