Das Leitungsteam in Hildesheim mit dem neuen Musikchef (rechts). Foto: Clemens Heidrich

Das Leitungsteam in Hildesheim mit dem neuen Musikchef (rechts). Foto: Clemens Heidrich

"Dem Publikum zugewandtes, sinnliches Theater"

Das künstlerische Leitungsteam des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim hat den Spielplan für die Saison 2017/18 vorgestellt. Besonders prägend für die kommende Spielzeit sind die Neuanfänge im Musiktheater und Musical.

Nach der 33-jährigen Ära Werner Seitzer übernimmt ab August 2017 Florian Ziemen die Aufgaben als Generalmusikdirektor und Operndirektor in Hildesheim. Ebenfalls neu auf dem Podium war Craig Simmons, der dem Haus seit nunmehr zehn Jahren verbunden ist als Musical-Regisseur und ab kommender Saison als neuer Musicaldirektor am TfN tätig ist.

In der kommenden Spielzeit wird es 22 Premieren aus vier Sparten geben, die durch eine Vielzahl an Konzerten, Sonderveranstaltungen und Wiederaufnahmen ergänzt werden. Das Publikum darf sich auf Klassiker der Moderne genauso wie auf spannende Ausgrabungen und Neuentdeckungen freuen.

Der neue Generalmusikdirektor und Operndirektor Florian Ziemen machte gleich zu Beginn seiner Spielplanvorstellung deutlich, dass die verantwortungsvolle Aufgabe auf ihn wartet, das Erbe der 33-jährigen Amtszeit von Werner Seitzer zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen. Besonders der enge Kontakt zum Publikum, der für ihn eine Besonderheit am TfN darstellt, sei ein hohes Gut. „Diesen guten Kontakt zwischen dem Haus, seinen Künstlern und dem Publikum erhalten und zu erweitern ist mir ein großes Anliegen“, so Ziemen.

Er möchte ein dem Publikum zugewandtes, sinnliches Theater auf die Bühne des TfN bringen, das Neuartiges zeigt und die Lebendigkeit des Musiktheaters in den Mittelpunkt stellt. Die Eröffnungspremiere im Musiktheater ist am 23. September 2017 die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht. Für die Inszenierung konnte Ziemen den Regie-Altmeister Hans Hollmann, dessen Inszenierungen gerade von Werken aus dieser Zeit Theatergeschichte geschrieben haben, gewinnen. Ihm zur Seite steht die Bühnen- und Kostümbildnerin Romina Kaap.

„Dieses Werk ist ein genialer Solitär im Opernrepertoire und mit seiner Mischung aus mitreißendem Esprit und stachliger Aufgewühltheit eine wunderbare Überschrift für unseren Neubeginn“, erklärt Ziemen. Es folgt am 2. Dezember „Orpheus oder Die wunderbare Beständigkeit der Liebe“. Mit der betörend innigen, zum Teil dreisprachigen Telemann-Oper beteiligt sich das Theater für Niedersachsen an den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Komponisten 2017, der in Hildesheim das Gymnasium Andreanum besuchte.

Die belgische Barock-Spezialistin und Choreografin Sigrid T’Hooft nimmt sich Telemanns Orpheus-Deutung an und wird gemeinsam mit dem Ausstatter Stephan Dietrich barocke Welten auf der Großen Bühne erstehen lassen. Eine Deutsche Erstaufführung und feinste Belcanto-Töne erwarten das Publikum ab dem 10. März 2018. In einer Inszenierung von Guillermo Amaya und in der Ausstattung von Hannes Neumaier ist Gaetano Donizettis Melodramma Serio „Adelia“ erstmalig auf einer deutschen Bühne zu sehen.

Die musikalische Qualität dieses Spätwerkes Donizettis steht seinen bekannteren Opern wie beispielsweise „Lucia di Lammermoor“ in nichts nach und „lässt durch seine hohe Emotionalität die Luft im Saal vibrieren“, verspricht Ziemen. Die Monooper „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Grigori Frid wird in einer Inszenierung von Thomas Barthol und der Ausstattung von Caroline Wimmer vom Landestheater Linz an das TfN übernommen. Ende der 1960er Jahre entstanden, schildert die Oper prägnante Szenen aus dem Leben der Anne Frank – angefangen von ihrem 13. Geburtstag, über ihre Erfahrungen und die Begegnungen im Versteck bis hin zu ihrer Deportation zwei Jahre später.

Die letzte Musiktheater-Premiere der Spielzeit 2017/18 ist Paul Abrahams Operette „Die Blume von Hawaii“ am 5. Mai 2018. „Die Musik Abrahams erlebt derzeit eine verdiente Renaissance, und wir sind stolz darauf, am TfN die Uraufführung der finalen Rekonstruktionsfassung anbieten zu können, die die originalen Abrahamschen improvisatorischen Musizierweisen in ihrer ansteckenden Lebendigkeit nachvollzieht“, erklärt Ziemen. Für die Inszenierung wird der erstmals in Hildesheim arbeitende Regisseur Hans Walter Richter zusammen mit Daniela Kerck (Bühne) und Matthias Engelmann (Kostüme) verantwortlich sein. Neben den Neuproduktionen stehen auch drei Wiederaufnahmen auf dem Programm des TfN – Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ ab dem 3. Oktober, ab dem 8. Oktober Johann Strauß‘ „Der Zigeunerbaron“ und ab dem 22. Oktober Friedrich Smetanas „Die verkaufte Braut“.