Der BR-Chor bekommt einen neuen Chef. Am 28.3. ist der Chor im Fernsehen zu erleben. Bild: BR/Klaus Fleckenstein

Der BR-Chor bekommt einen neuen Chef. Am 28.3. ist der Chor im Fernsehen zu erleben. Bild: BR/Klaus Fleckenstein

"Chorgesang in zeitgemäßem Kontext"

Soeben haben sie eine sehr gesangliche Aufnahme der Bachschen Johannespassion in ihrem Hauslabel vorgelegt, die den FONO FORUM Rezensenten (4/2016) nicht ganz überzeugen konnte. Sie ist eine der letzten großen gemeinsamen Produktionen des BR-Chores und ihres Chefs Peter Dijkstra.

In der kommenden Konzertsaison 2016/2017 tritt Howard Arman die Nachfolge von Peter Dijkstra als Künstlerischer Leiter des Chores an. Dem 1954 geborenen Engländer eilt der Ruf einer enormen stilistischen und künstlerischen Vielseitigkeit als Dirigent, Arrangeur, Komponist, Programmgestalter und Moderator voraus.

Bei der Konzeption der ersten gemeinsamen Abonnementkonzertreihe des Chores mit Howard Arman als Künstlerischem Leiter ergab sich thematisch ein roter Faden, der in weltpolitisch unruhigen Zeiten von besonderer Aktualität ist: „Krieg und Frieden“. Die inhaltliche Klammer vom ersten zum letzten Abonnementkonzert bildet dabei Arnold Schönbergs komplexes Chorwerk „Friede auf Erden“.

In Werken von Clément Janequin, Tomás Luis de Victoria, Felix Mendelssohn Bartholdy, Howard Arman und Martin Smolka wird die Auseinandersetzung mit diesem Thema fortgesetzt. Auch Georg Friedrich Händels „Occasional Oratorio“, das der Chor mit der Akademie für Alte Musik Berlin im 3. Abokonzert präsentiert, hat der Komponist in politisch schwierigen Zeiten 1746 als eine Art „musikalischen Beistand“ für die Bevölkerung Englands konzipiert.

Der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, Mariss Jansons, setzt den Chor in der kommenden Spielzeit unter anderem für Mozarts Requiem und bei einem musica viva–Projekt ein. Neben vielfältigen Projekten mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester präsentiert sich der Chor bei international renommierten Festivals wie in Luzern an Ostern und im Sommer sowie mehrfach bei den Salzburger Festspielen. Außerdem stehen Sonderkonzerte mit dem SWR Symphonieorchester auf dem Programm. Ein Höhepunkt der Saison wird die Mitwirkung beim Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie in Hamburg unter Leitung von Thomas Hengelbrock im Januar 2017 sein.

Howard Arman freut sich auf seine neue Wirkungsstätte: „Der Programmgestaltung und damit der Auswahl des Repertoires messe ich große Bedeutung bei. Neben den vertrauten und zentralen Werken der Chorliteratur bedeutet eine fantasievolle Konzertdramaturgie für mich auch eine lebendige Auseinandersetzung mit der ganzen Bandbreite des Chorgesangs in zeitgemäßem Kontext. Dabei eine gute Balance zu halten, etwa zwischen der stilbewussten Wiedergabe Alter Musik und aktuellen Chorwerken, empfinde ich wie selbstverständlich als eine anregende Pflicht."

Die Dirigenten der Abokonzerte sind Howard Arman, Rupert Huber als Spezialist für Neue Musik sowie erstmalig der vielversprechende Nachwuchsdirigent Yuval Weinberg. Die Vielfalt des Chores zeigt sich in der musikalischen Bandbreite seiner Programme: Sie umfassen Werke aus so unterschiedlichen Epochen wie der Renaissance, dem Barock, der Romantik, der Moderne und der Gegenwart.

Besonders stark vertreten sind in der kommenden Saison Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts: Howard Arman, Wolfram Buchenberg, John Cage, Nana Forte, Helmut Lachenmann, Einojuhani Rautavaara, Arnold Schönberg, Veljo Tormis und Iannis Xenakis.

Unter der Leitung von Rupert Huber stehen beim 4. Abokonzert Uraufführungen von Wolfgang Rihm, Martin Smolka und Vinko Globokar auf dem Programm.

Ein Höhepunkt der Saison ist Händels dreiteiliges, mit prächtigen Chören ausgestattetes „Occasional Oratorio“, das nach der Neuausgabe der Halleschen Händel-Ausgabe musiziert wird. Mit Howard Arman steht dabei ein ausgewiesener Händel-Kenner und -Interpret am Pult, der für seine Verdienste um das Werk des Komponisten und die Neuformierung des Händelfestspielorchesters in Halle anlässlich der Produktion von „Orlando“ 1996 mit dem „Händel-Preis“ ausgezeichnet wurde. 

Fernsehtipp: Der BR-Chor im Fernsehen (Bayerischer Rundfunk) mit Händels Messiah am Montag, 28.03.16 um 9.55 Uhr