Regensburg, Tage Alter Musik, Konzert in der St. Oswald Kirche. Foto: Hanno Meier

Regensburg, Tage Alter Musik, Konzert in der St. Oswald Kirche. Foto: Hanno Meier

Der Geist der Alten Musik

Zum 34. Mal präsentieren die Tage Alter Musik Regensburg am Pfingstwochenende vom 18. bis 21. Mai 2018 in der Weltkulturerbe-Stadt Regensburg Musik vom Mittelalter bis zur Romantik an historischen Stätten.

Das Eröffnungskonzert in Regensburg am Freitag, 18. Mai kommenden Jahres, in der Dreieinigkeitskirche, bestreiten die Regensburger Domspatzen und Concerto Köln. Auf dem Programm steht Mendelssohns „Lobgesang“-Symphonie-Kantate und seine Choralkantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Gesangssolisten sind Miriam Alexandra, Sopran, ein Knabensopran der Domspatzen und Werner Güra, Tenor. Die Leitung hat Domkapellmeister Roland Büchner.

Im anschließenden Nachtkonzert in der Schottenkirche St. Jakob gastiert das britische Vokalensemble Alamire zusammen mit dem English Cornett & Sackbut Ensemble. Die britischen Vokalisten und Instrumentalisten präsentieren unter dem Titel „The Spy’s Choirbook“ Werke des frühen 16. Jahrhunderts aus einer Sammlung von Petrus Alamire, der eine schillernde Figur der Renaissance war. Ebenfalls in der Schottenkirche gastieren die fabelhafte Sopranistin Hana Blažíková und der Zinkenist Bruce Dickey mit ihrem höchst erfolgreichen Programm „Breathtaking“ mit italienischer Musik des 17. Jahrhunderts, das mittlerweile auch auf CD veröffentlicht wurde. Begleitet werden die beiden von einem mit führenden Musikern der Alte-Musik-Szene besetzten Instrumentalensemble.

Am Samstagnachmittag gastiert um 14 Uhr das European Union Baroque Orchestra (Leitung und Solovioline: Bojan Ćičić) zusammen mit dem Figurentheater „Favoletta“ im klassizistischen Neuhaussaal. „Concertatio in Silva – Der Streit im Walde“ lautet der Titel des Konzerts. Antonio Vivaldis originale Musik der „Vier Jahreszeiten“ wird dabei eins mit der Erzählung des Märchens von der tausendjährigen Eiche und dem Puppenspiel des Figurentheaters „Favoletta“, ein musikalisches Erlebnis sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Beim anschließenden Konzert in der St.-Oswald-Kirche um 16 Uhr steht venezianische Festmusik anlässlich der Befreiung von der Pestepidemie 1631 auf dem Programm. Das belgische Vokal- und Instrumentalensemble InAlto musiziert unter der Leitung des Zinkenisten Lambert Colson u. a. mehrchörige Werke von G. Gabrieli, G. Rovetta, C. Monteverdi, A. Grandi, G. Bassano.

Unter dem Titel „In Bearbeitung – Re-Formationen bei J. S. Bach“ begeben sich am Samstagabend um 20 Uhr in der Dreieinigkeitskirche das Ensemble Polyharmonique und das La Folia Barockorchester auf eine spannende Spurensuche zu Fundamenten, Keimzellen und Urszenen von Bachs Schaffen. (Dieses Konzert wird von Bayern-Klassik live übertragen.) Im Anschluss daran erklingt im zweiten Nachtkonzert in der Schottenkirche St. Jakob ausschließlich Vokalmusik des goldenen spanischen Zeitalters. Das britische Tenebrae Consort unter der Leitung von Nigel Short hat ins Zentrum seines Konzerts die Requiem-Vertonung (1603) von Tomás Luis de Victoria gestellt. Außerdem erklingen noch Victorias Responsorien und Lamentationen zum Karsamstag.

Die Matinee am Sonntagvormittag im historischen Reichssaal bestreitet das vielfach ausgezeichnete Schweizer Barockensemble Les Passions de l’Ame. „Biber pur“ heißt das Programm. Unter der Leitung der Geigerin Meret Lüthi spielt das Ensemble vier Partien aus Bibers berühmter Sammlung von 1712 „Harmonia Artificiosa Ariosa“, einem Meilenstein der geigerischen Ausdruckskraft und Spieltechnik. Am Sonntagnachmittag gastiert um 14 Uhr in der Minoritenkirche das französische Mittelalterensemble La Camera delle Lacrime aus Regensburgs Partnerstadt Clermont-Ferrand. „Le Livre vermeil de Montserrat“ – „Das Rote Buch von Montserrat“ ist eine prachtvolle Handschrift aus dem 14. Jahrhundert und der wertvollste Bestandteil des Klosterschatzes von Montserrat. Aus dieser Handschrift erklingen Pilgerlieder und volksliedartige Tänze, denen geistliche Texte unterlegt wurden, ferner Chansons und Kanons, Rund- und Totentänze. Das Ensemble gibt mit diesem Konzert seine Deutschland-Premiere. Motetten und Sinfonien aus Kantaten von J. S. Bach stehen dann um 16 Uhr auf dem Programm des renommierten belgischen Vokal- und Instrumentalensembles Vox Luminis. Die Motetten stellen durch ihre außergewöhnliche Komplexität und Dichte höchste Anforderungen an alle ausführenden Musiker, sie verlangen Durchhaltevermögen und eine ungewöhnliche Virtuosität. Diesen hohen Anspruch werden die acht Vokalisten und zwölf Instrumentalisten von Vox Luminis bei ihrem Auftritt in der Basilika St. Emmeram bravourös meistern.

