Ernst Krenek, Portrait in Dirigierpose. Foto: Gladys N. Krenek

Ernst Krenek, Portrait in Dirigierpose. Foto: Gladys N. Krenek

Dessau feiert die Goldenen 20er Jahre

Das Kurt Weill Fest in Dessau wirft in diesem Jahr einen intensiven Blick zur Seite und bietet einen Schwerpunkt mit Werken von Ernst Krenek. Aber es gibt auch eine Dreigroschenoper: mit HK Gruber und dem Ensemble Modern.

Krenek, Weill & die Moderne – das Festival in Dessau / 26.2.–13.3. Gleich zwei Komponisten stehen heuer im Fokus des renommierten Kurt Weill Fests in Dessau. In einer einzigartigen Kooperation mit dem Ernst Krenek Institut hat das 24. Kurt Weill Fest diese spannende Zusammenschau zweier Künstlerpersönlichkeiten ermöglicht, die nicht nur prägend für das Musikleben der Weimarer Republik waren, sondern deren Biographien auch erstaunliche Parallelen aufweisen. Beide wurden 1900 geboren, der eine in Wien, der andere in Dessau. Beide setzten ihre begonnenen Studien in Berlin fort, Weill 1918 bei Busoni, Krenek 1920 bei Schreker. Krenek hatte seinen ersten Bühnenerfolg 1924 mit der komischen Oper Der Sprung über den Schatten in Frankfurt am Main, Weill den seinen mit Der Protagonist 1926 in Dresden. Im Januar 1924 waren die Uraufführungen von Weills Frauentanz op. 10 und Kreneks Sinfonischer Musik Nr. 2 op. 23 beide im selben Konzert der IGNM in Berlin zu erleben. Beide schrieben – ebenfalls 1924 – ein Violinkonzert, und beide Werke wurden im Jahr darauf uraufgeführt: Weills op. 12 mit Marcel Darrieux in Paris, Kreneks op. 29 mit Alma Moodie in Dessau. Seinen ersten Welterfolg feierte Krenek 1927 mit seiner Oper Jonny spielt auf, ein Jahr später zog Weill mit der Dreigroschenoper nach. Gustav Brecher, der bereits die Uraufführung des Jonny dirigiert hatte, hob 1930 zwei weitere Werke aus der Taufe: Weills Mahagonny und Kreneks Leben des Orest. Auch das Jahr 1933 beeinflusste beide Biographien folgenschwer: Weill floh im März vor den Nationalsozialisten nach Paris, von wo aus er über London schließlich im September 1935 New York erreichte. Krenek wurde auf die „Schwarze Liste“ der Nazis gesetzt, verließ Europa aber erst 1938 über Paris und Le Havre und kam im September 1938 schließlich nach New York. Weill wurde 1943, Krenek 1945 amerikanischer Staatsbürger. Dieser „Zeitgenossenschaft“ widmet sich am 3. und 4. März unter der Leitung von Matthias Henke eine wissenschaftliche Tagung, die nicht nur markante Stationen, sondern auch gemeinsame Weggefährten und Förderer Kreneks und Weills näher betrachten wird.Im Mittelpunkt des Interesses aber stehen natürlich die Konzerte, deren Krenek-Programme Festival-Intendant Michael Kaufmann in enger Zusammenarbeit mit Matthias Henke und Artist-in-Residence Ernst Kovacic entworfen hat. Dessau macht auch in diesem Jahr die Türen wieder weit auf, ganz im Sinne der schillernden Vielfalt des Musiklebens der 1920er Jahre: Orchesterkonzerte und Jazz, Liederabende und Salonorchester, eine Uraufführung Weills und ein Ständchen für Wassily Kandinsky, der 1922 ans Bauhaus in Dessau berufen wurde und später am dortigen Friedrich-Theater Mussorgskys Bilder einer Ausstellung als abstrakte Bühnenkomposition inszenierte. Zu den absoluten Highlights des diesjährigen Kurt Weill Festes dürften die konzertante Aufführung der Dreigroschenoper mit HK Gruber und dem Ensemble Modern, vor allem aber der Abend mit den beiden 1928 entstandenen Einaktern Der Diktator und Der Zar lässt sich photographieren am Anhaltischen Theater gehören. Wir freuen uns auf eine spannende Zeit in Dessau!