Alte Musik in Regensburg: La Compagnia del Madrigale 2016 in der Minoritenkirche. Foto: Hanno Meier

Alte Musik in Regensburg: La Compagnia del Madrigale 2016 in der Minoritenkirche. Foto: Hanno Meier

Die ganze Bandbreite der Alten Musik

Sie gehen in eine pädagogische Verlängerung und bieten eine Verkaufsmesse mit Instrumenten und Noten rund um die Alte Musik. Und das Programm kann sich hören lassen: Die Tage Alter Musik Regensburg sind eine Reise wert.

Zum 33. Mal präsentieren die Tage Alter Musik Regensburg am Pfingstwochenende vom 2. bis 5. Juni 2017 in der Weltkulturerbe-Stadt Regensburg Musik vom Mittelalter bis zur Romantik an historischen Stätten. Das Eröffnungskonzert am Freitag, dem 2. Juni in der Dreieinigkeitskirche bestreiten die Regensburger Domspatzen und das österreichische L’Orfeo Barockorchester. Im Zentrum des Programms steht Haydns umfangreichste Messkomposition, die Missa Cellensis, die unter dem nicht authentischen Alias-Titel „Cäcilienmesse“ bekannt ist. Das Haydn-Programm wird ergänzt durch die festliche C-Dur-Symphonie Hob. I:38, die Haydn 1767 für „große und feierliche Anlässe“ am Esterházy-Hof komponierte, und ein bemerkenswertes Frühwerk aus dem Jahr 1756, die Salve-Regina-Vertonung für Solosopran (Hannah Morrison), Chor und Orchester Hob. XXIII b:1. Die Leitung hat Domkapellmeister Roland Büchner.

Im anschließenden Nachtkonzert in der Schottenkirche St. Jakob gastiert das junge britische Vokalsextett The Gesualdo Six, das ganz in der großen Tradition exzellenter britischer Vokalensembles steht. Unter seinem künstlerischen Leiter Owain Park präsentieren die sechs jungen Herren „A Journey through the Music of the English Masters“, ein a-capella-Programm mit Werken ihrer berühmten Landsleute John Dunstable, William Byrd, John Taverner, Robert Parsons, Robert White, Thomas Tomkins und Thomas Tallis.

In der Samstagsmatinee im klassizistischen Neuhaussaal erklingen die drei Violinsonaten op. 30 von L. v. Beethoven mit der Konzertmeisterin des Originalklangorchesters der Bostoner Händel & Haydn Society, der Geigerin Susanna Ogata, und dem Hammerflügelspezialisten Ian Watson. Susanna Ogata spielt auf einer Joseph-Klotz-Geige von 1772, Ian Watson spielt auf dem Nachbau eines Hammerflügels von Anton Walter (1752-1826) aus der Werkstatt von Paul McNulty (2000).

In einem Crossover-Konzert am Samstagnachmittag tritt das internationale, preisgekrönte Ensemble Les haulz et les bas um 14 Uhr im historischen Festsaal des Leeren Beutel den Beweis an, dass das Saxofon das „ideale“ Instrument für die ars nova des 14. Jahrhunderts ist und dass die mittelalterliche Schalmei exakt den Klang erzeugt, auf den Jazz schon immer gewartet hat - findet man zumindest in Regensburg. Mit dem Programm „ars supernova“ erleben die Zuhörer Sternstunden mit mittelalterlichen Kompositionen in neuen und wunderschönen Arrangements mit atemberaubenden Improvisationen.

Beim anschließenden Konzert in der St.-Oswald-Kirche um 16 Uhr gastiert die kanadische Formation Ensembles Masques mit Kantaten und Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts aus Deutschland. Gesangssolist ist der Countertenor Damien Guillon. Am Samstagabend debütiert das belgische Vokal- und Instrumentalensemble Scherzi Musicali unter seinem musikalischen Leiter Nicolas Achten in Regensburg. Um 20 Uhr stehen in der Dreieinigkeitskirche zwei große „Maddalena“-Vertonungen des 17. Jahrhunderts auf dem Programm, die Maria Magdalena thematisieren. Im ersten Teil des Konzerts erklingt die Aufführung einer Art Schauspielmusik, für die 1617 in Mantua neben Salomone Rossi, Alessandro Ghivizzani und dem Gesualdo-Schüler Muzio Efrem auch Claudio Monteverdi gewonnen werden konnten. Im zweiten Teil des Konzerts erklingt das Sepolcro „La Maddalena“ von Antonio Bertali. 1663 wurde diese szenische Grabmusik in der Privatkapelle der Wiener Kaiserin Eleonora uraufgeführt.

Im Anschluss daran erklingt im zweiten Nachtkonzert im historischen Reichssaal Musik des spanischen Meisterkomponisten Juan Hidalgo (1614-1685). Das spanische Vokal- und Instrumentalensemble La Grande Chapelle zeichnet ein abwechslungsreiches musikalisches Porträt mit Tonos, Villancicos und Theatermusik des im Dienste der spanischen Könige Philipp IV. und Karl II. stehenden Hofkomponisten. Die Matinee am Sonntagvormittag in der gotischen Minoritenkirche bestreitet das russische Mittelalterensemble Labyrinthus aus Moskau. Es erklingen Rondelli, das sind mit geistlichen Texten versehene Tanzmelodien, und kunstvolle mehrstimmige Conductus in der Tradition  der Notre-Dame- Schule aus Schweizer Klöstern des 12.-14. Jahrhunderts.