Das Finnish Baroque Orchestra (Suomalainen barokkiorkesteri), kurz FiBo genannt, fasziniert seit über 25 Jahren sein Publikum mit lebendigen und frischen Interpretationen. Für das Konzertprojekt in Regensburg am Sonntagabend um 20 Uhr in der Dreieinigkeitskirche konnte als Konzertmeisterin und Leiterin die in Regensburg bestens bekannte und schon mehrmals aufgetretene Barockgeigerin Amandine Beyer gewonnen werden. Sie präsentiert mit dem FiBo Soloconcerti, Concerti grossi und Suiten des 18. Jahrhunderts u.a. von Telemann, Muffat und Leclair.

Das norwegische Barockensemble Barokksolistene gastiert nach seinen vom Publikum begeistert aufgenommenen Konzerten 2014 zum zweiten Mal mit einem Doppelkonzert in Regensburg. Diesmal zeichnen die Musiker um den charismatischen Leiter Bjarte Eike in einem Nachtkonzert am Sonntag im Konzertsaal des Leeren Beutel ein abwechslungsreiches musikalisches Porträt des „Orpheus Britannicus“ Henry Purcell. Anschließend geht’s nach Mitternacht zur „nightsession“ ins gegenüberliegende Restaurant zur zweiten Ausgabe der Alehouse Session mit Wirtshausmusik im England des 17. Jahrhunderts. Prost! Cheers! Skol! Skål! Das international hochkarätig besetzte Ensemble Stylus Phantasticus und Sopranistin Claire Lefilliâtre begeben sich bei ihrem Regensburg-Debut in der Montagsmatinee um 11 Uhr im Reichssaal auf die Suche nach dem Weg zur amour parfait. Sie wollen die Phantasie der Hörer wecken, sie anrühren und überraschen mit Freiheit und Gebundenheit, Virtuosität und Einfachheit, Expressivität und Intimität. Die carte de tendre und Kompositionen u. a. von Pierre Guedron, Antoine Boesset, Claude Lejeune, Étienne Moulinié und Charles Tessier werden sie begleiten.

Shooting-Star in der Mittelalterszene ist das in der Schweiz beheimatete Sollazzo Ensemble. Die jungen Musiker und deren Leiterin Anna Danilevskaia wurden in kurzer Zeit mit renommierten Preisen ausgezeichnet, haben ihre erste CD bei Linn Records veröffentlicht und gastieren in Regensburg mit einem Programm, das die Musik des 14. Jahrhunderts in Florenz beleuchtet. Im Zeitraum zwischen 1350 und 1400 war Florenz das Zentrum einer kulturellen Blüte, die die italienische Kultur noch heute stark beeinflusst. Dieses Konzert präsentiert die musikalische Seite eines faszinierenden Kapitels der europäischen Geschichte mit Werken u. a. von Lorenzo da Firenze, Andrea Stefani, Giovanni da Firenze und Francesco Landini. In der Basilika U.L. Frau zur Alten Kapelle gibt am Montagnachmittag um 16 Uhr das französische Ensemble Baroque Atlantique aus Bordeaux erstmals in Deutschland seine Visitenkarte ab. Die jungen Musiker um den Barockgeiger Guillaume Rebinguet Sudre stellen sich in Regensburg mit einem imaginären Bach-Konzert vor. Es erklingen Originalwerke und Transkriptionen von J. S. Bach.

Den glanzvollen Abschluss der 34. Tage Alter Musik bestreiten am Montagabend um 20 Uhr in der Dreieinigkeitskirche die Vokalisten und Instrumentalisten des tschechischen Ensemble Inégal - Prague Baroque Soloists und ihr Leiter Adam Viktora. Sie haben das Werk Zelenkas zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht und werden in Regensburg aus den drei Zyklen von Vesper-Psalmen (Psalmi Vespertini) für Soli, Chor und Orchester einen großen Querschnitt präsentieren. Die Hörer erwartet zum Abschluss des Festivals im wunderbaren Ambiente der Regensburger Dreieinigkeitskirche klangprächtige Musik, die Zelenka für die königliche Kapelle des Dresdner Hofs geschrieben hat.

Wie gewohnt findet im Rahmen des Festivals auch 2018 im historischen Salzstadel an der Steinernen Brücke vom 19. bis 21. Mai wieder eine große internationale Verkaufsausstellung von Nachbauten historischer Instrumente, von Tonträgern, Büchern und Noten statt. Über 60 Anbieter aus ganz Europa werden die Ausstellung beschicken und sie somit zur größten ihrer Art in Deutschland machen. Der Eintritt ist frei!

Und die Tage Alter Musik gehen in die Verlängerung! Am Dienstag, dem 22. Mai, gibt es zum siebten Mal eine Zusammenarbeit der Tage Alter Musik Regensburg mit der Regensburger Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik (HfKM) in Form eines Kurstages. Der Geiger und Ensembleleiter Guillaume Rebinguet Sudre (Ensemble Baroque Atlantique) wird dabei mit Studentinnen und Studenten der HfKM an vorbereiteten Stücken aufführungspraktische Fragen klären. Der Kurstag endet mit einem Konzert um 19.30 Uhr im Konzertsaal der HfKM. Zuhörer sind in den Räumen der HfKM zu Kurs und Konzert in Regensburg-Stadtamhof herzlich willkommen. Anmeldungen und nähere Informationen unter www.hfkm-regensburg.de