L'arte del mondo dreht sich ganz um Bach. Foto: Peuserdesign

L'arte del mondo dreht sich ganz um Bach. Foto: Peuserdesign

Der ganze Kosmos an einem Abend

Selten kann man sie alle an einem Abend hören: Doch das Ensemble l’arte del mondo präsentiert im Festspielhaus Baden-Baden am Freitag, den 8. Dezember 2017, um 19 Uhr die sechs Brandenburgischen Konzerte von J. S. Bach.

Dass Bachs Brandenburgische Konzerte zu den zentralen Werken der abendländischen Instrumentalmusik zählen, ist als Satz immer noch zu allgemein formuliert, um ihrem Rang gerecht zu werden. Weil Bach Schablonen eher aufbricht, als sie auszufüllen, entzieht sich seine Musik dem ordnenden Vergleich. Jedes der sechs Konzerte formuliert einen neuen Typus aus. Ihre Satztechnik ist so dicht geknüpft, dass sie aus den Konzerten regelrechte Organismen macht, deren Individualismus den höfischen Glanz ihrer Epoche selbstbewusst auf sich selbst bezieht.

Dass die sechs gelehrten Werke dazu noch ausgesprochen musikantisch klingen und mit ihrem verspielten Charisma das breite Publikum begeistern, vertieft das Wunder ihrer Musik. Die Brandenburgischen Konzerte sind eine Gruppe von sechs Instrumentalkonzerten (BWV 1046–1051). Die erhaltene Partitur von 1721 ist dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt (1677–1734) gewidmet, den Bach im Winter 1718/1719 in Berlin kennengelernt hatte. Die Konzerte Nr. 1 und 2 bilden den höfischen Typus aus, Nr. 4 und 5 stehen im empfindsamen Stil, während Nr. 3 und 6 je eine Dreierfolge abschließen und die Idee des venezianischen Gruppenkonzertes fortführen. 

Mit dem festlichen Jagdkonzert der Nr. 1 beginnt die Folge: Hörner spielen mit, zum ersten Mal überhaupt in einem Konzert. Ein Oboenchor steht einer Streichergruppe gegenüber, die Piccolo-Violine konzertiert im zweiten und dritten Satz dieses viersätzigen Konzerts. Im zweiten Konzert werden Trompete, Blockflöte, Oboe und Violine von einem Streichorchester begleitet. Das Dritte, ein populär gewordenes Streicher-Konzert, stellt Geigen, Bratschen und Celli einander gegenüber und ist von einer Satzdichte, die selbst elaborierteste Streichquartette hinter sich lässt. Im eher intimen Konzert Nr. 4 werden ein Konzert für zwei Blockflöten und Streicher mit einem Violinkonzert gekreuzt.

Im fünften, „französischen“ Werk überblenden sich ein Konzert für Streicher, Querflöte, Solovioline und ein Cembalokonzert – das erste seiner Art übrigens. Das sechste Konzert ist ein Streicher-Gruppen-Konzert für Bratschen, Gamben und Celli, das mit einem langen enggeführten Kanon beginnt. Das Ensemble l’arte del mondo, im Jahr 2004 von seinem künstlerischen Leiter Werner Ehrhardt gegründet, spielt alte Musik auf historischen Instrumenten. Genauso widmet es sich aber auch dem Spiel auf modernen Instrumenten und dem Repertoire bis in die Romantik.

Eines der Markenzeichen von l’arte del mondo sind seine ausgefallenen Programme. Hierzu zählen musikalisch-interkulturelle Projekte wie mit dem türkischen Pera Ensemble, mit Künstlern der Peking-Opern oder israelischen und palästinensischen Musikern. Mit Daniel Hope und Max Richters sensationell erfolgreicher Neubetrachtung der Vier Jahreszeiten Vivaldi Recomposed ist l’arte del mondo auf der ganzen Welt zu Gast gewesen.