Beat Furrer. Foto: David Furrer

Beat Furrer. Foto: David Furrer

Beat Furrer erhält den Siemens-Preis

Der in der Schweiz geborene Komponist und Dirigent Beat Furrer erhält den mit 250.000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis. Er studierte Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati und Dirigieren bei Otmar Suitner.

Der internationale Ernst von Siemens Musikpreis geht 2018 an den österreichisch-schweizerischen Komponisten Beat Furrer. Die Auszeichnung für ein Leben im Dienste der Musik ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 3. Mai 2018 im Münchner Prinzregententheater statt. Insgesamt vergibt die Ernst von Siemens Musikstiftung über 3,5 Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern.

Beat Furrer gestalte seit vielen Jahren die musikalische Gegenwart auf die eindrücklichste Art und Weise und sein Einfluss auf jüngere Generationen von Komponisten und Interpreten sei enorm, heißt es von der Stiftung. Das Kuratorium der Ernst von Siemens Musikstiftung zeichnet den 1954 in der Schweiz geborenen, im klassischen Sinne umfassend gebildeten Komponisten für ein kompositorisches Lebenswerk aus, das sich über alle musikalischen Gattungen erstreckt und von geradezu suggestiver Kraft sei.

Seiner eigenen Klangsprache stets unverkennbar treu bleibend, reproduziere Furrer niemals Erprobtes sondern führe musikalische Ideen mit jedem neuen Werk einen Schritt weiter und erkundet unbekanntes ästhetisches Terrain.

Furrer wuchs im schweizerischen Schaffhausen auf, wo er ersten Musikunterricht am Klavier erhielt. Nach seinem Umzug nach Wien 1975 wurde er an der dortigen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Schüler von Roman Haubenstock-Ramati und studierte Dirigieren bei Otmar Suitner. Auch Luigi Nono hatte maßgeblichen Einfluss auf den Kompositionsstudenten.

Die Stiftung lobt weiter: "Bereits Furrers frühe Werke in der ersten Hälfte der 1980er Jahre entfalten aus einer klug inszenierten Poetik der Brüche und Gegensätze, die bereits damals Furrers ausdifferenziertes Ausdruckspektrum erahnen lässt, einen narrativen Sog auf den Hörer. Bald interessieren sich bedeutende Ensembles für den jungen Komponisten. Das Arditti Quartet führt 1985 sein erstes Streichquartett auf. Illuminations für Sopran und Kammerensemble wird im selben Jahr vom Ensemble Modern uraufgeführt. Seinen musikalischen Gestaltungswillen setzt Beat Furrer konsequent mit der Gründung eines Ensembles für zeitgenössische Musik um, der Société de l’art acoustique, das er 1985 mit dem Verleger und Unternehmer Viktor Liberda ins Leben ruft. Seit 1988 tritt das Ensemble unter dem Namen Klangforum Wien auf, mit dem es sich Weltruhm gespielt hat. Furrer leitet das Klangforum Wien bis 1992 und ist ihm bis heute als Dirigent eng verbunden.

Das Festival Wien Modern widmet Beat Furrer bereits in seinem Gründungsjahr 1988 eine Porträtreihe. Nur ein Jahr später erhält er seinen ersten Kompositionsauftrag von der Wiener Staatsoper: Mit Die Blinden, nach Texten von Maurice Maeterlinck, Platon, Friedrich Hölderlin und Arthur Rimbaud, schreibt sich Furrer endgültig und anhaltend in das Musikleben seiner Gegenwart ein. Ensemblestücke wie nuun für zwei Klaviere und Ensemble (1996) gehören bald zum festen Repertoire zeitgenössischer Ensembles.

Trotz der enormen Produktivität, die Furrer als Komponist an den Tag legt – zum Schreiben zieht er sich aus dem Wiener Großstadtleben zurück in die Berglandschaft der Steiermark –, ist Beat Furrer passionierter Lehrer. Zum Herbst 1991 nimmt er eine Professur für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz an. Von 2006 bis 2009 ist er Gastprofessor für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Ende der 1990er Jahre gründet Beat Furrer gemeinsam mit Ernst Kovacic impuls. Internationale Ensemble- und Komponistenakademie für zeitgenössische Musik in Graz.

Parallel dazu entstehen wichtige Werke wie das Musiktheater Begehren (2001/2003) und Orpheus‘ Bücher für Chor und Orchester für den Steirischen Herbst und die Donaueschinger Musiktage. Sein Musiktheater FAMA wurde 2005 ebenfalls in Donaueschingen begeistert aufgenommen und seither weltweit wiederaufgeführt. Beat Furrer erhielt für das Werk den Goldenen Löwen der Biennale Venedig 2006. Außerdem wurde er 2014 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet.