Wenn das Wetter mitspielt, findet am Sonntagnachmittag um 14 Uhr im italienisch anmutenden Renaissancehof des Thon-Dittmer-Palais ein Freiluft-Konzert mit dem Schwanthaler Trompetenconsort statt. In der Besetzung mit acht Trompeten, zwei Chalumeaux, Posaune, Orgel und Pauken spielen die Grazer Musiker einen Querschnitt der höfischen Repräsentationsmusik des 17. und 18. Jahrhunderts, aber auch weniger bekannte spätbarocke bzw. klassische Kammermusik für Trompetenensemble.

Drei frühe Kantaten von J. S. Bach stehen dann um 16 Uhr in der Alten Kapelle auf dem Programm des französischen Barockensembles Alia Mens aus Lille. Mit vier exzellenten Vokalsolisten wird das junge Ensemble seinen Bachstil erstmals in Regensburg vorstellen. Sonntagabend um 19 Uhr erklingt in der Dreieinigkeitskirche wohl eines der populärsten Oratorien der gesamten Konzertliteratur, Händels „Messiah“, jedoch in der selten zu hörenden Urfassung, der sogenannten Dubliner Fassung von 1742, mit dem britischen Vokal- und Instrumentalensemble Solomon’s Knot Baroque Collective.

Im anschließenden Nachtkonzert in der Schottenkirche St. Jakob gastiert das Prager Ensemble Cappella Mariana mit acht Sängerinnen und Sängern und sieben Instrumentalisten, um u.a. die Missa Confitebor tibi Domine des Prager Hofkapellmeisters Philippe de Monte aufzuführen, eines der letzten großen Vertreter der franko-flämischen Schule. „Yo soy la locura…“ („Ich bin die Verrücktheit. Die einzige Inspiration für Gefallen und Süße. Ich bringe Freude in die Welt“) heißt das Programm, das die spanische Musikerin Raquel Andueza mit ihrem Ensemble La Galanía am Montag in der Matinee um 11 Uhr im historischen Reichssaal vorstellt. Es erklingen poetische Lieder, Zarabandas, Seguedillas und Passacailles aus dem Spanien des 17. Jahrhunderts.

Das Mittelalterensemble La Fonte Musica aus Italien entführt die Besucher am Montagnachmittag um 14 Uhr in der St.-Oswald-Kirche in die Klangwelt der Ars Nova. Vokal- und Instrumentalmusik, u. a. von Ph. de Vitry, G. de Machaut, J. da Bologna und M. da Perugia, steht auf dem Programm. In der Basilika St. Emmeram gibt am Montagnachmittag um 16 Uhr das Zürcher Barockorchester seine Visitenkarte ab. Auf dem Programm stehen zwei Solokantaten (BWV 84 & BWV 199) von J. S. Bach mit der Echo-Preisträgerin Miriam Feuersinger und Instrumentalwerke von G. Ph. Telemann und J. D. Heinichen.

Den Abschluss der 33. Tage Alter Musik bestreitet am Montagabend in der Dreieinigkeitskirche um 20 Uhr der Zinkenist und Ensembleleiter Roland Wilson mit seinen Formationen Musica Fiata und La Capella Ducale. Er leitet die Aufführung einer festlichen lutherischen Messe, wie sie zum 100. Jahrestag der Reformation 1617 in Dresden am Hofe des sächsischen Kurfürsten Johann Georg aufgeführt wurde. Den Hörer erwartet klangprächtige, mehrchörige Musik von größter Intensität von Heinrich Schütz und Michael Praetorius im Ambiente der Regensburger Dreieinigkeitskirche. Der Bayerische Rundfunk überträgt das Schlusskonzert live ab 20.05 Uhr in BR-KLASSIK.  

Wie gewohnt findet im Rahmen des Festivals auch 2017 im historischen Salzstadel an der Steinernen Brücke vom 3. bis 5. Juni wieder eine große internationale Verkaufsausstellung von Nachbauten historischer Instrumente, von Tonträgern, Büchern und Noten statt. Über 60 Anbieter aus ganz Europa werden die Ausstellung beschicken und sie somit zur größten ihrer Art in Deutschland machen. Der Eintritt ist frei!  

Und die Tage Alter Musik gehen in die Verlängerung: Am Dienstag, dem 6. Juni, gibt es zum sechsten Mal eine Zusammenarbeit der Tage Alter Musik Regensburg mit der Regensburger Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg (HfKM) in Form eines Kurstages. Der Zinkenist und Ensembleleiter Roland Wilson (Musica Fiata & La Capella Ducale) wird dabei mit Studentinnen und Studenten der HfKM an vorbereiteten Stücken aufführungspraktische Fragen klären. Der Kurstag endet mit einem Konzert um 19.30 Uhr im Konzertsaal der HfKM. Zuhörer sind in den Räumen der HfKM zu Kurs und Konzert in Regensburg-Stadtamhof herzlich willkommen.