Sol Gabetta. Foto: Marco Borggreve

Sol Gabetta. Foto: Marco Borggreve

Berliner Hommage an „Slawa“ Rostropowitsch

Mit einer Veranstaltungsreihe samt Konzerten mit namhaften Cellisten wie Sol Gabetta ehrt das Konzerthaus Berlin den 2007 im Alter von 80 Jahren verstorbenen Mstislaw „Slawa‘‘ Rostropowitsch.

„Mit Slawa zu spielen war wie mit einem Tiger zu reiten‘‘, sagte der US-amerikanische Pianist Lambert Orkis einmal und meinte damit Mstislaw „Slawa‘‘ Rostropowitsch (1927-2007), den er über Jahre am Klavier begleitet hat. „Slawa‘‘, russisch für „Ruhm‘‘ und für „Feierlichkeit‘‘, ist der passende Spitzname der Musikwelt für den großen Cellisten und Dirigenten.

Das Konzerthaus verbeugt sich aus Anlass des zehnten Todestages von Rostropowitsch mit zahlreichen Konzerten, einer Filmvorführung und einer Festschrift vor dem großen Musiker. Schüler und Kollegen von Rostropowitsch, darunter Alban Gerhardt, Daniel Müller-Schott, Sol Gabetta, Frans Helmerson, Wolfgang Emanuel Schmidt, David Geringas, Mischa Maisky und Anne-Sophie Mutter machen diese Hommage zu einem Cello-Festival, bei dem auch einige der für Rostropowitsch komponierten Stücke zur Aufführung kommen. Studierende und Alumni der Kronberg Academy, deren künstlerischem Beirat Mstislaw Rostropowitsch bis zu seinem Tod angehörte, geben Konzerte.

Seine ehemalige Schülerin Elizabeth Wilson erinnert sich in einem Vortrag an ihren ungewöhnlichen Lehrer. Begnadeter Cellist, Dirigent, Künstler, Vorantreiber, Partylöwe, Politiker, Lebemann, Freund in jeder Lebenslage - Rostropowitschs Tage müssen mindestens 12 Stunden mehr gehabt haben. So intensiv war sein Leben. Davon zeugen nicht nur sein langes künstlerisches Bühnendasein und ein beeindruckendes Netzwerk aus Freunden auf der ganzen Welt, sondern auch die unzähligen Werke, die befreundete Komponisten für den russischen Cellisten schrieben.

Schüler, Freunde und Wegbegleiter erinnern sich in einer für die Hommage zusammengestellten Festschrift an Mstislaw Rostropowitsch, die während und nach der Hommage im Konzerthaus erhältlich ist. Mit Texten von Elizabeth Wilson, Sofia Gubaidulina, David Geringas, Ivan Monighetti, Gidon Kremer, Anne-Sophie Mutter, Bruno Monsaingeon, Lambert Orkis, Krzysztof Penderecki, Iván Fischer, Mitgliedern des National Symphony Orchestra, James MacMillan, Nikolaj Znaider, Karine Georgian, Alban Gerhardt, Daniel Müller-Schott, Maxim Vengerov, Anthony Phillips, Gija Kantscheli, Mark Lubotsky, Arvo Pärt, Manuel Brug, Raimund Trenkler und Alexander Knaifel.

Mstislaw Rostropowitsch war nicht nur ein bedeutender Cellist und Dirigent, sondern auch ein unerschütterlicher Kämpfer für Freiheit. Und dass das Repertoire für Violoncello auch noch im 20. Jahrhundert immer weiter anwuchs, ist ihm, dem wohl einflussreichsten Musiker seiner Zeit, ebenfalls zu verdanken. Geboren wurde er 1927 in Baku, und da seine Eltern Musiker waren – der Vater ebenfalls Cellist – wurde schon früh deutlich, welchen beruflichen Weg Rostropowitsch einschlagen würde. 1943 begann er mit dem Studium am Moskauer Konservatorium, neben Cello stand auch Kompositionsunterricht bei Dmitri Schostakowitsch auf seinem Stundenplan.

