Gounod-Wiederentdeckung in Genf. Foto: Carole Parodi

Gounod-Wiederentdeckung in Genf. Foto: Carole Parodi

Der komische Charles Gounod

Eine Rarität von Gounod, die komische Oper "Le médecin malgré lui" feiert in der Ausweichspielstätte der Genfer Oper Premiere. Das Werk feierte ein Jahr vor "Faust" seine Uraufführung.

Mit Charles Gounods Opéra Comique "Le médecin malgré lui" präsentiert das Grand Théâtre de Genève im April in seiner neu errichteten Ausweichspielstätte, der Opéra des Nations, eine wahrhafte Opernrarität. Das Werk, das sich auf die gleichnamige Komödie von Molière gründet, ist Gounods dritte Oper und wurde ein Jahr vor seinem Hauptwerk Faust uraufgeführt.

In diesem Werk verbindet sich perfekt die farcenhafte Komik der Vorlage mit Gounods Lyrismus. Dieses turbulente Verwechslungs- und Verkleidungsstück über einen Holzfäller, der sich als Arzt ausgibt und dabei unverhoffte Heilkräfte entwickelt, wird von dem französischen Regisseur Laurent Pelly in Szene gesetzt, einem Meister des feinen Humors, dessen Gespür für Situationskomik und präzise Charakterzeichnung eine ebenso hintersinnige wie unterhaltsame Aufführung verspricht.

Die Opéra des Nations, eine Holzkonstruktion aus vorfabrizierten Einzelteilen, die das Grand Théâtre de Genève von der Comédie-Française übernommen hat, bildet allein schon durch ihre Herkunft aber auch durch ihren intimen Charakter den perfekten Rahmen für Gounods Molière-Vertonung.

Die Besetzung dieses Ensemblestücks voller Witz und Esprit wird von Boris Grappe als Sganarelle, dem titelgebenden Arzt wider Willen, angeführt. Des weiteren singen Clémence Tilquin die vermeintlich stumme Lucinde, die von Sganarelle „geheilt“ wird, und Stanislas de Barbeyrac deren Liebhaber Léandre. Außerdem treten Franck Leguérinel als Lucindes Vater Géronte, Doris Lamprecht als Haushälterin Jacqueline und Ahlima Mhamdi als Sganarelles Frau Martine auf.

Mit dem jungen Dirigenten Sébastien Rouland steht ein Spezialist für das französische Repertoire zwischen Barock und 20. Jahrhundert am Pult des Orchestre de la Suisse Romande. Unter seiner Leitung und in Pellys Regie bietet sich in Genf die seltene Gelegenheit, Gounods Opernrarität stilsicher und witzig auf der Bühne zu erleben.