Die Reihe "NDR Das Alte Werk" ist in der Laeiszhalle zu hören. Bild: Thies Ratzke

Die Reihe "NDR Das Alte Werk" ist in der Laeiszhalle zu hören. Bild: Thies Ratzke

Der "freiere Wind" des Hamburger Konzertlebens

Mit einem Schwerpunkt zum 250. Todestag von Georg Philipp Telemann und vielen weiteren vielversprechenden Akzenten bestreitet der NDR die kommende Saison seiner Reihe "Das Alte Werk".

Geistliche Werke und die Musik zu großen Opern stehen bei "NDR Das Alte Werk" im Zentrum der Konzertsaison 2017/18. Zwei Jubiläen prägen das Jahr 2017: Vor 500 Jahren heftete der Reformator Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche; und vor 250 Jahren, am 25. Juni 1767, starb Georg Philipp Telemann.

Mit einem großen Telemann-Festival erinnert NDR Das Alte Werk im Herbst 2017 an Hamburgs „Director Musices“. Als musikalischen Beitrag zum Luther-Jahr führt das schottische Dunedin Consort zwei der „Lutherischen Messen“ auf, die Johann Sebastian Bach für die Gottesdienste an der Leipziger Thomaskirche schrieb.

Während Bachs Dienstherren streng darauf achteten, dass ihr Kantor der lutherischen Orthodoxie treu blieb, wehte im Hamburger Konzertleben ein freierer Wind. Der Ratsherr Barthold Heinrich Brockes veröffentlichte hier 1712 seine theatralische Passionsdichtung „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“. Etliche Komponistengrößen, darunter Keiser, Mattheson, Telemann und Händel, vertonten den Text. Händels Fassung des Passionsklassikers wird in der kommenden Spielzeit von Concerto Copenhagen interpretiert.

Als Telemann daran ging, selbst einen Text für sein Passionsoratorium „Das selige Erwägen des bittern Leidens und Sterbens Jesu“ zu dichten, schaute er sich Brockes Vorlage ganz genau an. Mit Erfolg. Telemanns „Seliges Erwägen“ wurde auf Jahrzehnte hinaus eines der meist aufgeführten Passionsoratorien. Im Laufe des 19. Jahrhunderts jedoch geriet das Stück in Vergessenheit. Zum Abschluss des Telemann-Jahres erinnern Gottfried von der Goltz und das Freiburger Barockorchester an das Werk, das man in Hamburg viel zu lange nicht mehr gehört hat.

Die Königsgattung der Barockmusik bleibt die Oper. In diesen opulenten Gesamtkunstwerken lief die Epoche zu voller Form auf. Allerdings gab es nationale Unterschiede. Als Botschafter seiner Tradition bietet das Pariser Ensemble „Les Ambassadeurs“ zu Beginn der Spielzeit einen Einblick in die Musik der höfisch geprägten, streng stilisierten französische Opernkunst. Bunt, extravagant ausgestattet, aber vor allem mit viel gesprochenem Text liebten dagegen die Engländer ihr Musiktheater. Zum Abschluss der Saison stellen Paul McCreesh sowie Gabrieli Consort & Players Henry Purcells Semi-Opera „King Arthur“ in einer konzertanten Aufführung vor.

Mit Musik kleine Geschichten zu erzählen, Bilder heraufzubeschwören und dem Publikum die Freude des Wiedererkennens zu gönnen, zählte zu den Lieblingskunstgriffen der Komponisten des Barock. Das belgische Ensemble B’Rock widmet sein Konzert der instrumentalen Lautmalerei: Schlachtengemälde, Froschquaken und nächtliche Stimmungsbilder gibt es im Abo IV.

Zu den bewährten Traditionen bei NDR Das Alte Werk zählt die Kooperation mit dem Bucerius Kunst Forum. Zum 500. Todestag von Hieronymus Bosch war man 2016 gemeinsam der Beziehung von Malerei und Musik in der niederländischen Kunst des 16. Jahrhunderts nachgegangen. Parallel zur Ausstellung „Kunst als Ware“ stellt das Ensemble Scherzi Musicali nun Musik des 17. Jahrhunderts vor, komponiert in einer Zeit, als die Niederlande zur globalen Handelsmacht aufstiegen.

Wer beim Stichwort „Mandoline“ nur an die gezupfte Begleitung zu neapolitanischen Canzonen denkt, kennt Avi Avital nicht. Der in Israel geborene Sohn marokkanischer Einwanderer zeigt im Sonderkonzert 2, was Antonio Vivaldi, Domenico Scarlatti, Maurice Ravel, dem Italienfan Hans Werner Henze und dem israelischen Komponisten Paul Ben-Haim zum Klang der Sopranlaute sonst noch eingefallen ist.

Die Konzerte der Reihe finden nicht in der Elbphilharmonie statt, sondern in der guten aten Laeiszhalle, so dass man auch Karten bekommen kann, wenn man sich nicht dem Vorverkaufsrun des neuen Konzerthauses aussetzen mag.