Alessandro de Marchi kann nicht von Innsbruck lassen. Foto: Hastenteufel

Alessandro de Marchi kann nicht von Innsbruck lassen. Foto: Hastenteufel

Cesti, Keiser, Porpora

Alessandro De Marchi bleibt laut frisch unterschriebenem Vertrag Intendant der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik bis zum Jahr 2021.

„Das erneute Vertrauen ehrt mich und erfüllt mich mit großer Freude. Mit der Loyalität und Begeisterung des Publikums, dem Einsatz und den Fähigkeiten des gesamten Festwochen-Teams sowie der Unterstützung der Politik soll es jedes Jahr wieder ein wundervolles Festival geben, abwechslungsreich und spannend“, blickt De Marchi voraus.

 

Unterstützung erhält er von Eva-Maria Sens, die als neue Betriebsdirektorin der Innsbrucker Festwochen zukünftig mit De Marchi für Planung und Durchführung der Festwochen verantwortlich sein wird: „Ich freue mich über die Verlängerung von Alessandro De Marchi. Gemeinsam wollen wir in den kommenden Jahren mit innovativen Programmen und spannenden Künstlerinnen und Künstlern die internationale Strahlkraft der Festwochen weiter ausbauen und dem Publikum unvergessliche Erlebnisse schenken.“

Alessandro De Marchi ist seit 2010 Künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Der Dirigent und Cembalist blickt auf sechs erfolgreiche Jahre zurück. Bereits am Beginn seines Engagements in Innsbruck hat er den Cesti-Gesangswettbewerb und die damit verbundene Barockoper-Jung für die Alte-Musik-Generation von morgen eingeführt. Mehrere der Preisträger haben inzwischen schon den Sprung auf die führenden internationalen Opernbühnen geschafft und kehren auch regelmäßig zu den Festwochen zurück.

Alessandro De Marchi überzeugte in den vergangenen sechs Jahren das Publikum und die internationalen und österreichischen Medien mit szenischen Produktionen wie Pergolesis „L’Olimpiade“, Provenzales „La Stellidaura vendicante“, Telemanns „Flavius Bertaridus“ oder Porporas „Il Germanico“. Seine CD-Aufnahmen der Innsbrucker Produktionen von „L’Olimpiade“, „Flavius Bertaridus“ und „La Stellidaura vendicante“ wurden Fachmedien hochgelobt. In den bisherigen sechs Jahren unter der Leitung von De Marchi erreichten die Festwochen eine Besucherauslastung von durchschnittlich mehr als 95 Prozent.

In seinem ersten Jahr als Künstlerischer Leiter der Festwochen brachte Alessandro De Marchi mit der von den internationalen Medien als Glanzlicht gefeierte Oper „L’Olimpiade“ ein Meisterwerk der neapolitanischen Oper ins Spiel. Diese gemeinsam mit der venezianischen Oper bedeutendste Tradition der ersten Jahrhunderte der Operngeschichte wurde auch in den Folgejahren mit den Produktionen von „La stellidaura vendicante“ und „Il Germanico“ von Dirigent De Marchi bei den Festwochen berücksichtigt.

„Il Germanico“ wurde als „Entdeckung des Jahres 2015“ für den „International Opera Award“ nominiert. Auch in Zukunft will De Marchi die neapolitanische Oper bei den Festwochen als einen der wesentlichen Stränge der Operngeschichte weiterverfolgen, dabei aber auch weiterhin den Blickwinkel auf die Gesamtentwicklung der Oper von ihren Anfängen bis in das Zeitalter des Belcanto Anfang des 19. Jahrhunderts weit fassen.

Besonders in einer Zeit, in der Barockoper längst weltweit in den Spielplänen der Opernhäuser verankert ist, muss Innsbruck seine Rolle als Ort für Entdeckungen beibehalten. Staunte die Musikwelt in den vergangenen Jahren über Ausgrabungen wie Domenico Scarlattis „Narciso“ (mit Fabio Biondi und L’Europa Galante) und steht dieses Jahr überhaupt die Weltpremiere von „Le nozze in sogno“ des einstigen Innsbrucker Hofmusikers Pietro Antonio Cesti auf dem Programm, so plant De Marchi auch für die nächsten Jahre Raritäten wie etwa 2017 Reinhard Keisers „Octavia“ ein.

Wichtig sind dem Intendanten der Festwochen auch die Neubewertung von bereits etablierten Werken und die Betonung bisher in der Interpretation nicht beachteter Aspekte. So setzte De Marchi zum Beispiel Vivaldis Meisterwerk „Ottone in villa“ in einer Neuinterpretation von Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini an. „Auch die Alte Musik bleibt nicht stehen, sie befindet sich in einem ständigen Fluss. Hier müssen die Festwochen weiterhin eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagt De Marchi, der seit seinem ersten Jahr als Künstlerischer Leiter unter anderem mit der Programmschiene „Open Mind“ eine Öffnung der Alten Musik und Erweiterung der Idee der historischen Aufführungspraxis vornimmt. Auch die Opernregie soll für De Marchi von historischer Rekonstruktion bis zu neuen Lesarten reichen. Auf Initiative von De Marchi gehen darüber hinaus mehrere beim Publikum überaus beliebte Opernintermezzi im Spanischen Saal von Schloss Ambras zurück, mit denen eine typische Musiktheaterpraxis der Barockzeit belebt wird.

Besonderes Augenmerk widmet De Marchi auch weiterhin der Einbeziehung der besten Tiroler Musiker der Alten Musik und der Pflege von Werken, die in engem Zusammenhang mit der Tiroler Musikgeschichte stehen. In den vergangenen Jahren waren Tiroler Ensembles wie das Innsbrucker Trompetenconsort und das Vokalensemble NovoCanto sowie Peter Waldner, Margret Köll, Maria Erlacher oder Markus Forster als Solisten zu erleben. Die einst in Innsbruck uraufgeführte Hasse-Oper „Romolo ed Ersilia“ erlebte ihre Wiederentdeckung.

Bei all dem steht für Alessandro De Marchi stets die „Herzensbindung zur Musik der vergangenen Jahrhunderte und ihre Anbindung an unsere Zeit“ im Vordergrund. Dabei müsse für die Festwochen auch in Zukunft eine sorgfältige stilistische Auseinandersetzung auf der Grundlage historischer Fakten die oberste Maxime sein, so De Marchi.