Ulf Schirmer. Foto: Kirsten Nijhof

Ulf Schirmer. Foto: Kirsten Nijhof

Die Akzeptanz des Publikums wiedergewonnen

Sein Auftrag war, die Auslastung der Leipziger Oper zu erhöhen. Nach fünf Jahren als Generalmusikdirektor kann Ulf Schirmer vermelden, dass dieses Ziel erreicht wurde.

Im März 2011 wurde Prof. Ulf Schirmer mit großer Mehrheit von der Stadt Leipzig zum Intendanten der Oper Leipzig bestellt. Als Generalmusikdirektor des Hauses war er bereits seit der Spielzeit 2009/10 tätig. Vorgaben der Politik an den designierten Hausherren, waren »die Gestaltung eines attraktiven, vielfältigen Spielplan in verlässlich hoher künstlerischer Qualität, die Steigerung der Akzeptanz in der Bevölkerung und die damit zusammenhängende Steigerung der Zuschauerzahlen.«

In der Saison 2011/12 wurde eine Gesamtbesucherzahl von 154.516 gezählt. Innerhalb der letzten fünf Jahre konnte diese Zahl stetig gesteigert werden. Trotz einer mehrmonatigen Schließzeit werden rund 175.300 Zuschauer die Angebote der Oper Leipzig in der Saison 2015/16 wahrgenommen haben. Einen Markstein überschreitet die Oper Leipzig im Kalenderjahr 2016. Hier werden mindestens 182.000 Besucher erwartet. Ein Ergebnis, das seit über 15 Jahren nicht erreicht werden konnte. Die prozentuale Gesamtauslastung der Oper Leipzig wurde von der Spielzeit 11/12 mit 62% auf 74,7% in der Spielzeit 15/16 erhöht. Die Auslastung aller Sparten konnte durchgängig gesteigert werden. Auch die finanzielle Bilanz der ersten Amtsperiode Ulf Schirmers fällt sehr positiv aus. Die Umsätze aus Eintritten konnten auf 5,6 Mio. € im Jahr 2016 erhöht werden, das ist ein Anstieg um 59% im Vergleich zum Jahr 2011.

Die wiedergewonnene Akzeptanz des Leipziger Publikums schlägt sich vor allem in der Auslastung der Sparte Oper nieder. Hier konnten die Besucherzahlen um 14,6% von 63.288 zu Beginn der Amtszeit auf 72.515 Besucher in 2015/16 gesteigert werden. Die Auslastung erhöhte sich von 52,3% in 2011/12 auf 66,7% in der laufenden Saison. Die Anzahl der Opernpremieren in einer Saison, konnte durch Drittmittelfinanzierung von vier auf fünf dauerhaft erhöht werden.  

Nach vierzigjähriger Abstinenz wurde »Der Ring des Nibelungen« im April 2016 vollendet. Für beide »Ring«-Zyklen in der laufenden Saison kommen insgesamt 35% der Besucher aus dem Ausland, 45 % aus dem Bundesgebiet und 20% aus Leipzig. Touristen aus 47 Ländern besuchen die Stadt Leipzig für die »Ring«-Zyklen. Die Top Five sind dabei Dänemark, USA, Großbritannien, Belgien und Frankreich. Als weltweites Alleinstellungsmerkmal verfügt die Oper Leipzig über die drei Frühwerke (»Die Feen«, »Das Liebesverbot«, »Rienzi«) des Komponisten im Repertoire. Die Frühwerke entstanden zum Wagner-Jubiläum 2013 unter dem Motto »Von Leipzig nach Bayreuth« in einer Kooperation mit den Bayreuther Festspielen (BF Medien) und wurden im Sommer 2013 in Bayreuth aufgeführt. In der Spielzeit 2015/16 wurden 1/5 der Umsätze durch Eintrittsgelder über das Wagner-Repertoire generiert.

Eine Lanze brach Schirmer bei Amtsantritt auch für die Musikalische Komödie und das Leipziger Ballett, die es zu fördern und auszubauen gelte.

Für die Musikalische Komödie galt es den desolaten baulichen Zustand des Operettenhaues zu stoppen und dem Verfall entgegenzuwirken. Mit der Eröffnung eines neuen Funktionsgebäudes im Februar 2016 und der städtischen Zusage einer sukzessiven Sanierung der Musikalischen Komödie konnte eine lange währende Schließungs- und Strukturdebatte, um eines der letzten eigenständigen Operetten- und Musicaltheater Deutschlands beendet werden.

Mit der Installierung einer künstlerischen Dreierspitze bestehend aus Musikdirektor Stefan Klingele, Chefregisseur Cusch Jung und dem Künstlerischen Betriebsdirektor Torsten Rose ist das Haus in der Leipziger Kulturlandschaft fest verankert. In den letzten Jahren hat sich die Musikalische Komödie mit seinem vielfältigen Repertoire aus Operette, Musical und Musiktheater für Kinder zu einem Theater für alle Generationen entwickelt. Die Auslastung steigerte sich hier von 74,2 % in der Spielzeit 2011/12 auf 83,1% in 2015/16.

Die Auslastung der Ballettaufführungen entwickelte sich von 71,1% in 2011/12 hin zu 79% in der laufenden Saison. Mit Produktionen wie »Chaplin« oder »Othello« sprechen das Leipziger Ballett und sein Chefchoreograf und Ballettdirektor Mario Schröder alle Altersgruppen an. Die Company bildet mit kleineren Formaten wie »Tanz in den Häusern der Stadt« die Atmosphäre einer urbanen Studentenstadt ab. Dabei kooperiert sie mit Partnern wie dem Museum der Bildenden Künste oder der Galerie für zeitgenössische Kunst. In 2016 kooperierte die Company zum ersten Mal mit dem Schauspiel Leipzig für die Aufführung des Ballettabends »FLESH« im Schauspielhaus.

Erklärtes Ziel Ulf Schirmers war die Förderung der Musiktheaterpädagogik. Mit Beginn der ersten Amtsperiode wurde die Abteilung Education an der Oper Leipzig installiert. Neben den rund 400 musiktheaterpädagogischen Angeboten für alle gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen – vom Babykonzert bis zum Seniorenprojekt, wurde das Repertoire in allen drei Sparten um Kinderopernpremieren, mobile Produktionen für Schulen, Ballettabende für Kinder und Jugendliche sowie Versionen großer Opern für Kinder und Einsteiger, wie z.B. dem »Ring für Kinder« erweitert. Unter der Intendanz von Ulf Schirmer wurden alle künstlerischen Ensembles konsequent weiterentwickelt und gefördert. Langjährige Ensemblemitglieder konnten in großen Partien reüssieren, junge Ensemblemitglieder sich kontinuierlich weiterentwickeln und Gastsolisten wurde immer wieder erfolgreich die Möglichkeit des Rollendebüts gegeben.