Wozzeck in Düsseldorf mit Bo Skovhus und Camilla Nylund. Foto: Karl Forster

Wozzeck in Düsseldorf mit Bo Skovhus und Camilla Nylund. Foto: Karl Forster

Die Geschichte einer Hinrichtung

Stefan Herheim zeigt Wozzeck in Düsseldorf mit analytischer Schärfe als unentrinnbar dem Tod Geweihten, als das Opfer einer Gesellschaft, in der Schwaches untergehen muss.

In der Neuinszenierung von Stefan Herheim feierte Alban Bergs Oper „Wozzeck“ im Opernhaus Düsseldorf Premiere. Der Regisseur, der an den größten europäischen Opernhäusern inszeniert und inzwischen drei Mal zum „Opernregisseur des Jahres“ gekürt wurde, hat in Düsseldorf bereits mit seiner Inszenierung von Händels „Xerxes“ viel Zuspruch erfahren.

Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“, das Alban Berg als Opernvorlage diente, basiert auf einem authentischen Fall: Am 3. Juni 1821 ersticht der arbeitslose Perückenmacher Johann Christian Woyzeck seine Geliebte. Nach einem dreijährigen Prozess um seine Zurechnungsfähigkeit wird er trotz Zweifel für schuldig erklärt und öffentlich hingerichtet.

Das Stück einer Hinrichtung sieht Stefan Herheim auch in der Oper: „In 15 musikali­schen Szenen erlebt Wozzeck seine Existenz als Höllenritt in einer Gesellschaft, die ihn zum Mörder macht.“ Ausgangspunkt seiner Inszenierung ist die u. a. in den USA heute noch legitimierte Praxis, Menschen im Namen der Gerechtigkeit zu töten: In einer Todeskammer wird Wozzeck durch die Gift­spritze hingerichtet.

Doch sobald das Gift seinen Blutkreislauf erreicht und die Musik beginnt, vermischen sich seine Erinnerung, Angst, Wahn, Hoffnung und Verzweiflung zu surrealen Bildern, einer grotesken Todesrevue im Sterbemoment.

Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober bieten die Düsseldorfer Symphoniker eine filigrane und emotional erfüllte Wiedergabe der Partitur in all ihren Extremen. Bo Skovhus in der Titelpartie ist ein ganzheitliches Sängerschauspielererlebnis, Camilla Nylund gelingt ein Marie-Debüt auf stimmlich beeindruckendem und bewegedendem Weltklasse-Niveau, Matthias Klink meistert die Mörder-Partie des Hauptmanns schön singend, Heldentenor Corby Welch gibt dem Tambour­major glaubhafte Stärke und Sami Luttinen singt einen böse-geschmeidigen Doktor. Auch das übrige Ensemble überzeugt ohne Abstriche. Ein großer Abend, der viel Stoff zum Nachdenken bietet.

Alban Berg: „Wozzeck“ im Opernhaus Düsseldorf - weitere Vorstellungen: So 22. Oktober – 18.30 Uhr / Mi 25. Oktober – 19.30 Uhr / Fr 27. Oktober – 19.30 Uhr / Do 2. November – 19.30 Uhr / So 5. November – 15.00 Uhr / So 19. November – 18.30 Uhr / Do 23. November – 19.30 Uhr / So 26. November – 15.00 Uhr