Voran für die Biennale München: Daniel Ott und Manos Tsangaris. Foto:  Manu Theobald

Voran für die Biennale München: Daniel Ott und Manos Tsangaris. Foto: Manu Theobald

Biennale München hinterfragt Originalität

Leben wir im Zeitalter der Beliebigkeit? Oder des künstlerischen "Laissez-faire"? Oder hat Neue Musik immer noch die Kraft, die Welt zu verändern - zumindest die musikalische? Antworten geben vielleicht die vielen jungen Komponisten, die auf der Münchner Biennale ihre neuen Werke vorstellen.

Die Münchener Biennale ist weltweit das einzige Festival, das ausschließlich Uraufführungen von Musiktheaterwerken zeigt. Gegründet wurde sie 1988 von Hans Werner Henze, dann von Peter Ruzicka 1996 bis 2014 weitergeführt. Ab 2016 übernehmen die beiden Komponisten Daniel Ott und Manos Tsangaris die künstlerische Leitung. Daniel Ott und Manos Tsangaris knüpfen an Hans Werner Henze an und machen dieses innovative Festival konsequent zu einem Nachwuchsforum.

Das Durchschnittsalter der Protagonisten liegt bei 30 Jahren. Kunstschaffende aller Sparten entwickeln in Teams bei den »Internationalen Biennale Plattformen« neue Formen des zeitgenössischen Musiktheaters und transmediale, künstlerische Projekte. Viele Produktionen des Biennale-Programms 2016 und 2018 entspringen diesen »Plattformen« in Bern, Buenos Aires, Rotterdam, Lima und Beijing, zukünftig auch in Tokio, Hongkong, New York u.a.  

Die Vielsprachigkeit, die Übersetzungs-Qualitäten, die Konjunktionen unter den Teilsprachen des neuen Musiktheaters werden befragt und ausgeführt. Das Motto lautet »OmU - Original mit Untertiteln«, und sehr schnell wird klar, dass es zum Beispiel auch OmÜ heißen könnte, Original mit Übertitelung, wie in den meisten Opernaufführungen üblich.

Was bedeutet Originalität, was ist Übersetzung innerhalb des Musik-Theaters, seiner Vorlagen, Libretti, Partituren, Aufführungen, Traditionen, Dokumentationen und Rezeptionsgeschichten? Neugier, Entwicklung, Partizipation, Reflexion: Die Münchener Biennale 2016 steht für neues Musiktheater in den unterschiedlichsten Formaten von Oper, szenischer Installation, komponiertem Theater und Performance, künstlerischer Intervention im Stadtraum, mit partizipativen Projekten (z.B. eine Stadtteil-Volksoper mit Laienmusikern) und diskursiven Formaten.

Mitten im Festival untersucht ein Symposium Echoräume und Suchbewegungen im heutigen Musiktheater. »Die gesellschaftliche Vielsprachigkeit und mediale Polyphonie werden so künstlerisch zugespitzt und reflektiert. Innerhalb rasanter Veränderungen der Rahmenbedingungen soll Musiktheater mehr sein als nur ein genrebezogenes, sinnliches Vergnügen.« (Neue Zeitschrift für Musik 01/2016 über die Münchener Biennale 2016)

Viele Projekte sind entschieden interdisziplinär und definieren den Musiktheater-Begriff neu. Musiktheater ist hier und jetzt nicht mehr auf die Oper als Kunstform beschränkt. Die Grenzen zwischen Innen- und Außenräumen sind fließend. Einige Projekte entstehen ausgehend von einer narrativen Vorlage. Andere entstehen in großer Freiheit, quasi in Realzeit vor den Augen des Publikums, nah am Performance-Begriff der Bildenden Kunst. Die Uraufführungen sind nicht ausschließlich für geschlossene Gesellschaften in geschlossenen Räumen gedacht, sondern öffnen sich in die Stadt hinein, und damit hinein in neue Zuschauergruppierungen. 

http://www.muenchenerbiennale.de/start/