Vladimir Jurowski. Foto: Bettina Stoess

Vladimir Jurowski. Foto: Bettina Stoess

Beethoven als Fixpunkt

Vladimir Jurowski tritt am 1. September 2017 seine Position als Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin an. Er folgt darin Marek Janowski, der ihm einen gleitenden Übergang ermögicht hat.

Im Palmenhof des Kaisersaal-Ensembles am Potsdamer Platz gaben Vladimir Jurowski, Orchesterdirektor Adrian Jones, Dramaturg Steffen Georgi und Orchestervorstand David Drop einen Ausblick auf die geplanten Konzerte und Projekte des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.
 
Vladimir Jurowski dirigiert das RSB in insgesamt zehn Konzerten, wobei neun davon in Berlin stattfinden. Sein Antrittskonzert am 17. September 2017 in der Philharmonie im Rahmen des Musikfestes Berlin steht exemplarisch für seine programmatischen Vorhaben in der ersten Saison mit dem RSB: Werke von Isang Yun, Arnold Schönberg und Luigi Nono werden mit Beethovens 5. Sinfonie kombiniert, die in der Fassung mit den Orchesterretuschen von Gustav Mahler erklingt.

In den darauffolgenden Monaten erkundet Vladimir Jurowski mit dem RSB die Beethoven-Rezeption durch Gustav Mahler und seine Zeitgenossen und widmet sich Werken aus der Zweiten Wiener Schule sowie aus dem Bereich der Neuen Musik, wobei er die modernen Werke stets in einen klassischen Kontext stellt, um die spannenden Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Epochen aufzuzeigen.
 
Am 20. September leitet der Chefdirigent sein Orchester erneut in der Philharmonie, in Mahlers Sinfonie Nr. 2 mit dem Rundfunkchor Berlin. Am 22. Oktober kombiniert er im Konzerthaus Berlin Werke von Dean und Schönberg mit Beethovens 3. Sinfonie.
 
Am 23. Dezember führt Vladimir Jurowski mit dem Orchester in der Philharmonie Tschaikowskys vollständige Musik zum Ballett „Der Nussknacker" auf, die am Tag zuvor auch bei einem Gastkonzert in Düsseldorf erklingt. Die RSB-Tradition mit Beethovens Neunter Sinfonie zum Jahreswechsel im Konzerthaus behält er bei, schickt der Sinfonie allerdings zur Schärfung der Wahrnehmung Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau" voraus.
 
In seinen Programmen im März und April 2018 sind Werke von Schostakowitsch, Dean, Berg und Webern sowie Beethovens 7. Sinfonie zu hören. Zum Abschluss der Berliner RSB-Saison dirigiert Vladimir Jurowski am 21. Juni Zemlinskys Lyrische Sinfonie mit den Solisten Camilla Nylund und Matthias Goerne in der Philharmonie.
 
Eröffnet wird die Saison außerhalb von Berlin unter der Leitung zweier Gastdirigenten: Alain Altinoglu dirigiert das Orchester beim Rheingau Musik Festival und beim Choriner Musiksommer, während die RSB-Debütantin Karina Canellakis mit dem Orchester bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern zu erleben ist.
 
Erneut beim RSB zu Gast sind Jakub Hrůša, der Dvořáks Stabat mater dirigiert, Lahav Shani mit Tschaikowskys 4. Sinfonie, Jukka-Pekka Saraste mit zwei Sibelius-Sinfonien, Andrey Boreyko mit Silvestrovs „Requiem für Larissa" mit dem RIAS Kammerchor, Sebastian Weigle mit Werken von Mahler und Rott sowie Omer Meir Wellber mit Mahlers 1. Sinfonie. Gleich vier der Gastdirigenten leiten u.a. Werke aus ihrer eigenen Feder: Jörg Widmann, Krzysztof Penderecki, Matthias Pintscher sowie im Rahmen seines RSB-Debüts Thomas Adès.
 
Zum ersten Mal am Pult des RSB stehen außerdem Krzysztof Urbański mit Schostakowitschs Zehnter, Michael Francis mit einem vornehmlich englischen Programm, Osmo Vänskä mit Werken aus Skandinavien, Enno Poppe im Rahmen von „Ultraschall Berlin 2018", Thomas Søndergård mit einem reinen Prokofjew-Programm, Bernard Labadie mit Werken von Mozart sowie Michael Wendeberg bei einem Gastkonzert in Köln.
 
