Bachwochen in Thun sind wieder da

Bach und die Spätfolgen von John Zorn bis Arvo Pärt: Die Bachwochen Thun sind nach einjähriger Unterbrechung wieder da und bieten ein assoziationsreiches Programm.

Die Bachwochen Thun sind zurück! Nach einem Jahr Pause gehen die Bachwochen Thun unter neuer Leitung und mit neuem Elan in die Zukunft. Mit dem Steffisburger Cembalisten Vital Julian Frey und der Thuner Flötistin Carmen Hess konnten erfahrene einheimische Musiker-Persönlichkeiten mit der Durchführung des Festivals betraut werden, das zudem in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiern kann.

Im Eröffnungskonzert präsentieren das Ensemble Arcangelo und die Sopranistin Lydia Teuscher die zarten Schattierungen barocker Gefühle. Nach dem Bachwochendebüt vor zwei Jahren treten das Ensemble Arcangelo und dessen Leiter Jonathan Cohen erneut in Thun auf. Mit Lydia Teuscher begleitet sie eine gefragte Lied- und Konzertsängerin, die, unter anderem ausgezeichnet vom Göttinger Händel-Festival, geradezu prädestiniert ist für das Programm mit Arien und Liedern von Bach und Georg Friedrich Händel. (So, 13.8.17, 17 Uhr, Stadtkirche Thun)

Für das junge Publikum bietet in diesem Jahr das Ensemble Paul Klee aus Bern ein Programm, das von Fantasy und Verfolgungsjagden geprägt ist. Bachs Musik vermag alle Generationen anzusprechen, ausgerichtet ist das moderierte Konzert insbesondere für Kinder von 4 bis 11 Jahren und ihre Familien. (Sa, 19.8.17, 15 Uhr, Stadtkirche Thun)

Das mit dem Anerkennungspreis des Kantons Bern 2013 ausgezeichnete Ensemble Paul Klee ist auch im Konzert «Bach-Spiegelungen» zu hören. Dem bekannten 5. Brandenburgischen Konzert von Bach werden dabei unter anderem Werke von John Zorn und Arvo Pärt gegenübergestellt. Während Zorn sich von jüdischen Melodien und vom Jazz beeinflussen lässt, nimmt der estnische Komponist Pärt historische Klänge als Ausgangspunkt für seine eigenen, meditativen Kompositionen. (Sa, 19.8.17, 17 Uhr, Stadtkirche Thun)

Nach Venedig entführen Oboist Albrecht Mayer sowie Cembalist Vital Julian Frey. Kompositionen von Antonio Vivaldi und Benedetto Marcello treffen dabei auf Werke, die Bach von diesen beiden Autoren kopiert und umgearbeitet hat. Was in heutigen Zeiten wohl ein Gerichtsverfahren wegen Ideenklau nach sich ziehen würde, bedeutete damals das Gegenteil: Es galt als Ehre, kopiert zu werden. (So, 20.8.17, 17 Uhr, Stadtkirche Thun)

Der junge britische Pianist Benjamin Grosvenor begeistert weltweit durch sein überlegtes und technisch ausgereiftes Spiel. In Thun präsentiert er unter anderem Maurice Ravels «Gaspard de la nuit», drei phantastische Tondichtungen nach einer literarischen Vorlage von Aloysius Bertrand. Weiter auf dem Programm stehen zwei Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und Alexander Skrjabin sowie eines von Bachs bekanntesten Klavierwerken, die Französische Suite Nr. 5. (Sa, 26.8.17, 18 Uhr, Konzepthalle 6)

Gleich ein doppeltes Vergnügen bietet das Konzert des Vokalensembles Corund, das von Stephen Smith geleitet wird. Während ein erster Konzertteil dem 450. Geburtstag des Komponisten Claudio Monteverdi (1567–1643) gewidmet ist und dessen «Missa in illo tempore» und ein Magnificat zu Gehör bringt, erklingen nach einem Apéro riche Motetten von Bach. Der Name des in Luzern ansässigen Ensembles, Corund, ist dabei Programm: er verweist auf die Reinheit und Brillanz des edlen Rubins. (So, 27.8.17, 17 Uhr, mit Apéro riche, Kirche Amsoldingen)

Johann Sebastian Bachs berühmte Cello-Suiten stehen im Zentrum des Programms, das durch den britischen Star-Cellisten Steven Isserlis bestritten wird. Er stellt die Suiten, die er als Ausdruck von Bachs Spiritualität ansieht, einigen Miniaturen von György Kurtág gegenüber. Weltliche Geburtstagsgrüße und Leidzirkulare des ungarischen Komponisten treffen so auf stilisierte barocke Tanzmusik, die vielleicht mehr geistliche Inhalte anklingen lässt, als es auf das erste Hinhören zu vermuten wäre. (So, 3.9.17, 17 Uhr, mit Apéro riche, Stadtkirche Thun)

Swinging Bach verspricht das Jazztrio Kordes – Tetzlaff – Godejohann. In der Besetzung mit Klavier, Kontrabass und Schlagzeug spüren die aus Bielefeld stammenden Jazzmusiker mit eigenen Bearbeitungen und Arrangements von Jacques Loussier und Oscar Petersen dem Groove von Bachs Musik nach. (Fr, 8.9.17, 19.30 Uhr, KKThun, Schadausaal)

Eines der bekanntesten Werke Bachs bildet schliesslich den Abschluss der Bachwochen 2017: die Johannespassion mit ihrer eindrücklichen Schilderung des Leidens und Sterbens Christi. Interpretiert wird dieses Meisterwerk in ganz besonderer Form: Das Vokalensemble Solomon’s Knot aus London singt in solistischer Besetzung und wird dabei vom Berner Orchester für alte Musik Les Passions de l’ame begleitet. (So, 10.9.17, 17 Uhr, Stadtkirche Thun)