Ivan Fischer, der Komponist, hier als Dirigent. Foto: Marco Borggreve

Ivan Fischer, der Komponist, hier als Dirigent. Foto: Marco Borggreve

Bekenntnis zum Eklektizismus

Komponieren und Dirigieren sind zwei Begabungen, die häufig gemeinsam auftreten. Auch bei Ivan Fischer, der allerdings ein bescheidenes künstlerisches Credo spricht, indem er sich ganz als Kind seiner Zeite versteht.

 „Mich fasziniert vor allem die Vielfalt aller derzeit verfügbaren musikalischen Stile und die Tatsache, dass diese Vielfalt auch die Sprache des Publikums ist. Ich betrachte den Eklektizismus als die modernste musikalische Sprache unserer Zeit“, beschreibt Iván Fischer seine künstlerische Position.

Diese dem Publikum sehr zugängliche stilistische Vielfalt seiner Werke spiegelt auch sein Kompositionsabend am 25. und 26. Juni wider. Eine starke persönliche Handschrift des 1951 in Budapest geborenen Chefdirigenten des Konzerthausorchesters Berlin offenbaren die Themen, denen er sich als Komponist widmet.

Mit Antisemitismus und der Katastrophe der Shoah, in der Mitglieder seiner Familie ermordet wurden, setzte sich bereits der Heranwachsende auseinander und suchte Antworten auf die Frage, wie man weiter mit deutscher (Musik-)Kultur umgehen könne. In diesen Zusammenhang gehört seine Oper „Die rote Färse“, die vor zwei Jahren als deutsche Erstaufführung am Gendarmenmarkt großen Erfolg feierte. Ins Programm seines Kompositionsabends hat Iván Fischer das Lied „A nay kleyd“ auf einen Text der Lyrikerin Rachel Korn und „Eine deutsch-jiddische Kantate“ („Die Stimmen der Geister“) aufgenommen. Gemeinsam drücken sie die Trauer um die allerjüngsten Opfer der Shoah aus. Beide Werke wird seine Tochter Nora Fischer (Sopran) singen.

Neben dem Dunklen steht das Helle: Humor spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle im Werk Iván Fischers. Ursprünglich für den Familiengebrauch schrieb er die satirische Kleinoper „Tsuchigumo“, die er als „polystilistische, vielsprachige europäische Adaption“ des japanischen No-Theaters beschreibt: „Französische Chansons, italienische Rezitative, eine deutsche Moritat und ein Chor nach der Art des Brecht-Theaters auf ungarisch am Ende.“ Der Inhalt ist eine Freude für Arachnophobe und Freunde von Parabeln: Ein kranker Soldat und sein treuer Freund erlegen eine mordlustige große Spinne.

Sonnabend 25.06.2016 und Sonntag 26.06.2016, jeweils um 18.00 Uhr im Werner-Otto-Saal. Die CD „Iván Fischer – Composer’s Portrait 1“ (Channel Classics) mit Werken des Programms erscheint Mitte September.