Secession 2010. Foto: Wolfgang Thaler

Secession 2010. Foto: Wolfgang Thaler

Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.

Österreichische Künstler grenzen sich von der neuen Bundesregierung mit ÖVP und FPÖ ab. Die Stellungnahme der Secession im Wortlaut.

"Nachdem das Motto der Secession „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ Eingang in das neue Regierungsprogramm gefunden hat, möchten wir, der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession, die Gelegenheit nutzen und deutlich machen, was wir unter Freiheit der Kunst verstehen: Seit der Gründung unserer KünstlerInnenvereinigung vor 120 Jahren leben wir unser Motto – ein Bekenntnis zur Erneuerung, Vielfalt und Offenheit, das jede politische Einflussnahme auf Inhalte und Ausdrucksformen ausschließt. Mit der Freiheit der Kunst ist unabdingbar Internationalität, Diversität und Dialog verbunden. Die Idee, dass Kunst einer kollektiven nationalen Identitätsstiftung dient, ist eine Form der Instrumentalisierung, die im Widerspruch zur Vielfalt künstlerischer Inhalte steht. Künstlerisches Schaffen kann in unseren Augen nur vor diesem Horizont Relevanz und Qualität entwickeln. Die Freiheit, auf die sich unser Motto bezieht, geht weit über die individuelle Äußerung hinaus: Es ist erst der Austausch in einem größeren, vielfältigen, internationalen Kontext, der den einzelnen Stimmen kulturelle Bedeutung verleiht. Kultur lässt sich daher weder allein an Kunstobjekten oder Musikkompositionen festmachen noch quantitativ anhand von Besucherzahlen, Marktwerten oder der Zirkulation von Werken bewerten. Sie bedarf einer offenen Gesellschaft. Wenn eine Regierung nicht für eine freie Gesellschaft eintritt, hat ihr Versprechen einer Freiheit der Kunst nur rhetorischen Charakter. Der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession."