Festkonzert zum 300-jährigen Bestehen des Musikverlages Breitkopf & Härtel in Wiesbaden. Foto: Christian Kern

Festkonzert zum 300-jährigen Bestehen des Musikverlages Breitkopf & Härtel in Wiesbaden. Foto: Christian Kern

"Der älteste Musikverlag der Welt"

Der nach eigenen Angaben älteste Musikverlag der Welt blickt mit einer neuen Mahler-Ausgabe und der neuen Reihe "Breitkopf Originals" in die Zukunft. Im Jubiläumsjahr gibt es zahlreiche Veranstaltungen in Wiesbaden, Leipzig und Tokio.

First in Music – mit diesen Worten charakterisiert sich der älteste Musikverlag der Welt, Breitkopf & Härtel. Sie sollen ein historisch gewachsenes Qualitätssiegel und im 300. Jubiläumsjahr zugleich Ansporn für die zukünftigen Vorhaben sein.

Die Edition sämtlicher Sinfonien von Gustav Mahler und die neue Reihe „Breitkopf Originals" markieren die aktuell herausragenden Projekte bei Breitkopf & Härtel. Letzteres macht Kostbarkeiten des Verlagsprogramms, vorrangig im Bereich Kammermusik, in hochwertigen und originalgetreuen Reprintausgaben zugängig. 

Die Verbindung zwischen dem Hauptsitz in Wiesbaden und dem Büro in Leipzig, der Wiege des Verlages, spiegelt sich 2019 deutlich wider. Neben Veranstaltungen in Wiesbaden, wie auch in Tokio, ist Breitkopf & Härtel mit Konzerten, Ausstellungen und Buchvorstellungen in Leipzig präsent und gestaltet das dortige Festjahr zum 200. Geburtstag von Clara Schumann „CLARA19" aktiv mit.

Zu Ehren der engen Verlagspartnerin wird Claras Berliner Blumentagebuch zur Leipziger Buchmesse (21.-24.03.) in einer Neuauflage erscheinen. Zudem sind die von Clara Schumann herausgegebenen sämtlichen Klavierwerke ihres Mannes Robert wieder vollständig erhältlich. Den Auftakt des Breitkopf & Härtel-Jahres bildete das Festkonzert am 26. Januar 2019 im Wiesbadener Kurhaus. Das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Michał Nesterowicz und der Geiger Vadim Gluzman gratulierten dem Traditionshaus. Das Auftragswerk des jungen Komponisten Christian Mason „Eternal Return", erlebte seine Uraufführung.

Zahlreiche Pionierleistungen zeichnen eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte des heute ältesten Musikverlages der Welt, der 1719 in Leipzig gegründet wurde, basierend auf einer kleinen Druckerei aus dem Jahre 1542. Im 19. Jahrhundert befanden sich Notenstecherei, Druckerei, Binderei und Verlag in einer Hand – damit sucht Breitkopf & Härtel seinesgleichen. Der Buchdruck-Maschinensaal mit etwa 1880 Quadratmeter Fläche galt zur damaligen Zeit als einer der größten weltweit. 

„Allein sich darauf auszuruhen und auf vorangegangene Errungenschaften zu verweisen, ist auch 300 Jahre nach Verlagsgründung nicht genug. Wir waren im 18. Jahrhundert die Ersten, das stimmt. Wir möchten aber auch in Zukunft die Ersten sein, getreu unserem Leitmotiv: ‚First in Music', so Verlagsleiter Nick Pfefferkorn. Mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt und der Verleihung eines Unikates der Stadtplakette wurde Breitkopf & Härtel in Wiesbaden, dem Verlagssitz seit 1945, jüngst geehrt.

Die Idee von Johann Gottlob Immanuel Breitkopf, der Notentypendruck, revolutionierte die bisherige Notendrucktechnik und legte damit den Grundstein für die Entwicklung des Musikverlages. Schätze wie der Druck des ersten Opern-Klavierauszugs (Galuppi, Il mondo alla roversa, 1758), die Veröffentlichung Goethes erster Gedichte in der Vertonung von Bernhard Theodor Breitkopf (1770), Schemellis Musicalisches Gesang-Buch (1736) oder die erste wissenschaftliche Gesamtausgabe der Werke von Johann Sebastian Bach belegen eine Tradition durch die Kulturgeschichte geschrieben wurde.

Auch liegen bei Breitkopf & Härtel (seit 1796 unter diesem Namen geführt) die heute bedeutenden Quellen für die Erforschung der spätbarocken und frühklassischen Musik: die von Johann Gottlob Immanuel Breitkopf angelegten Verlagskataloge mit Notenincipits (ab 1762). Für etliche Bach- und Haydn-Werke stellten sie teilweise die einzige bibliographische Quelle dar. 1798 rief Gottfried Christoph Härtel die erste langfristig erscheinende Musikzeitschrift „Allgemeine musikalische Zeitung" ins Leben. Zudem erschienen Johann Christoph Gottscheds wichtige theoretische Schriften und Zeitschriften, wohnte er doch drei Jahrzehnte im Leipziger Verlagshaus „Zum goldenen Bären". Das Wappentier wurde zum Verlagssignet. Härtel, seit 1796 im Verlag, legte im Sommer 1826 ein „Verzeichniß der jetzt lebenden Componisten" an: 291 von insgesamt 393 Autoren tragen das Kürzel B&H. Die Verleger gestalteten die Entwicklung der Musikstadt Leipzig entscheidend mit, waren u.a. Mitglied der Direktion des Gewandhauses, Mitbegründer der Bach-Gesellschaft zu Leipzig und bildeten ein Zentrum den musikalischen Lebens in der sächsischen Messestadt. Enge Kontakte wurden zum Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy, wie zu Robert und Clara Schumann gepflegt.

Auch im Klavierbau setzte der Verlag Maßstäbe und produzierte Anfang des 19. Jahrhunderts als einer der ersten Klavierbauer in Leipzig Instrumente, von denen u.a. Clara Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt schwärmten. Der Verlag Breitkopf & Härtel prägte vorrangig den Kanon der Wiener Klassik durch die Gesamtausgaben von Haydn, Mozart und Beethoven. Weitere Gesamtausgaben von Felix Mendelssohn Bartholdy (1997), Jean Sibelius (1998), Hanns Eisler (2002) sowie die wissenschaftliche Neukonzeption der Ausgabe „Richard Wagner: Sämtliche Briefe" (1999) zählen zu den Herzstücken des Verlages.

Breitkopfs Orchesterprogramm enthält fast das komplette Repertoire von Bach und Händel bis zu Brahms, Dvorak, Sibelius und Debussy.  Es ist wie die „Kammermusikbibliothek" ein Streifzug durch die Epochen. Viele Standardwerke liegen in „Breitkopf Urtext"-Neuausgaben vor. Hinzukommen die Schwerpunkte „Neue Musik" „Soloinstrumente", „Pädagogik", „Musikwissenschaft", „Musiktheater" und „Imprints". Auch im Design verfolgt Breitkopf & Härtel hohe Standards und verbindet elegant Historie mit Moderne: 2018 wurde der Verlag für sein frisches Corporate Design (Agentur RAUM ZWEI) mit dem German Design Award ausgezeichnet.