Neuer Chef in Bonn: Christof Prick. Foto: privat

Neuer Chef in Bonn: Christof Prick. Foto: privat

Bericht aus Bonn: Musik im Kanzlerbungalow

Neuer GMD, alte Probleme: Es gibt kein neues Festspielhaus, also wird die Beethovenhalle saniert. Für das BOB (Beethoven Orchester Bonn) bedeutet das: Auf Reise in der eigenen Stadt, in kleiner Besetzung u. a. bei Kanzlers.

Der in Hamburg geborene Dirigent Christof Prick hat für die Saison 2016/2017 als Chefdirigent die künstlerische Leitung des Beethoven Orchester Bonn (BOB) übernommen. Prick studierte an der Hochschule für Musik und Theater seiner Heimatstadt und ist danach Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Staatsopern Saarbrücken, Karlsruhe, Hannover und Nünnberg gewesen. Er dirigierte regelmäßig in den bekannten Opernhäusern und Konzertsälen Europas und Nordamerikas. Seit 2001 ist er außerdem Professor für Dirigieren an der Hochschule in Hamburg. 

Während der Sanierung der Beethovenhalle wird das BOB auf verschiedene Spielstätten ausweichen. Sieben Freitagskonzerte sowie einige Sonderkonzerte werden im World Conference Center Bonn (WCCB) veranstaltet. Die Matineekonzerte „Klassik um 11“ finden in der Aula der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn statt. Insgesamt wird das Orchester in sechs verschiedenen Spielstätten innerhalb von Bonn auftreten.

Inhaltlich trägt das Saisonprogramm ganz die Handschrift des Chefdirigenten, wobei er wegen der Spielstätten auch den einen oder anderen Kompromiss eingehen musste. „Das Podium der sehr schönen Aula der Universität bietet aus räumlichen Gründen nicht genug Platz für die ganz großen, spätromantischen Orchesterbesetzungen“, meint Christof Prick. „Das gibt uns die tolle Chance, uns auf die Wiener Klassik mit Mozart und Haydn und auf ein ausgefallenes Repertoire bedeutender Komponisten wie z. B. Walter Braunfels (30.10.), Igor Strawinski oder auch Arnold Schönberg (5.2.) zu konzentrieren.“

Aber auch groß besetzte Orchesterliteratur steht auf dem Programm des Hamburger Diri- genten, so z. B. die Symphonie fantastique von Hector Berlioz (30.9.) im Rahmen des Beethovenfestes und das War Requiem von Benjamin Britten (14.4.). Stars wie Jan Lisiecki (28.6.2017), Martin Stadtfeld in der BeethovenNacht (16.12.2016), Evgeni Koroliov (17.2.) und Olga Scheps (25.6.2017) und kommen an den Rhein, um mit dem BOB zu musizieren.

Einen radikalen Umbruch hat Christof Prick in „seiner“ Spielzeit vermieden: Die von seinem Vorgänger Stefan Blunier eingeführten Konzerte „BOB goes ...“ werden mit „BOB goes Symphonic Pops“ (26.11.) und „BOB goes Bayreuth“ (10.6.2017) weitergeführt und auch die traditionellen Konzerte wie das Weihnachtskonzert (23.12.) und das Karnevalskonzert (24.2.) sind weiterhin im Programm zu finden.

Unter der musikalischen Leitung von Christof Prick gibt das BOB als Botschafter Bonns drei Gastspiele: Außer dem traditionellen Gastspiel in Koblenz (3.3.) eröffnet das Bonner Ensemble das Gent Festival van Vlaanderen / Bel (19.9.) und spielt zum Saisonschluss im geschichtsträchtigen Concertgebouw in Amsterdam / NL (20.7.2017).

Auch in seiner neunten Spielzeit wartet „Bobbys Klassik“, das preisgekrönte Education- Programm des BOB mit je vier Kinder- und Familienkonzerten auf. Als Ersatz-Spielstätten für die Beethovenhalle dienen das Brückenforum für die Kinderkonzerte und die Stadthalle Bad Godesberg für die Familienkonzerte.

Besonders froh ist man in Bonn darüber, dass es dem Chefdirigenten und der Orchester- direktion gelungen ist, weiterhin Kammermusik in Bonn anzubieten. In Kooperation mit dem Beethoven-Haus, dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der Wüstenrot-Stiftung präsentieren Mitglieder des BOB im Beethoven-Haus und im Kanzlerbungalow insgesamt sieben Kammerkonzerte.

Mit einer Auslastung von ca. 92,3 % bei den Sinfoniekonzerten 93,57 % bei den Kam- merkonzerten und 85,9% bei Bobbys Klassik sowie bber 3.200 durch das Educationprogramm erreichten Schülern und Kindergartenkindern (Stand: 30.04.2016) zieht Orchesterdirektor Michael Horn eine positive Bilanz: „Wir sind froh, dass wir als Orchester der Beethovenstadt eine so breite Akzeptanz finden, die sich durch alle Altersstufen zieht“.