"Die Grenzen der Höflichkeit überschritten"

Sexuelle Nötigung ist auch an deutschen Theater- und Musikhochschulen ein Thema. Die erstinstanzliche Verurteilung des Pianisten und nun scheidenden Mozarteum-Rektors Siegfried Mauser liefert dazu neuen Gesprächsstoff und Handlungsbedarf.

Kachelmann, Cosby - und nun auch David Garrett und Siegfried Mauser. Vorwürfe sexueller Übergriffe, ganz gleich, wie sie vor Gericht bewertet werden, finden bei prominenten Beschuldigten ein großes Publikum. Nun haben sie für den Pianisten Siegfried Mauser berufliche Konsequenzen. Wie das Mozarteum in Salzburg mitteilt, hat es sein Dienstverhältnis mit Mauser aufgelöst - "einvernehmlich", wie es heißt.

Vorausgegangen war dem eine Verurteilung Mausers durch das Amtsgericht in München wegen sexueller Nötigung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung sowie 25.000 Euro Geldstrafe. Mauser (61) soll vor einigen  Jahren etwa gleichaltrige Kolleginnen in München bedrängt, geküsst bzw angefasst haben. Das Mozarteum hatte nach der Verurteilung, gegen die Mauser in die nächste Instanz geht, ein Abberufungsverfahren auf den Weg gebracht. Die Vertragsauflösung macht dies nun hinfällig. Das Mozarteum will die Stelle des Rektors rasch neu ausschreiben.

Prof. Siegfried Mauser kommentiert die Vertragsauflösung mit dem Mozarteum so: „Das in München gegen mich laufende juristische Verfahren bindet einen großen Teil meiner persönlichen Ressourcen. Daher habe ich mich entschlossen, meine Tätigkeit am Mozarteum Salzburg zu beenden. Ich setze diese Maßnahme in meiner Verantwortung für das Haus, da ich vermeiden möchte, dass die Universität Mozarteum Salzburg durch die gegen mich erhobenen, wenn auch ungerechtfertigten Vorwürfe Schaden nimmt."

Weiter führte er aus: „Ich möchte die Gelegenheit aber auch nutzen, um noch einmal zu betonen, dass ich mir im Zusammenhang mit den Anschuldigungen, die zwei Ex-Kolleginnen aus München gegen mich erhoben haben, nichts vorzuwerfen habe. Man kann mir vorwerfen, dass ich die Grenzen der Höflichkeit überschritten habe, wofür ich mich auch entschuldige. Niemals habe ich aber die Grenze der Selbstbestimmung überschritten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dies in nächster gerichtlicher Instanz auch anerkannt wird."

Zum Zeitpunkt der ihm von den ehemaligen Kolleginnen vorgeworfenen sexuellen Nötigungen war Mauser Rektor der Münchner Musikhochschule, also der Vorgesetzte der beiden Frauen. Bei der einen handelte es sich um eine langjährige Freundin, die laut Süddeutscher Zeitung sogar seine Trauzeugin war.

Der Bayerische Rundfunk berichtet davon, dass der Redaktion zudem sie Aussage einer ehemaligen Studentin Mausers vorliege, die ihm ebenfalls sexuelle Nötigung vorwerfe. Das Thema sexuellen Missbrauchs hat durch den aktuellen Fall neue Aufmerksamkeit in der (deutschen) Hochschullandschaft bekommen. Dies fällt in eine Zeit, da der Deutsche Bundestag sich gerade mit einer Verschärfung der rechtlichen Bestimmungen zum Schutz von möglichen Opfern sexueller Gewalt befasst.