Beginn der erst vor zwei Jahren uraufgeführten Fantasien für Gambe von Telemann. Foto: Telemann-Festtage Magdeburg

Beginn der erst vor zwei Jahren uraufgeführten Fantasien für Gambe von Telemann. Foto: Telemann-Festtage Magdeburg

Der literarische Komponist Georg Philipp Telemann

Lange entging der Musikwelt viel, weil sie sich nicht intensiv mit Telemann auseinander gesetzt hat. Doch nun geht die Forschung wichtigen Fragen nach - auch im März in Magdeburg am Rande der Telemann-Festtage.

„Voller Poesie – Telemann und die Literatur“ heißt das Motto der 24. Magdeburger Telemann-Festtage, die vom 9. bis 18. März in der Geburtsstadt des Komponisten stattfinden. Musik und Dichtung ist auch das Thema der begleitenden Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz, die am 12. und 13. März in Magdeburg stattfindet.

Die Dozenten aus insgesamt fünf Ländern kommen u. a. aus Freiburg (Schweiz), Liège (Belgien), Świdnica (Polen), Yokohama (Japan) sowie aus Hamburg, Bremen, Berlin, Leipzig, Halle/Saale, Würzburg und Magdeburg.

Georg Philipp Telemann konnte das Musikleben in seinem Umfeld und weit darüber hinaus über beinahe siebzig Jahre lang aktiv gestalten und beeinflussen, sei es als Musiker, sendungsbewusster Komponist, Verleger oder als Konzertveranstalter. Sein monumentales musikalisches Werk umfasst alle seinerzeit üblichen Werkgattungen und bediente alle gesellschaftlichen Bereiche – sowohl die des Hofes und der Stadt als auch der Kirche und der Oper.

Es lässt sich daher wie eine Topographie der musikalischen Entwicklungen seiner Zeit lesen und analysieren. Der Einfluss literarischer Erscheinungen und Strömungen ist hierbei nicht zu unterschätzen. Telemanns große Literarizität äußerte sich in vielen Lebens- und Schaffensbereichen, so in den eigenen Dichtungen, in seinem Briefwechsel, in den Beziehungen zu literarischen Kreisen und im Umgang mit einzelnen Dichtern, vor allem aber in der Art und Weise, wie er Dichtungen zur Musik auswählte und diese ihrem Charakter und ihrer Struktur gemäß musikalisch umsetzte.

Die in seine lange Schaffenszeit fallenden Entwicklungen in der deutschsprachigen Dichtung interessiert beobachtend, bewegte er sich dabei fast zwangsläufig im Spannungsfeld zwischen traditionellen und innovativen literarischen Erscheinungen. Dem Phänomen des „literarischen Komponisten“ Georg Philipp Telemann widmen sich die musik- und literaturwissenschaftlichen Beiträge der diesjährigen Internationalen Wissenschaftlichen Tagung. Die Konferenz soll dabei einen interdisziplinären Austausch über verschiedene Themenfelder ermöglichen.

So wird zu untersuchen sein, inwieweit Telemann in seinem literarischen Umfeld zu verorten ist, wie der Komponist medial reflektiert wurde, welche Beziehungen Telemann zu einzelnen Dichtern pflegte. Zudem werden einzelne Werkgruppen und Werke im Hinblick auf literarische bzw. musikalische Gattungsnormen betrachtet. Außerdem steht Telemann in seiner Funktion als Dichter, Übersetzer, Bearbeiter und nicht zuletzt Auftraggeber im Fokus. Spannend dürfte zudem der Versuch von Zuweisungen anonymer Dichtung, z.B. im Bereich der Kirchenmusik sein. Die Wissenschaftler hinterfragen auch, inwieweit Dichtung als Katalysator musikalischer Entwicklungen betrachtet werden kann und geben einen Überblick über die Ausstrahlung und Nachwirkung des umfangreichen Telemannschen Vokalwerkes.

Veranstalter der zweitägigen Konferenz ist das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg und das Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle- Wittenberg, Abt. Musikwissenschaft in Zusammenarbeit mit der Internationalen Telemann-Gesellschaft e.V. Die Konferenz wird gefördert durch die Mitteldeutsche Barockmusik e.V. mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Die Internationale Wissenschaftliche Tagung ist bei freiem Eintritt für Interessierte öffentlich zugänglich.