Kent Nagano goes Originalklang. Foto: Benjamin Ealovega

Kent Nagano goes Originalklang. Foto: Benjamin Ealovega

Concerto Köln und Wagner

In zwei Konzerten am 20. Januar und am 16. Mai 2019 in der Kölner Philharmonie wird sich das Barock-Ensemble Concerto Köln mit „Wagner-Lesarten" an Wagner und seine Zeitgenossen herantasten.

Der Startschuss für das Projekt „Wagner-Lesarten" war im September 2017 ein Symposium zu Fragen der historischen Aufführungspraxis bei Richard Wagner. Das Jahr 2019 steht nun im Zeichen der künstlerischen Annäherung an sein Monumentalwerk „Der Ring des Nibelungen".

In zwei Konzerten am 20. Januar und am 16. Mai 2019 in der Kölner Philharmonie werden sich die „Wagner-Lesarten" musikalisch an Wagner und seine Zeitgenossen herantasten. 

Als Ausgangspunkt der Annäherung wird in den beiden Konzerten unter der Leitung von Kent Nagano romantisches Repertoire der Zeit erprobt und aufgeführt. Am 20. Januar steht neben Niccolò Paganinis 4. Violinkonzert und Hector Berlioz' „Harold en Italie" Wagners „Siegfried-Idyll" auf dem Programm.

Solisten sind Shunske Sato, Geige, und Nils Mönkemeyer, Bratsche. Am 16. Mai werden Bruckners Sinfonie Nr. 3 in ihrer ersten Fassung von 1872/1873, und Wagners „Wesendonck-Lieder" mit Mezzosopranistin Sophie Harmsen aufgeführt. 

Das Konzert am 20. Januar entwickelt eine Verbindung zwischen Paganinis 4. Violinkonzert über Berlioz' Sinfonie zur sinfonischen Dichtung Wagners. Die Sinfonie „Harold en Italie" ist eine Auftragskomposition für den Virtuosen Paganini. Dieser war beim Anblick der Partitur wegen der fehlenden technischen Finesse der Bratschenpartie enttäuscht, von der Aufführung aber überwältigt. Wagner und Berlioz standen hingegen in einem spannungsreichen Verhältnis. Der „Meister" zollte dem Franzosen jedoch für seine Weiterentwicklung der Sinfonie und Instrumentationslehre große Anerkennung. Im „Siegfried-Idyll" greift er Berlioz' Idee auf, der Musik ein Programm zu Grunde zu legen. Im Titel des Geburtstagsständchens für Cosima deutet er dieses an: „Tribschener Idyll mit Fidi-Vogelgesang und Orange-Sonnenaufgang".

Am 16. Mai kommen Wagners „Wesendonck-Lieder" zur Aufführung. Sie sind der Textdichterin und Muse Mathilde Wesendonck gewidmet. Die 1857/58 entstandenen Klavierlieder werden sowohl in Wagners Originalkomposition, wie auch in der durch Felix Mottl bewerkstelligten instrumentierten Fassung musiziert. Dem Liederzyklus wird Bruckners Sinfonie Nr. 3 in der ersten Fassung gegenüber gestellt. Die Version von 1873 ist dem „Meister Richard Wagner in tiefster Ehrfurcht gewidmet". Es werden etliche Zitate aus dessen Opern „Tristan und Isolde", „Tannhäuser" und besonders aus dem „Ring" verwendet, die in den späteren Überarbeitungen alle revidiert wurden. 

Die aufführungspraktische Grundlage der Konzerte bilden die Ergebnisse der beiden diesjährigen Streicherworkshops sowie die Auseinandersetzung mit Wagners Tempoverständnis in seiner Reflexion „Über das Dirigieren". Auch Wagners Aufzeichnungen zur Uraufführung des „Siegfried-Idylls" im Treppenhaus seines Tribschener Landhauses am Vierwaldstättersee 1870 wurden dafür ausgewertet. 

Die Idee zur wissenschaftlich-künstlerischen Erforschung von Wagners Klangkosmos hatte der international renommierte Dirigent Kent Nagano: „Ich beschäftige mich schon seit langem mit Richard Wagners „Ring". Dabei ist mir klar geworden, dass es einmal notwendig sein würde, sich mit den Hintergründen dieser so einzigartigen und dramabezogenen Musik auseinanderzusetzen. Die Neugierde auf Wagners Vorstellungen, auf sein klangliches Ideal und seine aufführungspraktischen Intentionen führte mich zu der Initiative, das Projekt mit einem Ensemble, das in der Hinterfragung von Musiziergewohnheiten Experte ist, zusammenzuarbeiten."

Dieses Konzept stieß beim Concerto Köln sofort auf Zuspruch. „Als Alte-Musikensemble sind wir es gewohnt, Interpretationsansätze immer wieder neu zu denken und Unbekanntes zu wagen. Deshalb ist es nur konsequent, wenn wir uns weiterentwickeln und unser Repertoire auf das 19. Jahrhundert und die Oper ausweiten", führt der Geschäftsführer Jochen Schäfsmeier aus.Als Aufführungsort des Vorhabens konnte die Kölner Philharmonie gewonnen werden. Für Intendanten Louwrens Langevoort ist das eine Selbstverständlichkeit, denn: „Wir arbeiten schon lange mit Concerto Köln eng zusammen. Daher sind wir sehr erfreut, dass wir ein so spannendes Projekt mit großer Stahlkraft wie die „Wagner-Lesarten" in der traditionsreichen Kölner Philharmonie zu Gast haben." 

Das 2018 gestartete wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Wagner-Lesarten" möchte Richard Wagners „Ring des Nibelungen" aus der Perspektive und mit Methoden der historisch informierten Aufführungspraxis erarbeiten und beginnend mit dem „Rheingold" 2021 den gesamten Zyklus zur Aufführung bringen. Ein Schwerpunkt liegt neben der theoretischen Reflexion des Vorhabens auf der Rekonstruktion der Instrumental-, Gesangs-, Sprach- und Bühnenpraxis der Wagner-Zeit.