Nachdem Rostropowitsch Ende der 1940er Jahre eine Reihe von Wettbewerben gewann, startete er seine internationale Karriere mit Debuts in London und New York. In dem sich daran anschließenden, wirklich unvergleichlichen Künstlerleben fand „Slawa“ nicht nur zahlreiche enge Freunde unter den Musikerkollegen, sondern auch in allen anderen gesellschaftlichen Kreisen. Sein Netzwerk, das schließlich die ganze Welt umspannte, war riesig und legendär. Und nicht nur das – auch sein Cellospiel war unvergleichlich. Es inspirierte zahlreiche zeitgenössische Komponisten zu Werken für Rostropowitsch, darunter Dmitri Schostakowitsch, Benjamin Britten, Sergej Prokofjew, Henry Dutilleux, Alfred Schnittke, Leonard Bernstein und Luciano Berio. Über 200 Kompositionen entstanden so. 1974 musste er Russland verlassen, nachdem Rostropowitsch den in Ungnade gefallenen Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizynbei sich aufgenommen hatte.

Einen Tag nach dem Fall der Mauer reiste Slawa nach Berlin und spielte direkt am Checkpoint Charlie am 11. November 1989 die Sarabande aus Johann Sebastian Bachs Suite für Violoncello Nr. 2. Die russische Staatsbürgerschaft, die ihm Michail Gorbatschow 1990 nach der Rehabilitierung anbot, lehnte er ab, reiste aber in der Folgezeit oft nach Moskau, um für Demokratie in seinem Heimatland zu kämpfen.

Rostropowitsch blieb staatenlos und verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Paris. 2005 trat er zum letzten Mal als Cellist auf, er spielte die Uraufführung eines Konzerts für Violoncello, das Krzysztof Penderecki für ihn komponiert hatte. Konzerte, etwa 80 pro Jahr, dirigierte Rostropowitsch noch bis ins hohe Alter. Am 27. April 2007 starb Slawa im Alter von 80 Jahren.

PROGRAMMÜBERBLICK

Pre-Opening Donnerstag, 09. November · 21.30 Uhr· Großer Saal ALBAN GERHARDT Violonello, MARKUS BECKER Klavier

EröffnungskonzertFreitag, 10. November· 19.00 Uhr · Großer Saal KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN, IVÁN FISCHER Dirigent, SOL GABETTA Violoncello

Kammermusikabend mit Anne-Sophie Mutter Sonnabend, 11. November · 20.00 Uhr · Großer Saal ANNE-SOPHIE MUTTER Violine, VLADIMIR BABESHKOV Viola, DANIEL MÜLLER-SCHOTT Violoncello, LAMBERT ORKIS Klavier

Kammermusik-Matinee des Konzerthausorchesters Sonntag, 12. November · 11.00 Uhr· Kleiner Saal Kammerkonzert mit Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen

Sonntag, 12. November · 19.00 Uhr · Kleiner Saal 2 x hören ZEITGENÖSSISCH

Montag, 13. November · 20.00 Uhr ·Kleiner Saal Dokumentarfilm: „Rostropovich: The Genius of the Cello“ (in englischer Sprache)

Montag, 13. November · 20.00 Uhr·Musikclub Ein Abend mit Olga Peretyatko

Dienstag, 14. November · 20.00 Uhr · Kleiner Saal Espresso-Konzerte

Mittwoch, 15. November · Donnerstag, 16. November · 14.00 Uhr · Kleiner Saal Konzerthausorchester Donnerstag, 16.November· 20.00 Uhr · Großer Saal KONZERTHAUSORCHESTER BERLIN, JURAJ VALCUHA Dirigent, TRULS MØRK VioloncelloIn memoriam Mstislav Rostropowitsch

Donnerstag, 16. November· 20.00 Uhr · Kleiner Saal KAMMERORCHESTER METAMORPHOSEN BERLIN, WOLFGANG EMANUEL SCHMIDT Leitung und Violoncello

Der Lehrer Rostropowitsch –Vortrag von Elizabeth Wilson (in englischer Sprache)

Freitag, 17. November· 18.00 Uhr · Musikclub Kammermusikkonzert mit David Geringas und Mischa Maisky

Freitag, 17. November · 20.00 Uhr · Kleiner Saal DAVID GERINGAS Violoncello, MISCHA MAISKY Violoncello, IAN FOUNTAIN Klavier

Celli-Cello-Cellissimo (Familienkonzert) Sonntag, 19. November · 11.00 und 15.00 Uhr · Kleiner Saal