Foto: Theater Kiel, Skylla und Glaukos, Kostümentwurf von Paris Mexis

Foto: Theater Kiel, Skylla und Glaukos, Kostümentwurf von Paris Mexis

Die Kieler Oper und ihre Mythen

Seit zwei Spielzeiten hebt die Oper Kiel Schätze der französischen Barockoper. Nach der deutschen Erstaufführung von Jean-Baptiste Lullys Atys und Glucks Klassiker Orpheus und Eurydike kommt nun Skylla und Glaukos von Jean-Marie Leclair heraus.

Skylla und Glaukos (Scylla et Glaucus) des französischen Violinvirtuosen Jean-Marie Leclair (1697–1764) aus dem Jahr 1746 ist eine absolute Rarität und gleichzeitig nach Meinung der Verantwortlichen am Theater Kiel ein absolutes Meisterwerk der Gattung »tragédie en musique«.

Erneut kehrt zur szenischen Umsetzung die amerikanische Choreographin Lucinda Childs als Regisseurin nach Kiel zurück, die dieses Jahr mit zwei herausragenden Preisen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird – dem American Dance Festival Award und dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig.

Ihr Ausstatter Paris Mexis zeichnet wieder für die bildnerische Gestaltung verantwortlich, unterstützt von Lichtkünstler George Tellos, während Lucinda Childs erstmals in Kiel Unterstützung des historisch informierten Choreografen Bruno Benne erhält. Als Kiel-Debüt liegt die musikalische Leitung in den Händen des tschechischen Barock-Experten und Cembalisten Václav Luks. Erstmals in Kiel ist auch der dänische Tenor und Haute-Contre Valdemar Villadsen als Glaucus zu erleben, die weiblichen Hauptpartien werden von der argentinischen Sopranistin Mercedes Arcuri (Scylla) und der georgischen Mezzosopranistin Tatia Jibladze (Circé) verkörpert.

Der Inhalt des Stücks beruht auf Ovids »Metamorphosen«, Buch XIII / XIV: Der Meeresgott Glaucus liebt die schöne Nymphe Scylla, doch sie verwehrt sich seinem Werben. Glaucus sucht die Hilfe der Zauberin Circé auf, um Scylla mit magischer Unterstützung für sich zu gewinnen. Circé entwickelt jedoch selbst Interesse an Glaucus. Als dieser ihren Reizen widersteht und sich für Scylla entscheidet, rächt Circé sich grausam an ihrer Rivalin. Sie beschwört die Mächte der Unterwelt und verwandelt Scylla in ein schreckliches Meeresungeheuer, das zusammen mit dem Strudel Charybdis seither zu den Schrecken der Weltmeere gezählt wird.