Eindruck vom Eröffnungskonzert der Appenzeller Bachtage (ABT). Foto: ABT

Eindruck vom Eröffnungskonzert der Appenzeller Bachtage (ABT). Foto: ABT

Bachs Vokalwerk in St. Gallen

Die zweiten Appenzeller Bachtage bringen Bach zum Fluss und in Privathäuser. Im Jahr 2006 hat die J.S. Bach-Stiftung damit begonnen, das gesamte Vokalwerk Bachs aufzuführen.

Die Kathedrale von St. Gallen bildete den Rahmen für eine Zeitreise durch ein ganzes Jahrtausend Choralmusik von der Gregorianik bis zur Romantik und Moderne. In einer Kombination aus kirchen- und musikgeschichtlichen Elementen wurde ein weiter Bogen geschlagen von Notker über Luther zu Bach.

Die Basler Madrigalisten gestalteten das Konzert gemeinsam mit dem Gastorganisten des Festivals, Johannes Lang. Einer der Höhepunkte war die Aufführung von Notkers berühmter Sequenz zum Pfingstfest. Der Brückenschlag zwischen der Gregorianik des St. Galler Mönchs und den reformatorischen Gesängen Luthers in Anlehnung an die sich 2017 zum 500. Mal jährende Reformation setzte den Auftakt des Festivals.

Klangvolle Begegnungen stehen am Donnerstag auch bei Kammerkonzerten in Privathäusern in Teufen, Speicher, Trogen und Gais im Zentrum. Bei „Bach in den Häusern“ konzertieren die Pianistin Edna Stern sowie Violinistin Plamena Nikitassova. Die Appenzeller Bachtage gehen allerdings über das Zuhören hinaus. Der preisgekrönte Tanzpädagoge Royston Maldoom überträgt Bachs Musik mit Jugendlichen der Bildungsinstitution SBW Haus des Lernens im wörtlichsten Sinne in Bewegung. Nach 10 Tagen intensiven Trainings wird am Donnerstag im Rahmen der Produktion „Bach bewegt“ in Teufen getanzt. Gedeckte „Hüslibruggen“ bieten am Freitag erstmals Raum für ein neues, unkonventionelles Musikerlebnis: Die Holzbrücken, wo Sitter und Wattbach zusammenfliessen, bilden die Bühne für die Konzertwanderung „Über den Bach“ mit der St. Galler Knabenmusik. Am Samstagabend findet mit der Bach-Nacht „ChorALL“ in Teufen ein echtes Get-together statt. Insgesamt rund 30 Konzerte und Veranstaltungen prägen das Programm der zweite Appenzeller Bachtage.

Der Ursprung des fünftägigen Festivals liegt im grossen Schweizer Bachprojekt der J.S. Bach-Stiftung. Seit 2006 führt die in St. Gallen ansässige Stiftung das gesamte Vokalwerk von J.S. Bach im appenzell- ausserrhodischen Trogen auf. Das kulturelle Vorhaben dürfte – bei einem Rhythmus von einem Werk pro Monat – ungefähr im Jahr 2030 seinen Abschluss finden. Chor und Orchester der J.S. Bach-Stiftung unter der Leitung von Rudolf Lutz sind auch an den Appenzeller Bachtagen tonangebend. Angesichts einer immer grösseren Schar von immer weiter her anreisenden Konzertbesuchern drängte es sich beinahe auf, alle zwei Jahre zu einem mehrtägigen Festival ins Appenzellerland einzuladen.