Das Fest für Alte Musik in Köln startete im Dom, wo es diese Woche wieder Station machen wird, und endet in der Philharmonie.

Das Fest für Alte Musik in Köln startete im Dom, wo es diese Woche wieder Station machen wird, und endet in der Philharmonie.

Das neue Konzept trägt

Das Kölner Fest für Alte Musik findet endlich den Weg aus der Nische und zieht in die Stadt ein. Unter neuer Leitung gibt es zehn Tage lang ein Programm, das der weltbekannten Kölner Szene angemessen Gehör verschafft.

Unter der künstlerischen Leitung des Dirigenten und Chorleiters Christoph Spering hat das Kölner Fest für Alte Musik eine neue Ausrichtung bekommen. Dies lässt sich schon äußerlich an den Spielstätten festmachen. Neben den bisherigen Aufführungsorten wie der Balloni-Halle im hippen Ehrenfeld finden nun auch Konzerte im Dom statt. Und den Abschluss bildet eine Messiah-Aufführung unter Trevor Pinnock in der Kölner Philharmonie. Dazu kommen u. a. die Synanoge, das Museum für Angewandte Kunst, das Alte Pfandhaus sowie diverse Kirchen. Eine Mischung, die Lust darauf macht, die Stadt mit offenen Ohren zu entdecken.

Die Idee dieser kultivierten Neugier treibt ein Marathon, eine musikalische Wanderung im Schatten des Doms, auf die Gedankenspitze. Am Samstag, 13. April, treten an fünf verschiedenen Orten in der Innenstadt kleine Ensembles und Solisten im Stundentakt auf. Mit dabei ist der Cellist Christophe Coin, der u. a. zwei Cello-Suiten von Bach spielt. Dirigent Peter Neumann stellt Chormusik von Bach Ausschnitten der Petite Messe Solennelle von Rossini entgegen. Das neu gegründete Barockensemble Orchestra Kairos mit dem Geiger Evgeny Sviridov gibt sein Debutkonzert, das Blockflötenquartett Elignia, La Parnasse Musicale, Concert Royal Köln, das Arcangelo Trio und viele Solisten, die unter dem Dach des Zamus (Zentrum für Alte Musik) ihre Kompetenz in Köln ballen, wirken mit.

Bereits das Auftaktkonzert am Schrein der Heiligen Drei Könige war atmosphärisch und musikalisch sehr bewegend. Die Musica Fiata unter Roland Wilson hatte mit dem Vokalquartett La Capella Ducale das Requiem von Johann Rosenmüller aufgeführt, aus den Untiefen der Kathedrale unterstützt von der Choralschola des Doms. Sänger und Instrumentalisten musizierten mit Klangsinn und einer Präzision, die sich bis in die verhauchenden Nuancen hielt. Am selben Ort singt der Domchor am Freitag, 12. April, u. a. die Johannes-Passion von Heinrich Schütz.

Auch unter der neuen künstlerischen Leitung bleibt das Fest für Alte Musik offen für die Musik nach dem Barock. So gelten einzelne Veranstaltungen der Orgelmusik Max Regers und dem Schaffen von Jacques Offenbach.

Dem Festival ist nun zu wünschen, dass Stadt und Land seine Bedeutung und sein Potenzial richtig einschätzen und mit einer adäquaten Ausstattung mit dafür sorgen, dass Köln als Zentrum für Alte Musik unüberhörbar wird. Dass dabei die vielen renommierten Musiker, die im Zamus organisiert sind, weiter eine wichtige Rolle spielen müssen, sollte aber nicht daran hindern, auch die internationale Szene verstärkt einzubinden. Die Kooperationen mit WDR und Deutschlandfunk mögen dabei zusätzlich helfen.