Mit Pendereckis Violinkonzert „Metamorphosen" gibt Anne-Sophie Mutter ihr RSB-Debüt, als weitere Violinsolisten sind Alina Pogostkina, Christian Tetzlaff und Antje Weithaas eingeladen. Erez Ofer, der Erste Konzertmeister des RSB, spielt anlässlich des Bernstein-Jahres 2018 die Serenade nach Platons „Symposion". Die Bratschistin Tabea Zimmermann ist zum wiederholten Male beim RSB zu Gast, ebenso wie die Cellisten Johannes Moser, Daniel Müller-Schott und Wolfgang Emanuel Schmidt. Als Pianisten treten u.a. Lars Vogt, Marc-André Hamelin, Alice Sara Ott, Kirill Gerstein, Anna Vinnitskaya und Andreas Staier mit dem RSB auf.
 
Unter den zahlreichen Vokalsolisten finden sich die Namen von Allison Bell, Christianne Stotijn und Torsten Kerl, von Nora Gubisch, Maria Bengtsson und Dietrich Henschel sowie von Elisabeth Kulman, Christina Landshamer und Michael Volle. Als Sprecher in Nonos „Julius Fučik" sind beim Antrittskonzert von Vladimir Jurowski die Schauspieler Boris Aljinovic und Christian Grashof zu hören.
 
Mit hohem persönlichem Engagement realisieren die Musikerinnen und Musiker des RSB Konzerte und Projekte im Bereich der Musikvermittlung. „Rapauke macht Musik", die seit 2014 erfolgreich laufende, vierteilige Abo-Reihe für Kinder von drei bis sechs Jahren, findet wieder jeweils mit vier öffentlichen Terminen sowie zwei Terminen für die Partner-Kitas des RSB statt. Die Weiterbildung der beteiligten Musiker wird dabei weiterhin vom Programm „Kunst und Spiele" der Robert Bosch Stiftung gefördert.
 
In den Familien- und Schulkonzerten setzt das RSB die bewährte Zusammenarbeit mit drei TV-Moderatoren fort. Ralph Caspers und Shary Reeves führen durch eine neue Ausgabe von „Klassik macht Ah!", während das KiKA-Urgestein Juri Tetzlaff die Schauspielmusik von Grieg zu „Peer Gynt" erzählerisch begleitet. Die Leitung der vier Konzerte übernimmt Steffen Tast, Mitglied der Ersten Violinen des RSB.
 
Das große Mitmachkonzert für Kinderorchester mit vorbereitendem Workshop im Radialsystem V beschäftigt sich mit Klängen rund um das Thema Wasser und wird im Rahmen des ARD Schulkonzertes im Mai 2018 wiederholt.
 
Neben Schulworkshops zu Griegs „Peer Gynt" findet ein Projekt für Oberstufenschüler zum Thema „Hoffnung in Zeiten des Krieges" mit Werken von Nono und Schönberg statt.
 
Im Rahmen des Mitsingkonzertes vom Rundfunkchor Berlin tritt das RSB erneut gemeinsam mit seinem Patenorchester, der Deutschen Streicherphilharmonie, auf.

Die Konzertsaison 2017/2018 umfasst insgesamt 60 Konzerte, 55 davon in Berlin, fünf im Rahmen von Gastspielen. Neben 23 Sinfoniekonzerten, einem Filmkonzert und drei Sonderkonzerten spielt das RSB in Berlin sieben Kammerkonzerte, drei Familien- und zwei Schulkonzerte sowie 16 Kinderkonzerte „Rapauke macht Musik".
 
Deutschlandradio Kultur (ab Mai 2017 Deutschlandfunk Kultur) überträgt 16 der RSB-Konzerte live oder zeitversetzt, der Deutschlandfunk strahlt sieben Konzerte aus und das kulturradio vom rbb drei. Es sind mehrere Studioaufnahmen für CD geplant, u.a. mit PENTATONE, Sony Classical und Deutschlandfunk Kultur.
 
Anfang 2017 brachte CAPRICCIO zwei CDs mit Klavierkonzerten von Zara Levina sowie mit Film- und Orchestermusik von Hanns Eisler heraus. Für Juni 2017 ist bei ORFEO eine Wagner-CD mit Bariton Michael Volle angekündigt. Bei PENTATONE sollen im Juni Beethovens Missa solemnis mit Marek Janowski und dem MDR Rundfunkchor erscheinen, im September der Live-Mitschnitt der konzertanten Aufführung von „Hänsel und Gretel" mit Marek Janowski sowie zum Amtsantritt von Vladimir Jurowski die Studioaufnahme von Strauss' „Also sprach Zarathustra" und Mahlers „Todtenfeier".