Gabriela Montero. Foto: Shelly Mosman

Gabriela Montero. Foto: Shelly Mosman

Beethovenpreis an Gabriela Montero

Mit Gabriela Montero bekommt zum ersten Mal eine Frau den Beethovenpreis - als Ehrung für ihr aktives gesellschaftliches und politisches Engagement.

Am 4. Dezember 2018 findet in der Bundeskunsthalle in Bonn ein Benefizkonzert anlässlich der Verleihung des Beethovenpreises an die venezolanische Pianistin Gabriela Montero statt. Der von Torsten Schreiber und Andreas Loesch initiierte Internationale Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion wird zum vierten Mal vergeben. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird wieder von der Kölner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Solidaris gesponsert. Die Preistrophäe „Evolute“ in Alabaster gestaltet zum vierten Mal der Künstler Dirk Wilhelm.

Das Fest-Konzert mit zahlreichen Musikerinnen und Musikern aus verschiedenen Genres steht im Zeichen der Leitlinien der Beethoven Academy. Es treten auf: der griechische Bariton Aris Argiris, der 1. Beethovenpreisträger Aeham Ahmad, syrischer "Pianist aus den Trümmern", erstmals mit seinem blinden Vater Ahmad Ahmad, die Gesangsikone Jocelyn B. Smith mit einer Hommage an Aretha Franklin, Bonns älteste Konzertpianistin Margot Nisita (87),  Luisa Imorde (Klavier), "Punkpianist" Kai Schumacher, Christian Brunnert (Violoncello) und viele andere.

Die 1970 in Venezuela geborene Gabriela Montero ist eine der erfolgreichsten Pianistinnen ihrer Generation. Durch ihre klaren und gewichtigen öffentlichen Statements ist sie zudem zu einer wichtigen Anwältin für die Menschen in ihrem Geburtsland Venezuela geworden. Sie arbeitet unermüdlich daran, die Aufmerksamkeit der Welt auf die tiefgreifenden Missstände zu lenken, an denen die Menschen in ihrem Heimatand leiden. Venezuela war einst ein wohlhabendes demokratisches Land, und ist heute von Korruption und Gewalt geprägt. Es ist zu einer Diktatur geworden. Die Inflation ist immens, ungeheure Gewalt ist weit verbeitet, die Menschen hungern und bekommen keine Medikamente. Mehr und mehr Venezolanerinnen und Venezolaner sind auf der Flucht in die Nachbarstaaten. 

Monteros Berühmtheit macht sie nicht immun gegen diese Umstände, sie musste um viele enge Freunde, Familienmitglieder und Kollegen trauern, die ihr Leben oder ihr Heim aufgrund dieser Ungerechtigkeiten verloren haben. Sie sagt: “Aber wenn dir etwas so wichtig ist, wenn du so viel menschliches Leid siehst, wenn es dich so nah berührt, dann macht es einen Krieger aus dir. Es lässt dich aufstehen und sagen: Das ist nicht recht."

Gabriela Montero hilft vielen Musikerinnen,und Musikern, die einstmals von El Sistema unterstützt wurden. Das einstige Vorzeigeprogramm zur Unterstützung und Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker ist mittlerweile in der Hand von Staatschef Maduro. Nach der Ausbildung werden die Musikerrinnen und Musiker jetzt vollkommen auf sich selbst gestellt, spielen in Metrostationen oder müssen mit anderen Berufen versuchen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Montero beläßt es nicht dabei, dies immer wieder lautstark öffentlich zu kritisieren. Sie hat Geld gesammelt und öffentliches Bewußtsein geschaffen für die Menschen, die das Förderprogramm fallen gelassen hat.  

Wenn Kritiker ihres politischen Engagement argumentieren, Monteros Aufgabe sei es nur, Klavier zu spielen, sagt sie: "Nein, Ich bin ein Mensch. Und das, worüber ich spreche, sind menschliche Angelegenheiten und deshalb für mich von Bedeutung. Sie sollten für jeden von Bedeutung sein." Der Internationale Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion wird getragen von der Beethoven Academy. Ins Leben gerufen hat ihn der Intendant der Beethoven Academy Torsten Schreiber, sowie der Präsident des Festivals Junger Künstler Bayreuth, Andreas Loesch, der ebenfalls Gesellschafter der Academy ist. Weitere Gesellschafterin der Beethoven  Academy ist die Pianistin Martha Argerich.   

Die Beethoven Academy wurde am 13. März 2016 gegründet. Sie hat die Leitlinien Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion. Im Kontext dieser Leitlinien organisiert sie Kulturprojekte. Neben der alljährlichen Preisverleihung sind dies a) Kulturprojekte in Krisengebieten, und Master Classes im Zeichen der Völkerverständigung, b) das Programm MUTE (Musik und Teilhabe) mit Konzerten am Krankenbett und für mobilitäts- und mental eingeschränkte Menschen und c) Veranstaltungen im Format LET'S TALK BEETHOVEN, die musikalische Darbietungen aus verschiedenen Genres mit Lectures entlang der Leitlinien der Academy verbindet.  

Die Beethoven Academy stellt Ludwig van Beethoven als Sozialutopist und gesellschaftlichen Visionär in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und erweitert mit neuen Konzertkonzepten die Rezeption des Komponisten weit über die übliche Hörerschicht hinaus. Damit hat sie im Hinblick auf das Beethovenjubiläum 2020 eine Vorreiterrolle übernommen, denn auch die im Sommer 2016 gegründete Beethoven Jubiläums GmbH hat sich u.a. diese Ziele als Programmschwerpunkte des Jubiläums zu eigen gemacht.

Weitere Unterstützer sind zahlreiche Kulturgesellschaften aus der Region Bonn: Colloquium Humanum Bonn e.V., Johannes-Wasmuth-Gesellschaft e.V., Richard-Wagner-Verband Bonn/Siegburg  e.V., Kulturring Bad Honnef e.V. und  ArtDialog e.V. u.a. Der Erlös des Abends wird für die Projekte der Beethoven Academy verwendet.  Konzertdatum