Pierre Boulez. Foto: Stiftung Berliner Philharmoniker  Peter Adamik

Pierre Boulez. Foto: Stiftung Berliner Philharmoniker Peter Adamik

Der Franzose verstarb 90-jährig in Baden-Baden

Der Dirigent des "Jahrhundert"-Ringes von 1976 und einflussreicher Komponist des 20. Jahrhunderts hinterlässt eine gewaltige Diskografie. Mit Pierre Boulez ist eine der herausragenden Persönlichkeiten des Musiklebens gestorben.

Als Dirigent hatte er einen konsequenten Stil: Paradigmatisch lässt sich das am Walkürenritt nachvollziehen, den er im Rahmen des gesamten "Ring des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen dirigiert hat. Fast schamhaft verschwindet das blecherne Motiv in den Orchesterwogen. Auch seine späten Mahler-Aufnahmen waren seziert, die Emotion blieb stets eher Ahnung denn Erfüllung.

Der Dirigent Pierre Boulez war ein extremer Gegenentwurf zu Karajan: Dezenter Haarschnitt, Dirigat ohne Stab, der Gesichtsausdruck sachlich. Ostentative Eitelkeit Fehlanzeige. Der Begriff der intellektuellen Kühle passte ohne Zweifel auf den Dirigenten Boulez.

Aber seltsamerweise viel weniger auf den Komponisten, der den Klangfarbenreichtum der französischen Schule mit den Protagonisten Debussy und Messiaen nie aufgegeben hat, bei aller konstruktiven Erweiterung.

Nun ist Pierre Boulez tot. Bereits im vergangenen Jahr war es ihm nicht mehr so gut gegangen, als dass er noch zu den ihm gewidmeten Festkonzerten anlässlich seines 90. Geburtstage hätte kommen können. Der Musikwelt bleiben viele Aufnahmen zur lebendigen Erinnerung an diesen großen Musiker.