Beim Hören von Furrers Musik drängt sich der Begriff der Metamorphose auf – als Bild und Instrument um das zu fassen, was sich in der Musik des Komponisten ereignet. Die präzise ausbuchstabierte Bewegung von Stille zu Klang oder Geräusch, von Effekt zu Effekt-Verweigerung von Vertrautem zu geradezu Unheimlichem. Aber nicht nur das ästhetische Ereignis innerhalb seiner Musik lässt sich mit der Metamorphose treffend beschreiben, sondern auch sein Schaffen als Ganzes." Soweit die Ernst von Siemens Musikstiftung. 

Furrer selbst sagt über seine Arbeit: „Komponieren an sich würde mich nicht mehr interessieren, wenn ich den Eindruck hätte, ich würde ein bereits bewährtes Konzept reproduzieren, anstatt einen Schritt in eine neue Richtung zu machen“.

Derzeit steht Furrers jüngste Opernpartitur kurz vor dem Abschluss – Violetter Schnee nach einem Libretto von Händl Klaus, basierend auf einer Vorlage des russischen Schriftstellers Vladimir Sorokin.

Der Ernst von Siemens Musikpreis wird Beat Furrer am 3. Mai 2018 im Münchner Prinzregententheater bei einem musikalischen Festakt verliehen. Michael Krüger, Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und Vorsitzender des Stiftungsrates der Ernst von Siemens Musikstiftung, wird die hohe Auszeichnung überreichen.

Das Klangforum Wien spielt unter der Leitung des Preisträgers dessen canti della tenebra für Mezzosopran und Ensemble mit der Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner. Die Laudatio hält der österreichische Kulturwissenschaftler Thomas Macho, Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften Wien. Zudem verleiht die Ernst von Siemens Musikstiftung drei Förderpreise an junge, vielversprechende Komponisten. Die Preise werden durch den Vorsitzenden des Kuratoriums, Thomas Angyan, überreicht. Die Namen der Förderpreisträger veröffentlicht die Ernst von Siemens Musikstiftung Ende Februar.

Insgesamt vergibt die Stiftung 2018 rund 3,5 Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern. Gefördert werden 2018 weltweit rund 120 Projekte im zeitgenössischen Musikbereich. Der größte Anteil der Förderung entfällt erneut auf Kompositionsaufträge, aber auch Festivals, Konzerte, Kinder- und Jugendprojekte, Akademien sowie Publikationen werden mit Fördergeldern bedacht. 250.000 Euro entfallen auf die Dotierung des Hauptpreises und je 35.000 Euro sowie die Produktion einer Porträt-CD erhalten die Komponisten-Förderpreisträger. Außerdem stellt die Ernst von Siemens Musikstiftung zusätzliche Mittel für die Reihe räsonanz – Stifterkonzerte zur Verfügung.

Die Konzerte im Rahmen dieser Kooperation mit dem LUCERNE FESTIVAL und der musica viva des Bayerischen Rundfunks finden am 9. Juni im Münchner Prinzregententheater und am 20. August 2018 im KKL Luzern statt.

Der Ernst von Siemens Musikpreis (EvS Musikpreis) wird seit 1973 von der privaten Ernst von Siemens Musikstiftung (EvS Musikstiftung), die ihren Sitz in der Schweiz hat, alljährlich vergeben. Es ist kein Preis der Siemens AG oder der unternehmensnahen Siemens Stiftung.

Beim Festival musikprotokoll, das vom österreichischen Rundfunk ausgerichtet wird und in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, wurden im Laufe von über drei Jahrzehnten immer wieder Werke von Beat Furrer ur- und erstaufgeführt. Aufgrund dieser langjährigen künstlerischen Verbundenheit freue es das musikprotokoll-Team umso mehr, dass Beat Furrer mit einem so renommierten Preis für sein Lebenswerk geehrt werde, heißt es in einer Mitteilung des Festivals. 

Passend dazu gibt es einen Radio-Tipp: Ö1 ändert sein Programm und sendet eine Lange Nacht der Neuen Musik – über und mit Beat Furrer. Diese fünf Stunden lange Sendung mit Gesprächen und Musik wird Christian Scheib gestalten, seine Gäste sind der Komponist selbst sowie die Musikerin Gunde Jäch-Micko und der Musikwissenschafter Daniel Ender. Zu hören am Mittwoch, 24.01.2018, ab 00:05 Uhr auf Radio Österreich 1 und über das Internet. oe1.orf.at/programm/20180123/509976