Der Pianist Saleem Ashkar in Osnbarück. Foto: Peter Rigaud

Der Pianist Saleem Ashkar in Osnbarück. Foto: Peter Rigaud

Beethoven in Osnabrück

Der Pianist Saleem Ashkar spielt nicht nur Beethoven. Er nimmt dessen Klaviersonatenkosmos als Koordinatensystem für eine Reise der Reflektionen, die bis nach Jerusalem führt.

Im Rahmen des Morgenland Festivals Osnabrück startet im Felix-Nussbaum-Haus am Samstag, 3. September, eine achtteilige Konzertreihe, bei der alle Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven gespielt werden.

Das Projekt, bei dem Heimat und kulturelle Identität eine wichtige Rolle spielen, entstand nach einer Idee des Pianisten Saleem Ashkar. Die Beethoven-Konzertreihe vereint verschiedene Orte in Europa und Israel: Die Sonaten Ludwig van Beethovens werden nicht nur in Osnabrück, sondern auch in Ost- und West-Jerusalem, in Prag und Berlin gespielt. Ergänzt werden die Konzertabende jeweils durch Kurzfilme, die an den verschiedenen Konzert-Stationen gedreht werden sowie Gespräche und Diskussionen zu Themen wie Musik und Identität, Macht und Musik, Musik und Religion. Die Konzertabende setzen sich mit Fragen auseinander, die weit über das Werk Beethovens hinausreichen.

Saleem Ashkar feierte sein Debüt an der New Yorker Carnegie Hall im Alter von 22 Jahren. Seither gilt er als einer der wichtigsten Pianisten seiner Generation. Ashkar ist regelmäßiger Gast bei den renommiertesten Orchestern sowie auf internationalen Festivalbühnen. Er arbeitete mit Dirigenten wie Barenboim, Mehta, Chailly und Eschenbach und mit bedeutenden Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, dem Chicago Symphony Orchestra und der Filarmonica della Scala.

Seine CD-Produktionen für DECCA umfassen Aufnahmen beider Klavierkonzerte von Mendelsohn mit Riccardo Chailly und dem Gewandhaus Orchester, sowie Beethovens 1. und 4. Klavierkonzert mit dem NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Ivor Bolton. Als Botschafter des „Music Fund“ unterstützt Ashkar Musiker und Musikschulen in Entwicklungsländern und Krisengebieten.

Saleem Ashkar war Artist in Residence beim ersten Morgenland Festival Osnabrück, 2005. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Morgenland Festival Osnabrück und C. Bechstein / Pianohaus Kemp. Beim ersten Konzert am 3. September um 19 Uhr werden im Felix-Nussbaum-Haus die Sonaten 1, 13, 21, 27 gespielt. Partner in der Gesprächsrunde ist Michael Wolpe. Der Komponist, Dirigent und Professor an der Jerusalem Academy of Music and Dance wuchs mit den Werken von Felix Nussbaum auf, die sein Großvater, ein Holocaust-Überlebender, vor den Nazis rettete.

Am 28. September präsentiert Saleem Ashkar im Felix-Nussbaum-Haus die Klaviersonaten 3, 17, 22 und 28. Das Thema des zweiten Abends lautet „Spätwerk: Kunst in existentiellen Zeiten“. Der Kurzfilm des Abends wird im Museum entstehen und nimmt Edward Saids Gedanken dazu auf. Inwiefern beeinflusst das Angesicht des Todes kreative Prozesse? Gibt es Parallelen zwischen Nussbaums Arbeiten und Beethovens Spätwerk? „Mendelssohns Beethoven“: Saleem Ashkar präsentiert am 10. November die Sonaten Nr. 2, 13, 14 und 25 und unter dem Titel „Orientalismus in der Musik - Musik und Identität“ am 8. Dezember die Sonaten Nr. 5, 11, 15 und 16. Vier weitere Konzerte folgen 2017. Der Zyklus endet beim Morgenland Festival 2017.