Mozart-Brief an Stoll. Foto: ISM/Martin Hörmandinger

Mozart-Brief an Stoll. Foto: ISM/Martin Hörmandinger

Brief von 1791 vorgestellt

Die Stiftung Mozarteum Salzburg und ihr Mozart-Botschafter Rolando Villazón haben einen Brief von Mozart präsentiert, den einst Brahms besessen hat.

Die Stiftung Mozarteum Salzburg und Mozart-Botschafter Rolando Villazón haben heute einen verschollenen Mozart-Brief erstmals öffentlich präsentiert: Der Brief aus der Feder von Wolfgang Amadé Mozart an seinen Freund Anton Stoll aus dem Jahr 1791 gelangte kürzlich – dank einer großzügigen Spende von Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann – in die Sammlung von Original-Autographen der Stiftung Mozarteum, der „Bibliotheca Mozartiana". Dieses Schreiben an den Chordirektor Anton Stoll vom 12. Juli 1791 gehört zu den wenigen Privatbriefen, die von Wolfgang Amadé Mozart erhalten geblieben sind. Der Brief befand sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durchweg in Privatbesitz – prominentester Vorbesitzer war Johannes Brahms – und konnte nur anhand von Fotografien studiert werden. Der Brief ist ein Musterbeispiel für Mozarts Humor: Die Anrede wächst sich zu einem vierzeiligen Gedicht aus, auf der Rückseite schreibt Mozart im Namen seines Adlatus Franz Xaver Süßmayr, um seiner Bitte nach Übersendung von Musikalien durch derb-drollige Drohungen Gewicht zu verleihen.

Der Brief im Wortlaut (Original: Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg, Bibliotheca Mozartiana, Transkription: Armin Brinzing):

Wolfgang Amadé Mozart an Anton Stoll in Baden bei Wien, Wien, 12. Juli 1791

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liebster Stoll! bester knoll! grösster Schroll! bist Sternvoll! – gelt, das Moll thut dir Wohl? – Ich habe eine bitte an Sie, und die ist, Sie möchten die güte haben mir gleich mit dem ersten Wagen morgen die Messe von mir ex B, welche wir verflossenen Sonntag gemacht haben, sammt dem Gradualeex B vom Michael Haydn Pax vobis– so wir auch gemacht haben, herein schicken – versteht sich, nicht die Partitur, sondern die Stimmen – weil ich gebeten worden bin in einer kirche eine Messe zu dirigiren; – glauben sie nur nicht daß es so eine Ausflucht seye die Messe wieder zu haben – wenn ich sie nicht gerne in ihren Händen wüsste, würde ich sie ihnen nie gegeben haben. – im gegentheile mache ich mir ein vergnügen, wenn ich ihnen eine Gefälligkeit erweisen kann. – ich verlasse mich ganz auf Sie, denn ich habe mein Wort gegeben.Wienn den 12t:Jull. [1]791. Mozart

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(mit verstellter Handschrift) Bester Herr v Schroll! Setzen Sie uns nicht an sonst sitzen wir in dreck: meine herzlich zärtliche Handschrift giebt Zeuge ab, der Wahrheit, was Sie Hr: v Mozart ersuchte, folglich – die Meß und das graduale v Mich Haydnoder keine Nachricht von seiner opera. Wir werden Ihnen selbes alsogleich zurücksenden. Apropo erweisen Sie mir eine gefalligkeit meiner lieben Theres einen Handkuß auszurichten, wo nicht – ewige Feindschaft – davon muß Ihre Handschrift Zeuge sein, so wie die meinige gegenwärtig. Alsdann sollen Sie richtig die Michl Haydnsche Meß bekommen um welche ich meinem Vater schon geschrieben habe. Also ein Mann hält sein Wort! Ich bin Ihr ächter Freund, Scheishäusel den 12 Juli Franz Siessmayer Scheisdreck.